NS-Diktator dankte dem Duce sein Stillhalten bei Einverleibung Österreichs

1938/2018 – Hitler gab Südtirol nach “Anschluss” endgültig auf

Mittwoch, 28. Februar 2018 | 05:05 Uhr

Ohne die Duldung des italienischen Diktators Benito Mussolini hätte es den “Anschluss” wohl kaum gegeben. “Wir werden das nie vergessen und ein deutsches Wort gilt bedingungslos”, sagte Adolf Hitler am 3. April 1938 in Graz. Die Einverleibung Österreichs schweißte den Duce mit dem NS-Diktator zusammen. Dieser revanchierte sich, indem er Mussolini Südtirol endgültig überließ.

Überraschend kam dies keineswegs. Wie der Historiker Michael Gehlen betont, deutete der preußische Ministerpräsident Hermann Göring schon im Jahr 1937 dem deutschen Botschafter in Rom gegenüber an, dass die Südtirol-Frage durch einen “Transfer” der deutschsprachigen Bevölkerung gelöst werden könnte. Der Mastermind der faschistischen Italienisierungspolitik in Südtirol, Ettore Tolomei, will schon im Jahr 1928 bei einem Treffen in München die Zusicherung Hitlers bekommen haben, die Brennergrenze respektieren zu wollen.

In Tirol und Südtirol wurde der “Anschluss” dennoch zunächst als Chance bejubelt, nun auch das historische Unrecht der Landesteilung nach dem Ersten Weltkrieg zu tilgen. Nun da Südtirol unmittelbar als Deutsche Reich grenze, “kann es vor uns nicht kaltherzig die Fenster und Türen schließen”, betonte die illegale NS-Gruppierung in Südtirol, der Völkische Kampfring (VKS) im April 1938.

Tatsächlich waren aber zu diesem Zeitpunkt schon Pläne zur Lösung des Problems auf ganz andere Weise im Gang. So unterbreitete der Leiter der “Volksdeutschen Mittelstelle”, SS-Obergruppenführer Werner Lorenz, schon knapp zwei Wochen nach dem “Anschluss” erste Vorschläge für eine völlige Assimilierung der Südtiroler beziehungsweise ihre Aussiedlung in ein zu eroberndes Ostgebiet. Dieser Plan wurde dann im Oktober 1939 von Hitler und Mussolini formell in einem Abkommen beschlossen. Unter massivem Druck beider Seiten entschlossen sich 85 Prozent der deutschsprachigen Südtiroler für die “Option” zur Übersiedlung, die aber nur ansatzweise umgesetzt wurde.

Vorangetrieben wurden solche Pläne durch pro-deutsche Protestakte nach dem “Anschluss”. Wie der Historiker Karl Stuhlpfarrer berichtet, ließ die Aussicht auf eine Vereinigung mit Großdeutschland eine “jubelnde Aufbruchsstimmung in der deutschsprachigen Bevölkerung” entstehen. Obwohl der VKS die Devise ausgab, Zwischenfälle mit Italienern zu vermeiden, kam es zu zahlreichen Manifestationen wie Hakenkreuz-Höhenfeuern oder demonstrativem Zeigen des deutschen Grußes. Es dauerte nicht lange, bis dies auch zu gewalttätigen Zwischenfällen führte, die am 17. April 1938 in einem Schussangriff von Faschisten im Ort Kortsch gipfelte. Ein Knecht erlag am 20. April seinen dabei erlittenen schweren Verletzungen.

“Ich sterbe für die deutsche Sache” und dreimal “Heil Hitler”, soll der 26-Jährige vor seinem Tod gerufen haben. Während der mutmaßliche Täter vom einheimischen Mob verprügelt wurde, entwickelte sich das Begräbnis zu einer pathetischen Propagandakundgebung. Im Beileidsschreiben des VKS hieß es, dass der “Opfertod nicht umsonst gewesen” sei und aus ihm “neue Kämpfer entstehen”.

Tatsächlich führten aber Ereignisse wie dieses dazu, dass sich Nazi-Deutschland beeilte, den italienischen Anspruch auf Südtirol unmissverständlich anzuerkennen. Zwei Wochen nach dem “Heldentod” des Südtirolers besuchte NS-Diktator Hitler Rom und legte sich dort fest. Mit Blick auf den Brenner erklärte er, dass “die von der Natur zwischen uns beiden aufgerichtete Alpengrenze” eine “für immer (…) unantastbare” sei.

Von: apa

Bezirk: Bozen