Es geht um die Zukunft Österreichs

6,4 Mio. Österreicher stellen am 15. Oktober die Weichen

Samstag, 07. Oktober 2017 | 07:15 Uhr

Nach einem langen, heftigen, teils auch schmutzigen Wahlkampf ist es am Sonntag in einer Woche so weit: 6,4 Millionen Österreicher sind aufgerufen, die Weichen für die nächsten fünf Jahre zu stellen. Sie wählen 183 Abgeordnete des Nationalrates – und auf dieser Basis wird dann eine neue Regierung gebildet. Diese könnte tatsächlich eine neue sein, also nicht mehr die Große Koalition.

Die Umfragen lassen große Änderungen erwarten: Seit Monaten liegt die ÖVP voran, die SPÖ steht Kopf an Kopf mit der FPÖ, die Grünen müssen sich auf starke Einbußen einstellen. Die NEOS haben gute Chancen, im Nationalrat zu bleiben – und die Liste des Ex-Grünen Peter Pilz könnte den Einzug schaffen. Unklar ist, wie sich die jüngste Schlammschlacht in der Affäre um den ehemaligen SPÖ-Berater Tal Silberstein auf das Wahlergebnis auswirken wird.

Hoch unwahrscheinlich ist, dass die vier weiteren Parteien, die bundesweit antreten – Roland Düringers GILT, Karl Schnells FLÖ, KPÖ PLUS und die WEIßEN – über die Vier-Prozent-Hürde kommen. Ausgeschlossen ist dies für sechs weitere Parteien, nur in einzelnen Ländern antretende Parteien.

Eine Spalte am Stimmzettel ist leer, nämlich jene für das Team Stronach. Es wurde 2013 mit 268.679 Stimmen in den Nationalrat gewählt, überlebte die Legislaturperiode aber nicht. Seine Wähler sind heuer ebenso am Markt wie die damaligen 165.746 Wähler des BZÖ, das mit 3,53 Prozent aus dem Nationalrat flog.

Im Nationalrat vertreten waren nach der Wahl vom 29. September 2013 mit sechs so viele Parteien wie nie zuvor. Die SPÖ stellte mit 26,82 Prozent 52 Abgeordnete, die ÖVP mit 23,99 Prozent 47, die FPÖ mit 20,51 Prozent 40, die Grünen mit 12,42 Prozent 24, die NEOS mit 4,96 Prozent neun und das Team Stronach mit 5,73 Prozent elf Mandatare. Die stärkste Partei waren aber auch bei der vorigen Wahl die Nichtwähler: Mehr als 1,6 Millionen verzichteten auf ihr Stimmrecht.

Auch wenn damals schon viele daran zweifelten, verlängerten Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) die Große Koalition noch einmal. Beide wurden mittlerweile abgelöst: Faymann im Mai 2016 von Christian Kern und Spindelegger im August 2014 von Reinhold Mitterlehner. Dieser musste im heurigen Mai Sebastian Kurz weichen. Dieser rief die Neuwahl aus, ein Jahr vor Ende der fünfjährigen Legislaturperiode.

Auch die Grünen gehen mit einer neuen Spitzenkandidatin in die Wahl: Eva Glawischnig trat im Mai überraschend zurück, die EU-Parlamentarierin Ulrike Lunacek sprang als Spitzenkandidatin ein. Für FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist es hingegen die vierte, und Matthias Strolz führt die NEOS zum zweiten Mal in die Wahl.

Nicht nur bei den Parteichefs, auch im Nationalrat gab es so viel Bewegung wie nie zuvor: Mit der Team Stronach-Auflösung, aber auch mit ÖVP-Abwerbungen und Abspaltungen hat jetzt keine Partei mehr so viele Abgeordnete wie nach der Wahl 2013. Die ÖVP ist mit 51 Abgeordneten gleich groß wie die SPÖ, der eine Abgeordnete (zur Liste Pilz) abhanden kam. Die FPÖ hat nach Zu- und Abgängen jetzt 38 Mandate, die Grünen nach dem Abschied der Liste Pilz-Leute 21, die NEOS acht. Die Gruppe der Fraktionsfreien ist mit 14 groß wie nie zuvor.

Wer bei der Konstituierung des neuen Nationalrates am 9. November angelobt wird, wird am Sonntag in einer Woche entschieden. Eine guter Teil der Stimmzettel ist allerdings schon ausgefüllt – von Briefwählern. Ihre Stimmen könnten wieder den Ausschlag geben, wenn die Urnenwahl ein knappes Ergebnis bringt. Ausgezählt werden sie bei der NR-Wahl in zwei Etappen. Am Montag der größte Teil davon, und am Donnerstag wahrscheinlich noch einmal relativ viele Wahlkarten. Wie viele kann nur grob geschätzt werden, zwischen 50.000 und 100.000 wird erwartet. Denn heuer kommt zur “Donnerstags-Runde” der Wahlkarten noch ein Brocken dazu: Briefwahlstimmen, die am Sonntag (selbst oder von “Boten”) in Wahllokalen in fremden Wahlkreisen abgegeben wurden. Dies ist heuer erstmals bei einer NR-Wahl möglich.

Spannender als früher wird auch die Auszählung der Vorzugsstimmen. Vor allem bei der ÖVP könnten einige Kandidaten, vor allem in den Wahlkreisen, damit zu einem Mandat kommen, das sie mit ihrem Listenplatz nicht hätten. Denn die ÖVP hat parteiintern die Hürden halbiert. Mit den bisherigen gesetzlichen Hürden gab es nur wenige Vorreihungen – nur eine ÖVP-Abgeordnete kam 2013 auf diesem Weg in den Nationalrat.

Von: apa

Kommentare

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3 Kommentare auf "6,4 Mio. Österreicher stellen am 15. Oktober die Weichen"


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Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
17 Tage 3 h

Ich wünsche der FPÖ den größten Erfolg. Mit Strache würde ich endlich einen gültigen Ausweis bekommen.👍

Blitz
Blitz
Tratscher
17 Tage 15 Min

Die FPÖ mit Strache wird richtungsweisend für Europa; wenns auch viele nicht wahrhaben wollen ! Alles andere ist sinnloses Geschwätz; das der Wähler längst erkannt hat !!

witschi
witschi
Universalgelehrter
17 Tage 38 Min

nach dem skandal, verursacht durch die spö, wird der weg zum wahlsieg von kurz nicht mehr steinig sein

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