In südukrainischer Hafenstadt Mykolajiw wurde Hotel von Raketen getroffen

20 Tote nach Raketenangriff auf Winnyzja in Zentralukraine

Donnerstag, 14. Juli 2022 | 15:01 Uhr

Bei einem russischen Raketenangriff auf die zentral-ukrainische Stadt Winnyzja sind laut Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag mindestens 20 Zivilisten getötet und Dutzende verletzt worden. “Raketen trafen zwei Verwaltungsgebäude, Häuser wurden zerstört, ein medizinisches Zentrum wurde zerstört, Autos und Straßenbahnen standen in Flammen”, sagte Selenskyj, zugeschaltet bei einer Konferenz über Kriegsverbrechen in Den Haag: “Das ist ein Akt des russischen Terrorismus”.

Die Stadt liegt rund 200 Kilometer südwestlich von Kiew und fernab der Hauptfronten im Osten und Süden der Ukraine. Das ukrainische Militär teilte mit, Russland habe von einem U-Boot im Schwarzen Meer aus Kalibr-Raketen auf Winnyzja abgefeuert. Nach Angaben der örtlichen Behörden waren unter den Todesopfern auch zwei Kinder. Wohn- und Bürogebäude seien bei dem Angriff zerstört oder schwer beschädigt worden. Der Polizei zufolge mussten rund 90 Verletzte medizinisch behandelt werden, etwa 50 von ihnen befanden sich in einem kritischen Zustand. Unabhängig konnten die Angaben zunächst nicht überprüft werden.

In Filmaufnahmen war zu sehen, wie dichter schwarzer Rauch aus einem großen Gebäude drang. Fotos, die der ukrainische Rettungsdienst online stellte, zeigten Trümmer und ausgebrannte Auto. Auch ein umgestürzter Kinderwagen war zu sehen. Laut den Einsatzkräften gab es einen Raketeneinschlag an einem neunstöckigen Bürogebäude. “Leider gibt es wahrscheinlich keine Hoffnung, (unter den Trümmern) Überlebende zu finden”, sagte ein Vertreter des Rettungsdienstes.

Vom russischen Verteidigungsministerium gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Berichten. Russland hat wiederholt Vorwürfe von sich gewiesen, zivile Ziele ins Visier zu nehmen. Auch weist die Regierung in Moskau Anschuldigungen zurück, dass die russischen Truppen in der Ukraine Kriegsverbrechen begingen.

Der Angriff auf Winnyzja passt eigentlich nicht ins derzeitige Kriegsgeschehen, da sich die russischen Truppen vor allem auf die Region Donezk im Osten der Ukraine konzentrieren. Nach Luhansk soll auch dieses Gebiet vollständig eingenommen werden. Dann hätte Russland die volle Kontrolle über den Donbass, die industriell geprägte Region, die bereits seit 2014 teilweise von pro-russischen Separatisten kontrolliert wird. Am Donnerstag griffen russische Truppen erneut die Stadt Kramatorsk in Donezk an. Raketen seien im Industriegebiet eingeschlagen, schrieb Bürgermeister Olexandr Hontscharenko auf Facebook. In einigen Teilen der Stadt sei der Strom ausgefallen.

Aber auch im Süden gingen die Angriffe weiter. Die Stadt Mykolajiw lag nach Angaben von Bürgermeister Olexandr Senkewytsch weiter unter russischem Beschuss. Mehrere zivile Gebäude seien getroffen worden, schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Mykolajiw liegt unweit von Odessa, der größten ukrainischen Hafenstadt, die bereits vereinzelt unter Beschuss geraten ist. Die Ukraine fürchtet, dass Russland auch die Hafenstadt einnehmen will, um dann die gesamte Küste des Schwarzen Meeres zu kontrollieren.

Die russischen Streitkräfte fügten nach eigenen Angaben mit schweren Artillerie-, Luft- und Raketenangriffen dem ukrainischen Militär hohe Verluste zu. Die jüngsten Luftschläge hätten die Ukrainer bis zu 1.000 Soldaten und mehr als 100 Militärfahrzeuge und Waffensysteme gekostet, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Donnerstag. Unabhängig ließen sich diese Angaben nicht überprüfen.

Unter anderem seien in Tschassiw Jar im ostukrainischen Gebiet Donezk 43 Soldaten getötet und 170 verletzt worden, sagte Konaschenkow. Die Ukraine hatte am Samstag einen Luftschlag auf ein Wohnhaus in der Kleinstadt gemeldet. Inzwischen sind nach ukrainischen Angaben 48 tote Zivilisten aus den Trümmern geborgen worden.

Der russische Armeesprecher berichtete zudem vom erneuten Einsatz der seegestützten Kalibr-Raketen. Die Lenkwaffen mit mehreren Hundert Kilometern Reichweite seien auf eine Fabrik für Hochspannungsanlagen in Saporischschja abgefeuert worden und hätten mehrere dort in den Hangars stehende Raketenwerfer vernichtet.

Die ukrainische Armee treibt unterdessen nach eigenen Angaben ihre Offensive gegen die von Russland besetzten Gebiete im Süden des Landes voran. Zwei Straßenkontrollen und ein Landeplatz seien angriffen worden, teilten Regierungsvertreter am Donnerstag mit. Bei den Vorstößen auf Nowa Kachowka in der Region Cherson seien 13 “Besatzer” getötet worden, zitierte der Sprecher der Regionalverwaltung Odessa, Serhij Bratschuk, den militärischen Stab im Süden der Ukraine. Von russischer Seite war zunächst keine Stellungnahme zu den Angaben zu erhalten.

Russlands Präsident Wladimir Putin machte unterdessen den Weg für eine stärkere Ausrichtung der russischen Wirtschaft auf Bedürfnisse der Armee frei. Der Kremlchef unterzeichnete am Donnerstag ein Gesetz, das der Regierung “Spezialmaßnahmen” für Militäreinsätze im Ausland erlaubt. Damit können einzelne Branchen zur Belieferung der Streitkräfte verpflichtet werden. Zudem können Arbeiter in diesen Betrieben zu Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit sowie zum Verzicht auf Urlaub gezwungen werden.

Auf eine Frage, unter welchen Umständen die Regierung gedenke, solche Maßnahmen umzusetzen, antwortete Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax lediglich: “In dem Maße, in dem die Regierung es für sinnvoll hält, hat sie das Recht, sie (die Maßnahmen) anzuwenden.” Vergangene Woche hatte das Parlament das Gesetz verabschiedet. Vize-Regierungschef Juri Borissow begründete es unter anderem mit den westlichen Sanktionen gegen Russland und den westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine.

Russland führt seit Ende Februar Krieg gegen das Nachbarland. Seitdem betont Moskau immer wieder, dass bei der “militärischen Spezial-Operation” – wie der Krieg offiziell nur genannt wird – alles “nach Plan” laufe. Internationale Militärexperten weisen hingegen darauf hin, dass Russland deutlich mehr Soldaten und Ausrüstung verloren haben dürfte als offiziell angegeben.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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19 Kommentare auf "20 Tote nach Raketenangriff auf Winnyzja in Zentralukraine"


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Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 22 h

Zumindest kennen die Russn nimmr lei aus sicherer Entfernung Raketen auf Ukrainische Städte feuern! Immer öfter kriegt diese Mörderbande Besuch von westlicher Militärtechnik 💥💥

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 22 h

Wird an der Gesamtsituation nicht viel ändern.
Solche Ausagen lesen sich wie Fan Gespräche irgend welcher Fußball Mannschaften oder Kindern :” werfen die einen 2 Steine , werfen wir mit Freude 5 zurück”?

Grünschnabel
1 Monat 19 h

@Dagobert
Hauptsoche es geat weiter, oder wia? 🙁

sophie
sophie
Kinig
1 Monat 17 h

@Dagobert
Die sollen so richtig auf die Schnauze kriegen….

Frank
Frank
Universalgelehrter
1 Monat 12 h

Warte ab, wie viele dieser Waffen zu Dollar gemacht werden:
https://www.rnd.de/politik/im-schatten-des-ukraine-kriegs-floriert-nun-das-organisierte-verbrechen-S4IZVDXRXJFCDCRR564R5LFD6M.html
Das kennen wir ja auch aus Syrien, wo viele der an die Opposition gelieferten westlichen Waffen an den IS weiterverkauft wurden.

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
1 Monat 12 h

@N. G.
Dein hässlicher Zynismus ist kaum überbieten.
Das ist kein Spiel sondern Krieg und du solltest dich für solche Aussagen schämen !🛡

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 9 h

@Frank Naja, wer seine Weisheiten aus der „SPD-Medienabteilung“ RND bezieht … (erklärt allerdings manche ihrer verklärten sozialistischen Beiträge)

Grünschnabel
30 Tage 23 h

Die Minüsdrücker haben wohl Probleme mit realen Ereignissen oder sind von der 🙈🙉🙊Sorte…

Frank
Frank
Universalgelehrter
30 Tage 15 h

Philingus, wo liegt da das Problem? Zumindest wird dort faktenbasiert und sachlich berichtet. Was man von vielen anderen Medien nicht gerade behaupten kann. Offenbar auch nicht von Denen, die Du konsumierst.

wellen
wellen
Universalgelehrter
1 Monat 17 h

Unschuldige Zivilisten in Wohnhäusern beschießen? Was für Barbaren sind die Russen. Es wird ein Nürnberg II für sie geben.

Frank
Frank
Universalgelehrter
1 Monat 13 h

Nur die Russen? Das sieht mittlerweile auch die UNO anders:
https://www.rnd.de/politik/angriff-auf-pflegeheim-in-luhansk-un-bericht-gibt-ukraine-mitschuld-7NXO6G3CXCB5FN3RENVCZKL3E4.html
Und den ganzen Artikel lesen, auch den Teil, daß das ukrainische Militär die Bewohner als Geiseln genommen hat und bei seinem Abzug das immer noch bewohnte Heim in Brand gesteckt hat.
Die Menschlichkeit ist auf beiden Seiten schon lange auf der Strecke geblieben.

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
1 Monat 9 h

@Frank
Jetzt bist du aber richtig froh ,daß du endlich auch bei der Ukraine was gefunden hast.!
Du bist schon ein ganz scheinheiliger Vogel .
Bist du ein Russe ?

Frank
Frank
Universalgelehrter
30 Tage 23 h

@Suedtirolfan Ach, „endlich etwas gefunden“? Da muß man nicht lange suchen, Human Rights Watch und die UNO Menschenrechtskommission prangern schon lange Kriegsverbrechen auf beiden Seiten an.

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
30 Tage 21 h

@Frank
Dann war es ja richtig leicht für dich !
Pass aber auf,daß du vor lauter Neutralität nicht die Richtung verlierst.
(Nur für den Fall ,daß du überhaupt eine hast).

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Tratscher
30 Tage 19 h

@Frank
“Kriegsverbrechen” gehen gar nicht – egal auf welcher Seite.
Direkte Frage an dich :
Welche Seite hatt damit anfangen ?

Frank
Frank
Universalgelehrter
30 Tage 15 h

Es spielt absolut keine Rolle, wer angefangen hat, ein Kriegsverbrechen ist und bleibt ein Kriegsverbrechen. Darüber überhaupt zu diskutieren und die Verbrechen einer Seite mit solchen Diskussionen auch noch legitimieren zu wollen, sagt so Einiges aus.

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 10 h

Некоторые уже ожидали дипломатического оскорбления…

genau
genau
Kinig
1 Monat 7 h

Ich warte immer noch auf die diplomatische Beleidigung!

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 1 h

Боюсь, я не понимаю смысла вашего сообщения.

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