Von einem Auto aus gefeuert

Vierfacher Mafia-Mord in Süditalien war Vergeltung

Donnerstag, 10. August 2017 | 11:25 Uhr

Eine Fehde zwischen rivalisierenden Mafia-Clans dürfte Hintergrund eines Vierfachmordes in der süditalienischen Region Apulien sein. Das gaben die Ermittler einen Tag nach der Bluttat am Mittwoch in der Provinz Foggia bekannt. Dabei wurden ein einflussreicher Mafia-Boss, sein Schwager und zwei Zeugen auf der Straße erschossen. Die unbekannten Täter hatten aus einem Auto auf ihre Opfer gefeuert.

Bei den anderen beiden Toten handelte es sich um zwei Brüder. Die beiden Bauern saßen in einem Lieferwagen unweit ihres Feldes und waren zufällig Zeugen der Schießerei. Als die beiden bemerkten, dass die Täter auch sie töten wollten, versuchten sie noch mit ihrem Fahrzeug zu flüchten. Sie wurden jedoch angehalten und ebenfalls getötet.

Laut den Ermittlern war der Angriff eine Vergeltungsaktion für einen Doppelmord im Mai, bei dem in derselben Ortschaft ein Mafioso und sein Neffe getötet worden waren. Seit Jahresbeginn wurden in der apulischen Provinz Foggia 17 Morde verübt, die der lokalen Mafia zugeschrieben werden. “Die Mafia in Foggia ist besonders gewalttätig. Sie ist aggressiver als mafiöse Organisationen wie ́Ndrangheta, Cosa Nostra und Camorra”, sagte Anti-Mafia-Staatsanwalt Franco Roberti.

In der Fehde in Foggia gehe es um die Kontrolle der illegalen Geschäfte der Mafia, wie Drogenhandel, vermuten die Ermittler. Laut dem Staatsanwalt sind in den vergangenen 30 Jahren 300 Mafia-Morde in Foggia verübt worden, 80 Prozent davon blieben ungestraft. Der Bürgermeister der Gemeinde, Michele Merla, sprach von einem “grauenvollen Vorfall”. Er bat Innenminister Marco Minniti um Hilfe.

“In der Provinz Foggia hat sich durch die Kriminalität ein Notstand entwickelt. Der Staat muss eingreifen”, sagte Merla. Innenminister Minniti berief daraufhin für Donnerstag eine Sitzung des nationalen Komitees für die öffentliche Ordnung und Sicherheit in Foggia ein. Danach wird er die Bürgermeister der apulischen Provinz treffen.

Der bei dem Angriff getötete Mafioso Mario Luciano Romito galt als Boss des Romito-Clans. Dieser kämpft mit der Mafia-Familie Libergolis um die Kontrolle über den Drogenhandel in der Region. Romito war bereits anderen Attentaten entkommen. Am 18. September 2009 hatte er unversehrt einen Sprengstoffanschlag überlebt. Unbekannte hatten einen Sprengkörper im Motor seines Autos versteckt, der explodierte, während Romito mit seinem Bruder unterwegs war. Beide Männer überlebten das Attentat.

Von: apa