Tote Migranten zählen fast zum Alltag

Vermutlich zuletzt 250 Tote bei Bootsunfällen im Mittelmeer

Dienstag, 09. Mai 2017 | 14:26 Uhr

Bei Schiffsunglücken im Mittelmeer sind nach UNO-Angaben in den vergangenen Tagen vermutlich fast 250 Flüchtlinge ums Leben gekommen. 82 Menschen gelten nach einem Bootsunglück am Freitag als tot oder vermisst, wie die UNHCR am Dienstag in Genf mitteilte. 50 Insassen überlebten. Bei einem Schiffbruch vor der libyschen Küste am Sonntag verloren demnach vermutlich 163 Migranten ihr Leben.

Insgesamt starben demnach seit Jahresbeginn mehr als 1.300 Flüchtlinge bei dem Versuch, von Nordafrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Mehr als 43.000 Migranten haben der UNO zufolge in diesem Zeitraum über die zentrale Mittelmeerroute Italien erreicht.

Der Flüchtlingshochkommissar der Vereinten Nationen, Filippo Grandi, betonte zuletzt nochmals die Wichtigkeit der Rettungseinsätze im Mittelmeer. Europa müsse zudem sichere Wege für Flüchtende schaffen, die etwa im Rahmen einer Familienzusammenführung einreisen. Zusätzlich müssten die Fluchtursachen bekämpft werden, um die gefährliche Überfahrt in Zukunft zu stoppen.

Inzwischen plant Italien neue Regeln für die Flüchtlingsrettung im Mittelmeer. Nach Vorwürfen wegen angeblicher Kontakte zwischen Hilfsorganisationen und Schleppern sollen alle Einsätze im Mittelmeer zur Flüchtlingsrettung ausschließlich unter Regie der italienischen Küstenwache erfolgen, berichtete die Mailänder Tageszeitung “Corriere della Sera” am Dienstag.

Das Hauptquartier der Küstenwache in Rom soll bestimmen, welche NGO-Schiffe Flüchtlinge in Seenot zur Hilfe eilen sollen. Damit soll vermieden werden, dass Schiffe von Hilfsorganisationen zu nah an die libysche Küste fahren. Zudem sollen die Namen aller Crewmitglieder an Bord der NGO-Schiffe von der italienischen Küstenwache registriert werden.

Angesichts der jüngsten Ankunft tausender Migranten auf Sizilien sucht das Innenministerium nach zusätzlichen Unterkünften für Flüchtlinge. 1.100 neue Plätze sollen in den nächsten Monaten in Kasernen, Sporthallen und anderen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Die Region Friaul Julisch Venetien will die Zahl der Plätze im Flüchtlingslager von Gradisca d’Isonzo aufstocken. In Rom sollen mehr Betten im Flüchtlingslager von Ponte Galeria südlich von Rom zur Verfügung gestellt werden.

Seit Jahresbeginn erreichten 43.245 Migranten die italienische Küste über das Mittelmeer, das sind 38,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2016, teilte das Innenministerium in Rom am Montag mit. Allein am Wochenende erreichten über 6.000 Migranten Italien. Das Land versorgt derzeit circa 177.000 Flüchtlinge in Hotspots und anderen Einrichtungen.

Von: APA/dpa