Papst fordert Gerechtigkeit für alle

Vatikan verteidigt Papst in Rohingya-Konflikt

Mittwoch, 29. November 2017 | 18:00 Uhr

Der Vatikan hat die weiche Linie von Papst Franziskus bei seinem Myanmar-Besuch mit Blick auf die Krise der verfolgten Rohingya verteidigt. Die Warnung der katholischen Kirche vor Ort, nicht explizit auf den Konflikt um die muslimische Minderheit einzugehen und die Rohingya auch nicht beim Namen zu nennen, sei ernst genommen worden, sagte Papst-Sprecher Greg Burke am Mittwoch in Rangun.

“Man kann kritisieren, was gesagt wurde oder was nicht. Aber der Papst wird seine moralische Autorität über diese Frage nicht verlieren.” Die Reise sei nicht als “Flüchtlings-Reise” angelegt gewesen, wie zum Beispiel der Besuch des Katholiken-Oberhauptes im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos, sagte Burke. Vielmehr handle es sich um eine diplomatische Reise, um dem Land “Einheit” zu bringen.

Die Reise wurde noch vor dem Gewaltausbruch im Bundesstaat Rakhine in Myanmar im August geplant. Augenzeugen berichteten von Brandschatzungen, Vergewaltigungen und brutaler Gewalt des Militärs. Hunderttausende Rohingya sind seitdem nach Bangladesch geflohen, wohin der Papst am Donnerstag weiterreist. Die Vereinten Nationen sprechen von “ethnischer Säuberung”.

Menschenrechtsorganisationen hatten den Papst kritisiert, dass er das Wort “Rohingya” nicht erwähnt und die Gewalt nicht klar benannt hat. In Myanmar wird das Wort nicht benutzt, weil Rohingya dort als “Eindringlinge” aus Bangladesch und als keine eigene Ethnie angesehen werden. Kritisiert wird auch, dass der Papst kein Rohingya-Flüchtlingslager laut offiziellem Programm besuchen wird.

Der Vatikan-Sprecher ließ durchblicken, dass der Papst den Konflikt in privaten Treffen und hinter verschlossenen Türen durchaus direkt beim Namen genannt habe. Zudem hätten die Menschen zu hohe Erwartungen: “Ich weiß und ich bin glücklich, dass die Leute denken, der Papst ist mächtig. Er ist es aber nicht.” Er hätte zwar eine moralische Autorität, aber nicht die Macht, die Konflikte der Welt zu lösen.

Am Mittwoch hatte der Papst die buddhistische Glaubensgemeinschaft in Myanmar zu Frieden und Gerechtigkeit aufgerufen. Bei einem Treffen mit buddhistischen Mönchen in Rangun sagte Franziskus, die Angehörigen beider Religionen könnten ihren Einsatz “für Frieden, Achtung der Menschenwürde und Gerechtigkeit für jeden Mann und jede Frau” bekräftigen. “Nicht nur in Myanmar, sondern auf der ganzen Welt brauchen die Menschen dieses gemeinsame Zeugnis der religiösen Führer.”

Das mehrheitlich buddhistische Land leidet nach einer jahrzehntelangen Militärherrschaft immer noch unter Konflikten zwischen verschiedenen Ethnien und Religionen – nicht nur dem um die Rohingya. An der Stimmungsmache gegen Muslime sind auch buddhistische Mönche beteiligt. Es gibt verschiedene Hassprediger, die großen Einfluss auf die Bevölkerung haben.

Der Papst mahnte, die Wunden der Konflikte müssten geheilt werden, “die im Laufe der Jahre Menschen verschiedener Kulturen, Ethnien und religiöser Überzeugungen getrennt haben”. Zuvor hatte der Argentinier bei einer großen Messe das Thema Vergebung zum zentralen Punkt gemacht. Vor etwa 150.000 Menschen appellierte er an die Gläubigen, auf Gewalt nicht mit Rache zu antworten. “Ich weiß, dass viele in Myanmar sichtbare und unsichtbare Wunden der Gewalt mit sich tragen”, sagte der 80-Jährige. “Wir meinen, dass die Heilung durch Wut und Rache geschehen kann. Aber der Weg der Rache ist nicht der Weg Jesu.”

Von: APA/dpa