Monatelang galt Abdeslam als meistgesuchter Mann Europas

20 Jahre Haft für Terroristen Abdeslam in Brüssel gefordert

Montag, 05. Februar 2018 | 18:47 Uhr

Im ersten Prozess gegen den mutmaßlichen Topterroristen Salah Abdeslam hat die Brüsseler Staatsanwaltschaft am Montag 20 Jahre Haft gefordert. Sie wirft ihm und Komplizen versuchten Polizistenmord bei einer Schießerei 2016 vor und verlangt die Höchststrafe. Abdeslam soll zu der islamistischen Terrorzelle gehören, die die blutigen Anschläge in Paris 2015 und in Brüssel 2016 verübte.

Zu Prozessauftakt schwieg er zu allen Vorwürfen – und machte damit die Hoffnung zunichte, dass er zur Aufklärung der Terrorwelle beitragen will. “Ich möchte nicht auf Fragen antworten”, sagte der 28-jährige Franzose mit Selbstbewusstsein und fester Stimme. “Ich verteidige mich durch Schweigen.” Das Gericht solle seine eigenen Schlüsse ziehen, er vertraue auf Allah: “Ich habe keine Angst vor Ihnen”, sagte der bärtige und langhaarige Angeklagte. Sein mutmaßlicher Komplize Soufien Ayari machte dagegen vor Gericht ausführliche Angaben und räumte Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat ein. Die eigentlichen Tatvorwürfe bestritt Ayari.

Die beiden sollen mit einem weiteren Terroristen am 15. März 2016 auf Polizisten geschossen haben, die im Brüsseler Viertel Forest die Wohnung durchsuchen wollten, in der das Trio sich versteckt hielt. Der dritte Verdächtige, der Algerier Mohamed Belkaid, wurde bei dem Feuergefecht getötet. Abdeslam und Ayari flohen. Drei Tage später wurden sie im Stadtteil Molenbeek gefasst. Weil in Forest mehrere Polizisten verletzt wurden, spricht die Anklage von versuchtem Mord “in einem terroristischen Zusammenhang”.

Zuerst nahm sich das Gericht den 24-jährigen Ayari vor, der bisweilen zögerlich und unsicher wirkte, aber einige wesentliche Informationen preisgab. Der Tunesier bestätigte, dass er ein Jahr bei der IS-Terrormiliz in Syrien gewesen sei. Er räumte auch ein, dass er und Abdeslam sich wochenlang in jener Wohnung in Forest versteckt gehalten hätten und am Tag des Feuergefechts vor Ort gewesen seien. Auf die Polizisten geschossen habe aber nur Belkaid – der Mann, der selbst getötet wurde und sich nicht mehr äußern kann.

Trotzdem hält die Staatsanwaltschaft ihre Beweisführung gegen die beiden Angeklagten für wasserdicht: Beide hätten sich zum Islamischen Staat bekannt, beide hätten gemeinsam mit Belkaid bewusst die Konfrontation mit den Polizisten gesucht. Alle drei seien Tatbeteiligte, egal wer genau geschossen habe. Angebracht sei die Höchststrafe von 20 Jahren, davon mindestens 13 Jahre im geschlossenen Vollzug.

Zu der Schießerei von Forest kam es im März 2016, nachdem europaweit monatelang nach Abdeslam gefahndet worden war. Er gilt als einziger Überlebender der IS-Selbstmordkommandos, die am 13. November 2015 bei der Pariser Terrorwelle 130 Menschen töteten. Abdeslam soll selbst einen Sprengstoffgürtel gehabt, aber nicht gezündet haben.

Stattdessen floh er nach Erkenntnissen der Ermittler nach Belgien und tauchte unter, bis er bei der Razzia in Forest aufgespürt und drei Tage später festgenommen wurde. Noch einmal vier Tage später sollen Mitglieder seiner Terrorzelle bei Selbstmordanschlägen in der Brüsseler U-Bahn und am Flughafen 32 Menschen mit in den Tod gerissen haben. Die Ermittlungen zu beiden Terrorwellen sind nicht abgeschlossen, die Prozesse nicht terminiert.

Auf die möglichen Zusammenhänge gab Ayari einen wichtigen Hinweis. Er sagte, während seiner Zeit im Unterschlupf in Forest sei dort mehrfach Brahim El Bakraoui aufgetaucht und habe mit Belkaid gesprochen. El Bakraoui und sein Bruder Khalid gehörten zu den drei Brüsseler Selbstmordattentätern.

Nach dem ersten Prozesstag vertagte sich das Gericht am späten Montagnachmittag auf Donnerstag. Dann soll auch die Verteidigung zu Wort kommen. Der Aufwand für den Brüsseler Prozess ist enorm, das Interesse der Medien mit Hunderten von Journalisten riesig. Abdeslam sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft und wurde erst in der Nacht von dort zum streng gesicherten Brüsseler Justizpalast gebracht. Der Transport hin und her soll an jedem Prozesstag wiederholt werden. Die Verhandlung ist zunächst bis Freitag terminiert.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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9 Kommentare auf "20 Jahre Haft für Terroristen Abdeslam in Brüssel gefordert"


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knoflheiner
knoflheiner
Superredner
15 Tage 15 h

warum macht man mit solche verbrecher keinen kurzen prozess.
 würde doch eher abschrecken.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Superredner
15 Tage 9 h

“Kurzen Prozess” wünscht der sich ja damit er möglichst schnell ins Paradies zu seinen Jungfrauen kommt. Deswegen alles unternehmen damit er hier bei uns die Hölle hat

Staenkerer
15 Tage 7 h

@6079_Smith_W wenn des mit de jungfrauen stimmt hot sich der feigling sell previleg jo schun vertun weil er de bombe nit gezunden hot, (zu oller glück)!
ober du hosch recht: schweinefleisch und weihwosser und auf jeder zellenwand der decke und in bodn es kreuz christi moln, damit er ihn sogor beim täglichen gebet unschaugn muaß!

lord schnee
lord schnee
Grünschnabel
15 Tage 1 h

darauf gibt es eine einfache antwort: es gibt keine rechtliche grundlage dafür.

lord schnee
lord schnee
Grünschnabel
15 Tage 1 h

@6079_Smith_W unsere strafen orientieren sich nicht an religiösen vorstellungen-das haben wir schon hinter uns und verlangen dies auch zurecht von unseren muslimischen staatsangehörigen.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Superredner
15 Tage 13 h

Hoffentlich gibts lebenslänglich bei Weihwasser und Speckbrot!

Oder gemeinnützige Arbeit: Beim Bauern den Schweinestall ausmisten

Nico
Nico
Tratscher
15 Tage 7 h

Die Hölle auf Erden fir selche Missgeburtn war tatsächlich mit 100erten Schweinen zusammen in einem Schweinestall eigesperrt zu sein.!

Dagobert
Dagobert
Superredner
15 Tage 14 h

Ich finde die Gesetze in Europa für solche Terroristen viel zu lasch.
Wenn sie diesen “Herr” täglich so weit transportieren, wird er ihnen auch noch entkommen.

zombie1969
zombie1969
Superredner
15 Tage 9 h
“im Viertel Molenbeek gefasst”  Banlieues, Molenbeek etc. Das sind die neuen Ghettos in Europa. Sie wachsen schneller als man schauen kann. Und ziehen Kriminelle wie muslimische Radikale zuhauf an. Diese Inseln der Rechtlosigkeit dehnen sich immer mehr aus. Es sind Territorien, die man als normaler Bürger lieber nicht betreten sollte. In Belgien sieht es in den sozialen Brennpunkten so aus wie in Deutschland oder Frankreich. Aber es sind keine Belgier, Franzosen etc. die dort den Ton und die Diktion angeben. Es sind muslimische Zuwanderer die schlecht oder gar nicht integriert sind. Ruhig gestellt werden sie durch reichlich Sozialhilfe. Und Ruhe… Weiterlesen »
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