Die Kämpfe um Ghazni dauern an

130 Tote nach Kämpfen um ostafghanische Stadt Ghazni

Montag, 13. August 2018 | 15:12 Uhr

Nach vier Tagen schwerer Gefechte zwischen afghanischen Regierungstruppen und radikalislamischen Taliban um die östliche Provinzhauptstadt Ghazni ist die Zahl der Toten auf 130 gestiegen. Rund 100 von ihnen seien Sicherheitskräfte und 30 seien Zivilisten, sagte Verteidigungsminister Tarik Shah Bahrami am Montag.

Zeitgleich seien 50 Soldaten der Kommando-Einheiten, die vor zwei Tagen verschwunden seien, wiedergefunden worden. Sie seien wohlauf. Laut Bahrami kommen die Sicherheitskräfte nun aus vier Richtungen auf die Stadt zu, um sie von Taliban-Kämpfern zu befreien. Die Situation rund um Ghazni werde sich innerhalb von 24 Stunden signifikant verbessern, meinte Bahrami.

Über den Fortgang der Kämpfe gab es auch am Montag widersprüchliche Berichte. Ein Parlamentarier für die Provinz Ghazni, Jman Shah Etimadi, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Taliban würden sich gerade freiwillig aus der Stadt zurückziehen. “Sie verlassen das Zentrum ohne Kampf.”

Taliban-Sprecher Sabiullah Mujahid widersprach den Aussagen Etimadis. “Das ist völlig falsch, wir halten unsere Positionen nicht nur, sondern üben zusätzlich Druck auf die Sicherheitskräfte im Zentrum der Stadt aus”, sagte Mujahid.

In der Nacht auf Freitag hatten mehrere hundert Taliban-Kämpfer Ghazni angegriffen. Seither liefern sich Sicherheitskräfte der Regierung und Taliban-Kämpfer schwere Gefechte um die strategisch wichtige Stadt. Am Wochenende hatten Taliban-Kämpfer auch mindestens zwei Bezirkszentren in der Provinz überfallen. Die Regierung schickte in mehreren Wellen Verstärkung, allerdings konnten laut einem Sprecher der afghanischen Spezialeinheiten nur am ersten Tag zusätzliche Truppen die Stadt erreichen. Die später geschickten Verstärkungen wurden am Weg ständig aus dem Hinterhalt angegriffen, sagte der Armeesprecher. Die Fahrt von Kabul nach Ghazni-Stadt dauert rund zwei Stunden.

Die 150.000 Einwohner zählende Stadt in der gleichnamigen Provinz liegt an einer wichtigen Nord-Süd-Straße, die die zwei größten Städte des Landes verbindet, die Hauptstadt Kabul und Kandahar. Ihr Verlust an die Taliban wäre eine große Niederlage für die Regierung.

Die Taliban hatten große Teile Afghanistans von 1996 bis zur US-geführten Intervention 2001 beherrscht. Seit dem Ende der NATO-Kampfmission Ende 2014 greifen sie wieder verstärkt an. Laut Militärangaben kontrollieren die Taliban aktuell knapp 14 Prozent des Landes. Weitere 30 Prozent sind umkämpft. Allerdings sehen andere Quellen eine höhere Dominanz der Aufständischen.

Von: APA/ag.