Giovanni Lo Porto starb bei einem Drohnenangriff

Verdacht: Wusste Obama von italienischem Opfer?

Sonntag, 26. April 2015 | 10:23 Uhr

Rom/Washington – Der Tod von Giovanni Lo Porto, der als Al-Kaida-Geisel gemeinsam mit einem US-Bürger bei einem amerikanischen Anti-Terror-Einsatz versehentlich getötet wurde, sorgt für Verstimmung zwischen den USA und Italien.

Laut einem Bericht von blitzquotidiano.it dementierte der Sicherheitsrat des Weißen Hauses in einer offiziellen Stellungnahme den Verdacht, dass Präsident Barack Obama über den Tod des Italieners bereits Bescheid wusste, als ihn Italiens Premier Matteo Renzi besuchte. Hätte der Präsident davon gewusst, hätte er Renzi sicher informiert, heißt es in der Stellungnahme.

Unterdessen fordern die Familienangehörigen von Lo Porto volle Aufklärung. Die USA dürften nicht so einfach mit Ausreden davonkommen. Wenn sich der Präsident der USA öffentlich entschuldigt, müsse tatsächlich etwas schiefgegangen sein, erklärte der Bruder des Opfers, Giuseppe Lo Porto, gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa.

Bei diesem Einsatz seien Fehler gemacht worden und er wolle, dass die Öffentlichkeit darüber informiert werde. Die Geheimdienste hätten trotz intensiver Aufklärung nicht gewusst, dass die beiden Al-Kaida-Geiseln aus den USA und Italien in dem angegriffenen Gebäude gewesen seien. "Ich bereue zutiefst, was passiert ist", hatte Obama erklärt. Den Angehörigen der beiden getöteten Geiseln hatte Obama sein Beileid und die "tiefste Entschuldigung" aus gesprochen.

Nach Informationen des "Wall Street Journal" starben Warren Weinstein und Giovanni Lo Porto bei einem Drohnenangriff des US-Geheimdienstes CIA.

Bei dem Militäreinsatz wurde den Angaben zufolge ein weiterer US-Bürger getötet, der ein ranghohes Mitglied von Al-Kaida gewesen sein soll. Außerdem sei ein mutmaßliches Al-Kaida-Mitglied mit US-Pass bei einem anderen Militäreinsatz im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ums Leben gekommen. Die Angriffe hätten allerdings nicht den beiden Männern gegolten.

Vor zwei Jahren hatte die US-Regierung erstmals eingeräumt, dass bei Drohnenattacken auch mutmaßliche Terroristen mit US-Staatsbürgerschaft getötet wurden. US-Bürgerrechtsaktivisten kritisieren, dass die Regierung mit den gezielten Tötungen ohne Prozess gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten verstoße.

Von: ©mk