Außenministerium ruft Österreicher zurück

Österreich: Volle Reisewarnung für Italien

Dienstag, 10. März 2020 | 08:42 Uhr

Das österreichische Außenministerium hat am Dienstag wegen des neuartigen Coronavirus eine volle Reisewarnung für Italien ausgesprochen. Die Sicherheitsstufe wurde auf die höchste Stufe 6 hinaufgesetzt, wie Außenministeriums-Sprecher Peter Guschelbauer der APA sagte. Reisenden wird dringend nahegelegt, nach Österreich zurückzukehren.

Hintergrund sei, dass die italienische Regierung ein Dekret veröffentlicht, das am Dienstag in Kraft getreten ist, so Guschelbauer. Es sieht die Ausweitung der “roten Zone” vor, d.h. ein grundsätzliches Ein- und Ausreiseverbot sowie eine Beschränkung der Bewegungsfreiheit. Ausnahmen seien lediglich zwingende berufliche Gründe, Notsituationen oder medizinische Gründe. Polizei und andere Ordnungskräfte kontrollierten das Vorliegen der Gründe.

Die österreichische Bundesregierung wird noch am Dienstag ein neues Maßnahmenpaket angesichts der jüngsten Entwicklungen das Coronavirus betreffend vorstellen. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) treten am späteren Vormittag vor die Presse, um Details bekanntzugeben. Sie dürften nun kundtun, wie sie auf die neue Situation zu reagieren gedenkt. Bisher waren bloß punktuelle Fiebermessungen an Grenzübergängen vorgesehen.

Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Oberösterreich stieg zuletzt auf 13. Zwei Personen sind im Spital, die anderen in häuslicher Quarantäne. Neu hinzugekommen ist jeweils ein Patient aus Alberndorf im Bezirk Urfahr-Umgebung, aus dem Bezirk Perg und aus Wels. Details will das Land noch am Dienstag bekanntgeben. Zwei Patienten mit Coronavirus-Infektionen liegen derzeit in oberösterreichischen Krankenhäusern – einer im Kepler Universitätsklinikum in Linz und einer im LKH Steyr.

Bei Letzterem handelt es sich um einen Lkw-Fahrer aus dem deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Der Mann hatte bereits dort mit einem Patienten Kontakt gehabt. Nach seiner Ankunft in Oberösterreich zeigte er entsprechende Symptome und wurde mit einem Infektionstransport ins Spital gebracht.

Als erste Universität des Landes hat die Uni Innsbruck am Montagabend bekanntgegeben, zunächst keine Lehrveranstaltungen mehr abzuhalten. Ob diese Vorgangsweise auch an den anderen Hochschulen empfohlen bzw. verfügt wird, dürfte sich am Dienstag entscheiden. Als eher unwahrscheinlich galt vorerst, dass auch Schulen und Kindergarten ihre Türen schließen müssen.

Dagegen könnten Großveranstaltungen in Österreich die Absage drohen. Sportminister Werner Kogler (Grüne) griff die Forderung von Wiens Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ), einheitliche Richtlinien zu Sportveranstaltungen während der Corona-Krise zu erlassen, auf. Das sei eine “vernünftige Forderung”, sagte Kogler, ging aber in der “ZiB2” nicht ins Detail. Jedenfalls soll es ein bundeseinheitliches Vorgehen geben, wenn es nach dem Minister geht. Kogler denkt aber auch über die Staatsgrenzen hinaus und regte eine gemeinsame Betrachtung mit anderen Ländern an. Das benachbarte Bayern hat am Montag angekündigt, Events mit mehr als 1.000 Besuchern zu untersagen. Eine ähnliche Regelung gilt beispielsweise neuerdings auch in Kroatien, eine noch strengere in Slowenien.

In zahlreichen Ländern müssen auch Sportveranstaltungen mittlerweile ohne Publikum durchgeführt werden, neben Fußballspielen zuletzt etwa auch nordische Ski-Bewerbe in Oslo sowie Biathlon-Wettkämpfe in Tschechien. Die erste große Bewährungsprobe in Österreich gibt es am Donnerstag. Da steht in Linz das Fußball-Europa League-Achtelfinalspiel zwischen dem LASK und Manchester United auf dem Programm, für das bereits 14.000 Karten abgesetzt wurden.

Eine Wiener Notariatskanzlei mit rund drei Dutzend Mitarbeitern ist von Quarantänemaßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus betroffen. Auf der Homepage des Unternehmens heißt es, für Angehörige der Kanzlei wären “behördliche Quarantänefristen als reine Sicherheitsmaßnahme angeordnet” worden, die “in den nächsten Tagen auslaufen”. Es sei “zu keinerlei Erkrankungen” gekommen.

Von: apa