Kritische Flüchtlingssituation auf ostägäischen Inseln

130 Migranten an der Küste des Peloponnes aufgegriffen

Samstag, 08. Oktober 2016 | 13:28 Uhr

Ein Boot mit rund 130 Flüchtlingen und Migranten an Bord ist am Samstag im Südwesten der griechischen Halbinsel Peloponnes nahe dem Ort Methoni aufgegriffen worden. Wie die griechische Küstenwache mitteilte, hatten die Flüchtlinge per Notruf auf sich aufmerksam gemacht; mehrere von ihnen waren bereits ins Wasser gesprungen, um das Festland schwimmend zu erreichen.

Flüchtlinge und Migranten, die im Ionischen Meer westlich von Griechenland angetroffen werden, gelten bei der griechischen Küstenwache als “unüblich”. Anders als jene, die von der Türkei zu den ostgriechischen Inseln übersetzen, stammen die meisten von ihnen aus Nordafrika und wollen an Griechenland vorbei direkt nach Italien übersetzen.

Auf der griechischen Insel Chios zerstörte unterdessen am Samstag mindestens sechs von acht Bungalows, die für die Unterbringung von Flüchtlingen und Migranten gedacht waren. Wie die griechische Küstenwache mitteilte, war das Feuer in den frühen Morgenstunden ausgebrochen.

Verletzt wurde dem Bericht zufolge niemand, auch die Ursache des Brandes stand zunächst nicht fest. Drei Migranten seien festgenommen worden, weil sie während der Löscharbeiten Feuerwehrleute mit Steinen beworfen hätten.

Bei einem Krisentreffen in Athen wurde unterdessen am Freitag ein Maßnahmenplan für die Flüchtlingssituation auf der Insel Lesbos aufgestellt. Wie das Staatsministerium am Freitagabend mitteilte, soll die Lebenssituation der Menschen in den Auffanglagern der Insel verbessert werden. Die Asylverfahren sollen beschleunigt und NGOs stärker in die Prozesse eingebunden werden.

Auch die Situation der Inselbewohner stehe auf dem Programm; immer mehr Inselbewohner protestieren gegen die desolate Lage, zudem ist der Tourismus, die Haupteinnahmequelle der Menschen, aufgrund der Flüchtlingssituation weitgehend versiegt.

Die Flüchtlingssituation auf der Insel Lesbos und den anderen Inseln der östlichen Ägäis hat sich seit Inkrafttreten des europäisch-türkischen Flüchtlingspakts im April massiv verschlechtert. Seither werden alle illegal eingereisten Flüchtlinge und Migranten auf den Inseln festgehalten, um im Rahmen des Pakts zurück in die Türkei geschickt zu werden. Zuvor dürfen die Migranten Asyl beantragen – mangels Fachpersonal zieht sich der Prozess jedoch in die Länge, während täglich immer weitere Flüchtlinge illegal von der Türkei übersetzen.

Allein auf Lesbos leben deshalb mittlerweile fast 6.000 Flüchtlinge, wobei die Auffanglager nur eine Kapazität von 3.500 Plätzen haben. Vor zwei Wochen eskalierte die Situation: Das Flüchtlingslager “Moria” wurde von aufgebrachten Lagerbewohnern in Brand gesetzt und weitgehend zerstört. Ähnlich kritisch ist die Situation auf Chios, wo nach Angaben des griechischen Flüchtlingskrisenstabs mittlerweile 4.100 Flüchtlingen leben – bei einer Kapazität von 1100 Unterkünften.

Von: APA/dpa