Brunetta: „Die Krise? Bislang gibt es sie nur in den Köpfen."

Wirtschaftsfestival in Trient

Sonntag, 05. Juni 2022 | 17:34 Uhr

Trient – Die Krise existiert nicht. Mit diesem Schlagwort ließ der Minister für die öffentliche Verwaltung, Renato Brunetta, im Gespräch mit dem stellvertretenden Chefredakteur des Sole 24 ore, Alberto Orioli, aufhorchen, als er im Teatro Sociale in Trient im Rahmen des aktuellen Wirtschaftsfestivals auf die Grundsatzfrage, ob uns eine Rezession droht, einging.

Brunetta machte deutlich, dass er optimistisch sei: „Das Wachstum ist da, die Industrie hat nie aufgehört zu produzieren. Der Tourismus boomt, der Krieg sorgt zwar für eine negative Stimmung, es handelt sich jedoch um eine psychologische Krise, nicht aber um eine Wirtschaftskrise. Das nächste Quartal wird besser sein als das vorherige, denn man geht davon aus, dass ein Wachstum von 3 % erzielt wird. Das Risiko eines Versorgungsengpasses? Die Ursachen der derzeitigen Schwierigkeiten liegen im Ausland. Ich sehe das Glas halb voll. Krieg ist zwar wie ein bleierner Mantel, aber je komplizierter er wird, desto einfacher werden Handel und Dividenden“.

Europa und eine Art Konjunkturprogramm, das mit europäischen öffentlichen Mitteln finanziert werden soll. Ein Vorschlag, der von Minister Brunetta selbst eingebracht wird: „Merkel wollte keine Eurobonds, aber der Amerikaner Hamilton hat eine Bundesverschuldung eingeführt, den Kitt, der die USA heute noch zusammenhält. Europa hat schon immer außergewöhnliche Lösungen für Krisen hervorgebracht. Das einstimmige Votum für europäische Entscheidungsfindungen? Wir brauchen eine politische Union. Ich glaube, dass wir nach 100 Tagen Krieg noch nie da gewesene Überlegungen anstellen müssen. Europa hat unser Leben zum Besseren verändert. Berlusconi erreichte 2002 ein inklusives Nato-Bündnis; es soll keinen bewaffneten Frieden geben, der ein Gebiet vom Atlantik bis zum Ural umfasst“.

Zum Thema Inflation meinte Brunetta: „Man muss sie regeln, als wäre es die eigene Körpertemperatur. Arbeitnehmende sollen durch andere Maßnahmen geschützt werden. Ich bin nicht für Moderation, d. h. Lohn und Erträge dürfen nicht begrenzt werden. Wir mussten eine Pandemie durchleben, um zu wachsen. Ich träume von einem neuen Abkommen, das mit der Ciampi-Methode zustande kommt, aber ohne eine Moderation. Wir benötigen einschneidende Strukturreformen, eine Universität, die eine Methode anstrebt. Eine Sofortmaßnahme könnte die Senkung der Mehrwertsteuer auf Konsumgüter sein. Der Krieg zwingt uns, die eigene Energiepolitik zu überdenken.“

Auf die Frage, ob Unternehmen, Kompetenzen, aber auch öffentliche Wettbewerbe auf wenig Interesse stoßen, antwortet Minister Brunetta: „In Bezug auf die öffentlichen Wettbewerbe herrschen Klischees. Ein Auswahlverfahren dauert heute 100 Tage, früher waren es vier Jahre. Eine öffentliche Anstellung ist nicht mehr attraktiv? Während der Pandemie hat kein öffentlicher Bediensteter seine Arbeitsstelle verloren und wer einwendet, dass man weniger als in der Privatwirtschaft verdient, sei an die vielen anderen Vorteile hingewiesen. Was den Steuerbonus von 110 % anbelangt, so muss diese Maßnahme überarbeitet werden, da sie von der öffentlichen Hand getragen wird. Dasselbe gilt für die öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen, die allmählich reduziert werden müssen. Es ist Zeit für eine europäische Besinnung“.

Von: lup

Kommentare

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18 Kommentare auf "Wirtschaftsfestival in Trient"


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primetime
primetime
Kinig
20 Tage 15 h

Also ist es auch nur ein hirngespinst dass die Energiekosten höher sind und man sich praktisch nichts mehr leisten kann? …..

Storch24
Storch24
Kinig
20 Tage 14 h

Hier gebe ich Brunetta recht. Einige leiden unter den Energiepreisen und Sprit Preisen. Den meisten geht es wohl gut.
Verzichten auf NICHTS . Wohl deshalb, weil sie es sich leisten können

Trina1
Trina1
Kinig
20 Tage 12 h

@Storch24 denk an die Mindestrentner, die haben nichts oder glaubst du die Welt besteht nur aus jungen!

Storch24
Storch24
Kinig
20 Tage 11 h

Trina, oh ja ich denke an die Mindestrenten. Und ich helfe aus wo ich kann.

Trina1
Trina1
Kinig
20 Tage 10 h

@Storch24 das freut mich!

primetime
primetime
Kinig
20 Tage 10 h

@Storch24 Scheuklappen juhu!

Storch24
Storch24
Kinig
19 Tage 21 h

Nein keine Scheuklappen. Ich schaue hin und helfe. Verzichte gerne selber dafür

vitus
vitus
Superredner
20 Tage 11 h

Vollkommen richtig!
Mit seinem Gehalt spürt man Verteuerung nicht wirklich!

Joosi
Joosi
Grünschnabel
20 Tage 10 h

Sagte einer der 20 000 monatlich bekommt…

So ist das
20 Tage 2 h

Und zu Forza Italia gehört 🤔

Joosi
Joosi
Grünschnabel
19 Tage 17 h

Letzter geht kaum

Grünschnabel
20 Tage 13 h

Der Politikwissenschaftler Brunetta scheint ja ein richtiges Genie zu sein. Ich würde an seiner Stelle auch kein Problem sehen, warum auch ? Der Pöbel soll nicht so kleinlich und undankbar sein, das bisschen Inflation ist schließlich ja nur vorübergehend, wie Frau Lagarde und Frau Schnabel schon seit Monaten unentwegt beteuern. Wir sollten anstatt dessen Herrn Brunetta tagtäglich für seinen Einsatz für uns danken, er ist ja schließlich auch der Minister, der den Supergreenpass bei der Arbeit als “geniales Instrument” bezeichnet und eingeführt hat. Ein Genie eben.

Trina1
Trina1
Kinig
20 Tage 12 h

Ja das kann er den 5 Stelle sagen, mit dem Reddito di Cittadinanza leben viele recht gut!

Unioner
Unioner
Tratscher
20 Tage 11 h

Hipp Hipp Hurra alles ist super alles ist wunderbar. Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt. So lebt es sich super und man wird nicht psychisch krank.

Savonarola
20 Tage 9 h

Herr Brunetta ist nicht einer, der durch was Gott für welche Taten in seinem Leben positiv aufgefallen wäre, aber er nimmt sich das Recht heraus, alle öffentlich Bediensteten pauschal und undifferenziert schlecht zu reden. Das ist die gleiche Mentalität, wie sie immer noch in der Rittner Straße herrscht: wenn es Ihnen nicht gefällt, dann können Sie gehen; es stehen 10 andere vor der Tür. Bloß: die Zeiten haben sich geändert und die Zuständigen haben es immer noch nicht gecheckt. Deshalb wird die öffentliche Verwaltung in Südtirol spätestens zum Jahresende an die Wand gefahren sein.

Fantozzi
Fantozzi
Superredner
20 Tage 1 h

I gib in brunetta recht …schaug a x bei ins in suedtirol olle mega autos ollm olle restaurants voll autobohn olm voll also krise gibs koane und olm lei schreien sel kennen boll olle i hoff benz geat auf 5e aui

Offline1
Offline1
Kinig
19 Tage 20 h

Was für eine Arroganz eines mit staatlichen Mitteln, nämlich den Steuern der arbeitenden Bevölkerung, alimentierten Politikers. Mindestrentner, Geringverdiener, Mehrfach Jobende usw. werden diese “gute Nachricht” 😡 mit Freude und Optimismus vernommen haben.

OH
OH
Tratscher
18 Tage 23 h

Ganz ehrlich, was soll das wieder bringen außer das Steuergelder verbraten werden !

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