Krieg offenbar noch lange nicht zu Ende

28 Zivilisten bei Angriffen auf syrische Rebellen getötet

Donnerstag, 04. Januar 2018 | 18:13 Uhr

Bei Angriffen in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 28 Zivilisten getötet worden. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Donnerstag mit, die russische Luftwaffe und die syrischen Regierungstruppen hätten am Mittwoch Ziele in der Region Ost-Ghuta angegriffen.

Allein 19 Zivilisten wurden demnach durch russische Luftangriffe auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Misraba getötet. Die übrigen Todesopfer habe es bei Angriffen der Regierungstruppen in anderen Gebieten gegeben. Die in Großbritannien angesiedelte Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte, unter den Toten seien sieben Kinder und elf Frauen. Ost-Ghuta ist eines der letzten Gebiete unter Kontrolle bewaffneter Islamisten in Syrien, insbesondere der Gruppe Jaisch al-Islam. Regierungstruppen belagern die Region am Ostrand von Damaskus seit 2013. Die etwa 400.000 Einwohner haben kaum noch Nahrungsmittel oder Medikamente.

Ost-Ghuta ist eine von vier Deeskalationszonen in Syrien, auf deren Einrichtung sich Russland, der ebenfalls mit Syrien verbündete Iran und die Türkei im Mai geeinigt hatten. Die Türkei unterstützt in Syrien bewaffnete Regierungsgegner.

Der Chef von Jaisch al-Islam, Mohammed Allusch, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag, die Regierung plane einen Angriff auf seine Kämpfer in Ost-Ghuta. Zu diesem Zweck habe sie im vergangenen Monat Truppen zusammengezogen. Die regierungsnahe syrische Zeitung “Al-Watan” berichtete von Truppenansammlungen außerhalb des Vororts Harasta.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte unterdessen mit, islamistische Rebellen hätten bei einem Granatenangriff auf den russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim im Nordwesten Syriens zwei dort stationierte Soldaten getötet. Ein Bericht der Zeitung “Kommersant”, wonach bei dem Angriff auch sieben Militärflugzeuge “so gut wie zerstört” wurden, sei aber “falsch”.

Erst am Mittwoch hatte das Ministerium einen Hubschrauberabsturz in Syrien vermeldet, bei dem zwei Piloten getötet wurden. Als Grund für den Vorfall am 31. Dezember gab das Ministerium einen technischen Fehler an. Durch die vier Todesfälle an Silvester ist die offiziell von Moskau bestätigte Zahl der getöteten russischen Soldaten im Syrien-Einsatz auf 44 gestiegen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im vergangenen Dezember den Abzug eines Großteils der russischen Truppen aus dem Bürgerkriegsland angekündigt, da diese ihre Aufgabe weitgehend erfüllt hätten. Russland bleibt in Syrien aber weiterhin militärisch präsent – nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu unter anderem mit drei Bataillonen der Militärpolizei sowie zwei Militärstützpunkten.

Der Syrien-Konflikt hatte im Frühjahr 2011 mit zunächst friedlichen Protesten gegen die Regierung begonnen. Westliche Staaten hatten lange auf eine Entmachtung von Staatschef Bashar al-Assad gesetzt. Die Unterstützung der russischen Luftwaffe ab Herbst 2015 erlaubte es den Regierungstruppen jedoch, das Blatt zu ihren Gunsten zu wenden und die Rebellen zurückzudrängen. Inzwischen hat Assad klar die Oberhand, während die Aufständischen nur noch wenige Regionen des Landes kontrollieren.

Seit Beginn des Krieges wurden nach UN-Schätzungen mehr als 340.000 Menschen getötet. Millionen Syrer flohen vor der Gewalt.

Von: APA/ag.