Ein Attentäter sprengte sich in die Luft

Mittlerweile 126 Tote bei Selbstmordanschlag auf Buskonvoi in Syrien

Sonntag, 16. April 2017 | 17:36 Uhr
Update

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Buskonvoi in Syrien sind mindestens 126 Menschen getötet worden, darunter 68 Kinder. Wie die “Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte” am Sonntag mitteilte, sind unter den Toten Dutzende Menschen, die zuvor mit Bussen aus belagerten Ortschaften herausgeholt worden waren. Mittlerweile erreichten tausende Bewohner von Foua und Kefraya die Stadt Aleppo.

Die regierungstreuen Ortschaften Foua und Kefraya in der nordwestlichen Provinz Idlib waren mehr als zwei Jahre lang von Rebellen belagert worden. Nach einer Vereinbarung zwischen Regierung und Rebellen konnten rund 5.000 Zivilisten und Rebellenkämpfer am Freitag mit Bussen die Dörfer verlassen.

Zunächst war unklar, wer für das Attentat in dem von Rebellen kontrollierten Ort Rashideen verantwortlich war. Niemand bekannte sich zu der Tat. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana sprach von einem Anschlag von “Terroristen”. Oppositionsaktivsten beschuldigten hingegen Regierungsanhänger, hinter der Bombe zu stecken. Der UNO-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien zeigte sich “entsetzt” über den Anschlag. Den Attentätern seien Menschenleben völlig gleichgültig.

Papst Franziskus verurteilte den Angriff in seiner Osterbotschaft. “Die letzte schändliche Attacke auf Flüchtlinge hat zahlreiche Tote und Verletzte gefordert”, sagte vor 60.000 Gläubigen auf dem Petersplatz. “Möge [der Herr] vor allem in diesen Tagen die Anstrengungen derjenigen unterstützen, die sich für (…) die Zivilbevölkerung in Syrien einsetzen, die Opfer eines Krieges geworden sind, der nicht aufhört, Horror und Tod zu säen.”

An Bord der Busse waren rund 5.000 Menschen, die zuvor im Zuge eines Abkommens aus den von Rebellen belagerten Orten Foua und Kafraya gebracht worden waren. Sie mussten in Rashideen stundenlang warten, weil die Umsetzung des Abkommens stockte.

Die Einigung sieht vor, dass im Gegenzug etwa 2.220 Menschen die von Regierungskräften eingeschlossenen Orte Madaya und Zabadani verlassen. Der Iran als Verbündeter der Regierung und Katar als Unterstützer der Rebellen hatten das Abkommen zwischen den Kriegsparteien vermittelt.

Unter den Toten seien 98 Menschen aus Foua und Kafraya, erklärten die Menschenrechtsbeobachter weiter. Die Rettungsorganisation Weißhelme hatte die Zahl der Toten am Samstagabend auf 100 beziffert. Nach der Explosion wurde der Transport der umgesiedelten Syrer fortgesetzt.

Kritiker verurteilen die Einigung über den Abzug von Tausenden Menschen aus den vier Orten als Zwangsbevölkerungsaustausch. In den vergangenen Monaten waren nach Abkommen zwischen Regierung und Rebellen bereits mehrere von der Regierung belagerte Orte evakuiert worden. Die Opposition wirft den Regierungskräften vor, diese Gebiete durch Aushungern und Bombardierungen zur Aufgabe gezwungen zu haben.

Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen.

Von: APA/ag.