Bombe detonierte westlich von Aleppo

43 Tote bei Anschlag auf evakuierte Syrer

Samstag, 15. April 2017 | 19:59 Uhr

Bei einem Selbstmordanschlag auf evakuierte Syrer sind am Samstag westlich von Aleppo nach Angaben von Aktivisten mindestens 43 Menschen getötet worden. Der Attentäter zündete demnach in der von Rebellen kontrollierten Ortschaft Rashidin einen Sprengsatz neben Bussen. Bei dem Anschlag gab es auch mehrere Dutzend Verletzte.

Rund 5000 Menschen aus zwei regierungstreuen Städten warteten in Rashidin seit Freitag auf ihre Weiterfahrt. Diese wurde am Samstagabend nach schwierigen Verhandlungen ermöglicht.

Unter den Toten waren laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 38 Menschen, die aus den Städten Foua und Kafraya evakuiert worden waren. “Der Selbstmordattentäter saß am Steuer eines Transporters mit Lebensmittelhilfen”, teilte die Beobachtungsstelle mit. Er habe den Sprengsatz in der Nähe der rund 75 Busse gezündet, die in Rashidin blockiert waren. Die Evakuierung aus vier Städten war am Freitag nach mehrfachen Verzögerungen angelaufen, dann jedoch ins Stocken geraten.

Die Beobachtungsstelle ist in Großbritannien ansässig und stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah in Rashidin zahlreiche Todesopfer sowie eine große Zahl von Verletzten. Einige Leichen waren verbrannt, auch Kinder wurden getötet.

Nach Informationen der Beobachtungsstelle beschwerten sich die Aufständischen, dass bei der Evakuierung von Foua und Kafraya die im März unter Schirmherrschaft des Iran und Katars getroffenen Vereinbarungen nicht eingehalten worden seien. Aus den überwiegend von Schiiten bewohnten Gemeinden Foua und Kafraya wurden 5000 Menschen evakuiert, die ursprüngliche Vereinbarung sah eine Zahl von 8000 zu Evakuierenden vor, darunter 2000 Kämpfer. Anstelle der vereinbarten Zahl verließen zunächst aber nur 1300 Kämpfer die beiden Städte.

Das staatliche Fernsehen machte “Terroristengruppen” für den Anschlag verantwortlich. Mit diesem Ausdruck belegen die staatlichen syrischen Medien unterschiedslos die verschiedensten bewaffneten oppositionellen Gruppen in Syrien.

2200 Menschen, die aus den von Aufständischen kontrollierten Städten Madaya und Zabadani herausgeholt worden waren, steckten ihrerseits für viele Stunden an einer Transitstelle in regierungstreuem Gebiet fest, wie Amjad al-Maleh, einer der Betroffenen, der Nachrichtenagentur AFP telefonisch berichtete. Die Menschen verbrachten demnach die Nacht zum Samstag in den Bussen, die in Ramusa feststeckten.

Die im März geschlossene Vereinbarung sieht die Evakuierung von insgesamt 30.000 Menschen in mehreren Etappen vor. Die Menschen aus Foua und Kafraya sollen nach Aleppo, in die Hafenstadt Latakia oder in die Hauptstadt Damaskus gebracht werden.

Das Abkommen wird in Teilen der Opposition äußerst kritisch gesehen. Es laufe auf eine Zwangsumsiedlung hinaus, die die Feinde von Präsident Bashar al-Assad von den wichtigsten Städten im Westen Syriens entferne. Außerdem wird befürchtet, dass die Zivilisten nach ihrer Ankunft in Idlib erneut unter Beschuss der Regierungskräfte geraten könnten. Die Regierung hat erklärt, durch die Umsiedlung könne sie die Kontrolle über die zerstörten Orte bei Damaskus übernehmen und dort die Versorgung wiederherstellen.

Die von den USA unterstützten arabisch-kurdischen Kampfeinheiten im Norden Syriens rückten nach Informationen der Beobachtungsstelle am Samstag bis zum Stadtrand von Tabka vor. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) stünden “wenige hundert Meter vor Tabka”, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die SDF-Einheiten stehen im Kampf gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), deren syrische Hochburg Raqqa ist. Raqqa liegt 55 Kilometer östlich von Tabka. Vor dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor gut sechs Jahren lebten in Raqqa rund 240.000 Menschen.

Von: APA/ag.

Kommentare

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6 Kommentare auf "43 Tote bei Anschlag auf evakuierte Syrer"


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oha
oha
Grünschnabel
8 Tage 3 h

48 Menschen wurden getötet!! Doch die Menschen bewegt wohl doch mehr der “Bombenanschlag” des Busses der deutschen Fußballmannschaft…

razorback
razorback
Grünschnabel
7 Tage 12 h

Klar!!

enkedu
enkedu
Universalgelehrter
6 Tage 17 h

die rebellen werden ja von uns unterstützt, verlierst den überblick?

wolke5
wolke5
Tratscher
8 Tage 6 h

trotzdem allen ein friedliches Osterfest.

moler
moler
Grünschnabel
8 Tage 3 h

Des isch jo nimmer normal wos do obgeat
Olm so viel wia möglich zivilistn obschlochtn
Des isch jo lai mehr pervers

ThunderAndr
ThunderAndr
Superredner
7 Tage 12 h

In der Gegend gibts keine sogenannten Zivilisten. Jeder der nicht auf deiner Seite ist wird zum Ungläubigen erklärt und darf abgeschlachtet werden

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