Regime ging hart gegen ihre Kritiker vor

3.700 Verhaftungen nach Protesten im Iran

Dienstag, 09. Januar 2018 | 14:02 Uhr

Bei den regimekritischen Protesten im Iran hat es offenbar viel mehr Verhaftungen gegeben als bisher angenommen. Nach Angaben eines Abgeordneten wurden 3.700 Menschen festgenommen. Das gehe aus einer Liste hervor, die dem Geheimdienst und Innenministerium vorgelegt worden sei, sagte der reformorientierte Politiker Mahmud Sadeghi am Dienstag. Bisher war von 1.000 bis 1.800 Verhaftungen die Rede.

Die Behörden sollten umgehend die Familien der Betroffenen informieren, forderte Sadeghi in einem Interview des Nachrichtenportals Icana. Bei den Unruhen wurden Ende Dezember bis Anfang Jänner mindestens 18 Demonstranten getötet, zwei weitere kamen während der Proteste bei einem Unfall ums Leben.

Nach Angaben der Justiz sind in der Zwischenzeit mehr als 200 Demonstranten, hauptsächlich Studenten, wieder freigelassen worden. Weitere Demonstranten sollen demnächst freikommen, nicht aber deren Anführer. Ihnen, besonders Mitgliedern der Oppositionsgruppe Volksmudschaheddin, könnte laut Justiz wegen Verschwörung gegen die Führung des Landes sogar die Todesstrafe drohen.

Irans oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei bezeichnete die Unruhen als einen Kampf der Feinde des Landes gegen den Iran, das iranische Volk sowie den Islam. “Protestieren ist eine Sache, aber den Islam und Koran zu beleidigen, Moscheen anzuzünden und die Nationalflagge des Landes herunterzureißen ist eine andere”, sagte Khamenei.

Er machte das Trio USA, Israel und Saudi-Arabien für die Unruhen verantwortlich. “Das war ein Plan der USA und Zionisten (Israel), der von einem stinkreichen Staat im Persischen Golf finanzierte wurde”, sagte der Ayatollah im iranischen Staatsfernsehen. Umgesetzt worden sei der Plan von ihren “hiesigen Söldnern”, den Volksmudschaheddin. Der Plan sei aber gescheitert. Nun sei das Trio wegen seiner Niederlage nicht nur wütend auf ihn, sondern auch auf das iranische Volk, sagte Khamenei. Die Verschwörungen dieser drei Länder würden aber trotz der Niederlage weitergehen.

Von: APA/dpa