Rohingya flüchten vor Angriffen und schlechter Behandlung

87.000 Menschen von Myanmar nach Bangladesch geflohen

Montag, 04. September 2017 | 13:25 Uhr

Seit der Eskalation der Gewalt in Myanmar vor rund zehn Tagen sind im Nachbarland Bangladesch nach Angaben der UNO 87.000 Flüchtlinge angekommen, die meisten von ihnen Mitglieder der muslimischen Rohingya-Minderheit. Weitere 20.000 warteten an der Grenze auf Einlass nach Bangladesch, hieß es in einem am Montag veröffentlichten UNO-Bericht.

Bangladesch hatte in den vergangenen Tagen die Grenzkontrollen verstärkt, doch der UNO-Bericht zitierte Flüchtlinge, denen zufolge sie bei der Grenzüberquerung nicht aufgehalten wurden. Ein Grenzsoldat sagte, die Flüchtlinge seien dermaßen zahlreich, dass es unmöglich sei, sie zu stoppen. Zuvor hatte Bangladesch viele der neu eintreffenden Flüchtlinge zurück nach Myanmar abgeschoben.

In Bangladesch lebten vor der jüngsten Krise bereits etwa 400.000 Rohingya-Flüchtlinge unter elenden Bedingungen in Camps an der Grenze zu Myanmar. Dort wurden der UNO zufolge auch die Neuankömmlinge untergebracht. Viele fanden jedoch keinen Schutz vor den heftigen Monsunregen.

Bei Kämpfen zwischen der Armee und Rohingya-Rebellen im westlichem myanmarischen Teilstaat Rakhine gab es seit Ende August Hunderte Tote. Die Gewalt trieb zahlreiche Menschen in die Flucht. Dutzende ertranken beim Versuch, den Grenzfluss Naf nach Bangladesch mit behelfsmäßigen Booten zu überqueren.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres warnte am Wochenende vor einer humanitären Katastrophe. Das Welternährungsprogramm (WFP) stellte wegen der Gewalt seine Hilfe für Rakhine vorerst ein. In Rakhine leben etwa eine Million Rohingya in bitterer Armut. Die Muslime gelten als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Myanmar betrachten sie als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele der Rohingya schon seit Generationen in Myanmar leben.

Die Flüchtlinge in Cox’s Bazar gaben an, Sicherheitskräfte und aufgehetzte Buddhisten hätten ihre Familien massakriert und ihre Dörfer niedergebrannt. Die Regierung in Myanmar (Burma) macht bewaffnete Rohingya-Rebellen für die Gewalt verantwortlich.

Aung San Suu Kyi, ehemalige Gefangene der Militärjunta in Myanmar und wegen ihres jahrelangen gewaltlosen Kampfs für Demokratie 1991 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, äußerte sich zunächst nicht zur Gewalt und zu den Flüchtlingen.

Die UNO-Friedensbotschafterin und Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2014, Malala Yousafzai, erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, sie habe in den vergangenen Jahren wiederholt die “tragische und beschämende Behandlung der Rohingya” verurteilt. Sie warte immer noch darauf, dass De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi dasselbe tue, fügte die 20-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin hinzu.

In Staaten in Südostasien mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit wächst die öffentliche Besorgnis über das Schicksal der Rohingya. Der pakistanische Oppositionspolitiker und ehemalige Cricketstar Imran Khan twitterte: “Schändliche Zustimmung zum Rohingya-Genozid durch Aung San Suu Kyi.” Das pakistanische Außenministerium forderte Myanmar auf, Berichte über Gräueltaten gegen Rohingya zu überprüfen.

Die indonesische Außenministerin Retno Marsudi traf am Montag in der myanmarischen Naypyidaw den myanmarischen Armeechef, General Min Aung Hlaing, und Aung San Suu Kyi. Sie drängte die Regierung, mehr zur Entschärfung der Krise zu unternehmen.

Zuvor hatte Indonesiens Staatschef Joko Widodo das “sofortige Ende der humanitären Krise” gefordert. Am Montag zogen dutzende Demonstranten vor die myanmarische Botschaft in Jakarta. Auch in Malaysia fanden Kundgebungen für die Rohingya statt.

Von: APA/ag.

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