Die Bahn in Igls ist im Weltcup etabliert

Venetien schlägt Tiroler Bobbahn für Olympia-Austragung vor

Mittwoch, 16. November 2022 | 12:21 Uhr

Die norditalienische Region Venetien macht Druck, damit die Bobbahn in Igls bei Innsbruck als Austragungsstätte der Bob-, Rodel-und Skeletonbewerbe im Rahmen der Olympischen Spiele 2026 genutzt wird. Diese finden in Mailand und Cortina d’Ampezzo statt. In Cortina soll eine seit 2008 geschlossene Bobbahn renoviert werden. Die Renovierungskosten seien jedoch zuletzt aufgrund der Inflation und der Energiekrise von 61 Millionen Euro auf 85 Millionen Euro gestiegen.

So argumentiert Luca Zaia, Präsident der Region Venetien, zu der die Berggemeinde Cortina gehört. Da in Italien die Zahl der Rodel- und Bob-Athleten gering sei, sei es sinnvoll, die 90 km Luftlinie von Cortina entfernt liegende Bobbahn in Igls zu nutzen, statt die Bahn in Cortina zu renovieren, schrieb Zaia in einem Brief an die Stiftung Mailand-Cortina, die mit der Organisation der Olympischen Winterspiele beauftragt ist, und an den neuen Sportminister Andrea Abodi.

Zaias Vorschlag sorgt für Diskussionen, da die Winterspiele ohnehin in zwei norditalienischen Regionen – Venetien und Lombardei – und in acht verschiedenen Ortschaften ausgetragen werden. Sollte jetzt auch Igls eingebunden werden, könnte dies zu zusätzlichen organisatorischen Herausforderungen führen, berichtete die römische Tageszeitung “Il Messaggero” (Mittwochausgabe).

1,4 Milliarden Euro hat die italienische Regierung bereits für die Winterspiele locker gemacht, die 2,1 Milliarden Euro kosten sollten. 500 Millionen Euro hofft sie, dank Sponsoren einzutreiben. Italien hatte bereits die Olympischen Winterspiele 2006 in Turin organisiert.

Mit dem Thema der Bobbahn in Igls muss sich jetzt der Manager Andrea Varnier kümmern, der vergangene Woche zum neuen Geschäftsführer der Stiftung Mailand-Cortina 2026 aufgerückt ist. Der 58-jährige Varnier, Ex-CEO der Gesellschaft Costa Edutainment, kommt aus der Medienbranche.

Team K befürwortet Zaias Argumente

Das Team K fordert seit Monaten ein, von einer kostspieligen und alles andere als umweltfreundlichen neuen Bobbahn in Cortina d’Ampezzo abzusehen. Stattdessen sollte laut der Bewegung für die Olympischen Winterspiele 2026 die Bobbahn in Igls benutzt werden, die demnächst runderneuert wird. Dieser Vorschlag wurde gemeinsam mit dem Tiroler Ableger der NEOS vor Kurzem vom Team K lanciert. „Nun scheint diese grenzüberschreitende Lösung auch im Veneto Gefallen zu finden. Der Präsident der Region Veneto Luca Zaia äußerte sich laut Pressemeldungen kürzlich zu dieser Alternative und scheint damit den höchst notwendigen Kurswechsel wenigstens nicht mehr auszuschließen“, erklärt das Team K.

Er freue sich sehr, sofern man den heutigen Pressemeldungen Glauben schenken könne, dass nun auch Luca Zaia die umweltfreundlichere und nachhaltigere Alternative in Igls nicht mehr kategorisch ausschließe, erklärt der Landtagsabgeordnete Alex Ploner. „Wir als Team K haben uns für diese Lösung seit langem eingesetzt. Druck kam auch von vielen Umweltverbänden und nicht zuletzt von der Cortineser Bevölkerung. Man sieht, dass diese Stimmen von der Regierungspolitik nicht mehr ignoriert werden kann, will man nicht weiterhin an Glaubwürdigkeit und Zustimmung in der Bevölkerung verlieren. Ich erwarte mir nun auch von Landeshauptmann Kompatscher eine klare und unmissverständliche Aussage und Haltung zu diesem Thema. Es wäre ein großer gemeinsamer Erfolg, wenn 2026 die olympischen Rodel-, Bob- und Skeleton-Bewerbe in Igls stattfinden würden und die Bob-Bahn in Cortina endgültig vom Tisch wäre“, fasst Ploner die Situation zusammen.

Präsident Luca Zaia wird im Fatto Quotidiano heute so zitiert, dass aufgrund der angespannten geopolitischen Situation und der anhaltenden Klimakrise auch das geplante Bauprojekt in Cortina überdacht werden könnte. Das Team K ist davon überzeugt, dass eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Zuge der Austragung der Olympischen Winterspiele 2026 im Sinne der Olympischen Idee wäre, den selbstgesteckten Zielen in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz des IOC Rechnung tragen würde und den Beweis für eine funktionierende europäische Zusammenarbeit im Rahmen der Euregio darstelle. „Es bleibt zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen für die Olympischen Spiele 2026 nun für diesen neuen Weg entscheiden und vom Bau der Bobbahn in Cortina Abstand nehmen“, so Ploner.

Mair: „Kunsteisbahn in Cortina vor dem Aus?“

„Wer hätte das gedacht? Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, fordert, dass anlässlich der Olympiade 2026 die Wettkämpfe für Rodeln, Bob und Skeleton in Igls statt in Cortina ausgetragen werden. Eine solche Forderung hätte man sich eigentlich von Landeshauptmann Kompatscher erwarten dürfen“, schreibt die freiheitliche Landtagsabgeordnete Ulli Mair in einer Aussendung.

Zaia führe vor allem wirtschaftliche Gründe ins Feld, seien die Kostenschätzungen inzwischen ja von 61 auf 85 Millionen Euro gestiegen. Er denke wohl auch an die Folgekosten, die nicht unerheblich seien, so Mair.

„Wir Freiheitlichen haben uns für den Standort Igls bereits im fernen Jahr 1996 ausgesprochen, als es um den Bau einer Kunsteisbahn in Meransen ging. Die Argumente sind dieselben geblieben, es geht um hohe Kosten, hohe Folgekosten und um Umweltverträglichkeit. Zudem könnte die Zusammenarbeit in der Europaregion Tirol einen Schub erfahren; schließlich haben sich die Cortineser in einem Referendum für eine Rückkehr zu Südtirol ausgesprochen und haben im Dreierlandtag Beobachterstatus. In Zeiten von Erderwärmung und Energiekrise wäre der Bau einer neuen Anlage in Cortina nicht nur unverantwortlich, sondern geradezu ein fatales Signal“, so Mair weiter.

Mair bringt in die Diskussion ein neues Argument ein, indem sie erneut die Landesregierung auffordert, alle möglichen Schritte zu unternehmen, dass Naturbahnrodeln eine olympische Disziplin wird – als Ergänzung zum Rodeln auf Kunsteis.

„Die Naturbahnrodler hoffen seit Jahren, dass ihre Sportart als eigene Disziplin in das olympische Programm aufgenommen wird. Im Vorfeld der im Jahr 2006 in Turin stattgefundenen olympischen Spiele stand die Erfüllung dieses Wunsches konkret im Raum. Leider platzte der olympische Traum vieler junger Südtiroler wie eine Seifenblase und bis heute ist nicht klar, wann mit einer Aufnahme dieser Disziplin ins olympische Programm zu rechnen ist. In Südtirol ist Naturbahnrodeln ein Breitensport und erfreut sich großer Beliebtheit. Die Förderung durch Vereine und passionierte Personen hat dazu geführt, dass sich Spitzenathleten entwickeln konnten, die international Jahr für Jahr herausragende Leistungen erbringen. Zudem verursachen Bau und Erhalt von Naturbahnen weniger Kosten und Umwelteingriffe, von Energiekosten gar nicht zu reden“, schließt Mair.

Von: apa

Kommentare

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26 Kommentare auf "Venetien schlägt Tiroler Bobbahn für Olympia-Austragung vor"


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Superredner
10 Tage 11 h

Grande Zaia! Wenn Igls durch geht, wäre das eine sehr gute Nachricht. Von der Raum- und Geldersparnis bis zur internationalen Zusammenarbeit. Olympiagold sozusagen.

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
10 Tage 6 h

Grande Team K, hatte schon voriges Jahr dies vorgeschlagen,wärend Zaia damals noch strikt dagegen war!

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
10 Tage 4 h

@Info… damit gehen die Gelder nach Igls, Arbeitsplätze, Arbeit für lokale Unternehmen hier werden ausbleiben, auch Wertschöpfung geht verloren, wenn die Gäste nach Igls fahren und dort auch übernachten! Komplimente Team K! … handeln und nicht denken…

Stadtler
Stadtler
Tratscher
9 Tage 18 h

@Oracle Arbeitsplätze sind in Zeiten von mangelden Fachkräften absolut kein Argument!

info
info
Superredner
9 Tage 11 h

Doch nicht so grande Zaia, war wohl ein Missverständnis.
Dann knallen wir eben 80 Mio für den Bau hinaus und können dann entscheiden, ob wir die schwächstgenutzte Bahn über Jahre durchfüttern, oder sie, wie jene von Turin, wieder zu einer Ruine verfallen lassen.
Die nachhaltigsten Spiele ever….

Faktenchecker
10 Tage 8 h

Olympia ist nicht mehr Zeitgemäß. Umweltschäden ohne Ende!

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
10 Tage 6 h

Mein Lieblingsgrieche betreibt das “Olympia”. Es ist auf griechisch und zeitgemäß eingerichtet und von Umweltschäden weiß ich auch Nichts….

Faktenchecker
10 Tage 1 h

Wenn die Besucher durch die ganzen Alpen zu den Wettkampfstätten fahren wirst Du Dir Dein Gratisessen beim Griechen abgewöhnen müssen.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
9 Tage 14 h

@Faktenchecker..wie kommst Du auf “Gratisessen” ? Ich kann mir mein täglich “Brot” leisten und sogar selber bezahlen. Und ob die Besucher der Olympischen Spiele zwischen Südtirol/Trentino und Österreich hin und her pendeln, ist mir ehrlich gesagt “piepe”….

Diogenes
Diogenes
Tratscher
10 Tage 10 h

Waren doch bisher schon 3 Provinzen Austragungsorte der Olympiade (Venetien, Lombardei und Südtirol)! Dass nun Nordtirol dazu kommt, ist nur klug, nachhaltig und europäisch.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
10 Tage 6 h

@Diogenes….die “Olympiade” hat noch NIE Jemand ausgetragen. Denn so wird der Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen genannt…

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
9 Tage 14 h

Ich hätte bei dieser “Richtigstellung” auch👎gedrückt, wäre sie nicht von mir. Denn auch mir “stinkt”😉 es, wenn Jemand mehr😉 weiß, als ich selber….

Diogenes
Diogenes
Tratscher
9 Tage 13 h

@Rudolfo Insofern richtig, als die Olympiade mit Beginn der Olympischen Spiele beginnt und in dem Moment endet, in dem die Folgeolympiade einsetzt. Man stellt auch die Frage: Welches Land nimmt an der Olympiade teil, oder warum ist z.B. Russland von der Olympiade ausgeschlossen? Ist eine gängige Bezeichnung für Olympische Spiele! Gruß vom Federfuchser

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
8 Tage 11 h

@Diogenes
Ganz einfach googeln
Weil sie Dopingtests von russischen Sportlern gefälscht haben! Viele Medaillen mussten zurück gegeben werden.

Stolzz
Stolzz
Tratscher
10 Tage 10 h

Ein absolut sinnvoller Vorschlag!

ifassesnet
ifassesnet
Tratscher
10 Tage 11 h

Na also, dann schauen wir mal welcher große Kopf da doch noch etwas dagegen hat…

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
10 Tage 4 h

@ifassesnet….. schade, Wertschöpfung geht damit auch verloren, sollte man nicht vergessen! Wir könnten auch alle Skipisten frisch zumachen, warum nicht? Dann kommt auch niemand und wir haben keinen lästigen Verkehr mehr. Nur win-win-Situation? Naja….

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
10 Tage 4 h

Das CONI hat für die Olympischen Winter Spiele eine Bewerbung mit Sportstätten in Italien abgegeben. So weit so gut. Wenn nun aber die Kosten für den Neubau einiger Sportstätten explodieren, wofür das CONI Nichts kann, wäre es doch eine gute Idee, einen Teil der Wettbewerbe auf schon vorhandenen Sportstätten in Österreich durchzuführen. Vorausgesetzt, das IOC stimmt zu…

Faktenchecker
10 Tage 1 h

Die ganze Veranstaltung muss abgesagt werden.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
9 Tage 14 h

@Faktenchecker…stimmt🤣🤣. Denn dann fahren Weniger durch den Alpenraum und ich bekomme bei meinen Lieblingsgriechen vielleicht ein “Gratisessen”😉…..

Nico
Nico
Superredner
10 Tage 7 h

Frag mich wieso sich dann diese Regionen um olympia beworben haben, wenn sie nichtmal im stande sind die Wettbewerbe auf den vorgesehenen Anlagen zu organisieren?? Als nächstes kommt dann wohl Skispringen aufm Berg Isel und Ski-Alpin in Kitzbühel?? 😅

anonymous
anonymous
Kinig
10 Tage 7 h

Eine positive Erkenntniss

doco
doco
Tratscher
10 Tage 4 h

bravo einmal eine gute Nachricht.

ieztuets
ieztuets
Superredner
9 Tage 14 h

Bin voll dafür und die (überschaubare Anzahl) Gäste de wegnen Bob- und Kunstbahnrodeln nach Igls fohrn, überlossn mir gerne insre Nordtiroler Freunde!

Gredner
Gredner
Kinig
9 Tage 10 h

Am End wird in Cortina nur mehr das Eisstockschießen ausgetragen!😳

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
9 Tage 7 h

Cortina wird es 💶💰 “überleben”….

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