Die Gefahr lauert drinnen

Aerosolforscher an die Politik: Fokus auf Innenräume

Montag, 12. April 2021 | 09:21 Uhr

Führende Aerosolforscher aus Deutschland fordern von der Politik einen Kurswechsel bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Seuche. “Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass DRINNEN die Gefahr lauert”, heißt es in einem Brief an die deutsche Regierung und an die Landesregierungen. Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt in Biergärten, das Joggen oder Radfahren seien hingegen kontraproduktiv.

Es gilt als sicher, dass sich das Coronavirus vor allem über Luft verbreitet. “Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt”, kritisieren die Verfasser des Briefes, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. In Wohnungen, Büros, Klassenräumen, Wohnanlagen und Betreuungseinrichtungen müssten Maßnahmen ergriffen werden. In Innenräumen finde auch dann eine Ansteckung statt, wenn man sich nicht direkt mit jemandem trifft, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat, warnen sie. Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt in Biergärten, das Joggen oder Radfahren seien hingegen kontraproduktiv.

Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen an den Flüssen Alster und Elbe in Hamburg etwa seien eher symbolischer Natur und ließen “keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten”, schreiben die Experten. SARS-CoV-2-Erreger würden fast ausnahmslos in Innenräumen übertragen. Im Freien sei das äußerst selten, im Promille-Bereich. Hierauf sollten die begrenzten Ressourcen nicht verschwendet werden, heißt es in dem Brief. Auch würden im Freien nie größere Gruppen – sogenannte Cluster – infiziert, wie das in Innenräumen etwa in Heimen, Schulen, Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten zu beobachten sei.

Auch die Ausgangssperren versprechen aus Sicht der Wissenschafter mehr als sie halten können. “Die heimlichen Treffen in Innenräumen werden damit nicht verhindert, sondern lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehr zu entziehen”, schreiben sie. “In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen.” Mit Ausgangsbeschränkungen will die Politik verhindern, dass sich Menschen zeitweise überhaupt treffen.

Stattdessen empfehlen die Autoren mehrere Maßnahmen wie Treffen in Innenräumen so kurz wie möglich zu gestalten, mit häufigem Stoß- oder Querlüften Bedingungen wie im Freien zu schaffen, effektive Masken in Innenräumen zu tragen sowie Raumluftreiniger und Filter überall dort zu installieren, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten müssen – etwa in Pflegeheimen, Büros und Schulen.

“Die Kombination dieser Maßnahmen führt zum Erfolg”, heißt es weiter. “Wird das entsprechend kommuniziert, gewinnen damit die Menschen in dieser schweren Zeit zugleich ein Stück ihrer Bewegungsfreiheit zurück.” Zu den Unterzeichnern zählen der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, Generalsekretärin Birgit Wehner und der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch.

Von: APA/dpa

Kommentare

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13 Kommentare auf "Aerosolforscher an die Politik: Fokus auf Innenräume"


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EviB
EviB
Superredner
29 Tage 13 h

Wenn das Impfen mal langsam in Schwung kommen würde, würden sich solche Diskussionen von selbst lösen.🙄

ITler
ITler
Tratscher
29 Tage 12 h

Schon mal dran gedacht dass nicht 15 Milliarden Impfdosen einfach so aus dem Himmel fallen?

Jiminy
Jiminy
Kinig
29 Tage 10 h

hast du die Sendung Piazzapulita gesehen, wo ein Funktionär der Italienischen Gesundheitssystems erzählte, wie Gesundheitspersonal trotz abgeschlossener Impfung sich angesteckt hat und andere Menschen damit angesteckt haben?? Für euch Kurzsichtige mag die Impfung DIE Lösung sein, die Realität sieht aber anders aus! Die Impfung ist nur ein Teil der Lösung!

nikname
nikname
Superredner
29 Tage 9 h

@Jiminy
ja du hast Recht, die Impfung ist aber der wesentliche Teil der Lösung, denn bei Geimpfte verläuft die Krankheit (laut Experten) im wesentlichen harmlos.

DerTom
DerTom
Tratscher
29 Tage 13 h

und wenn ich mich nicht irre, wie schon seit x jahren bei influenz-wellen immunsystem stärken (den viren das Leben so hart wie möglich machen)

grueneslicht
grueneslicht
Neuling
29 Tage 11 h

Du musst dich irren, denn sonst hätte der Kreis der Corona-Experten schon längst darauf hingewiesen. Ironie off.

allesnurzumschein
allesnurzumschein
Superredner
29 Tage 11 h

@DerTom
…und Elvis erfreut sich auch noch bester Gesundheit 🤦

Jiminy
Jiminy
Kinig
29 Tage 10 h

du irrst dich nicht, nur die Medizin hat es vergessen!

nikname
nikname
Superredner
29 Tage 9 h

ja Versuch es Mal, so wie in Brasilien z.B. 😱

ITler
ITler
Tratscher
29 Tage 12 h

Dürften Menschen in Biergärten sitzen oder vor Bars ihren Caffee trinken, so müssten sie sich nicht dicht gedrängt in privaten Kellern treffen. Aber das wollen/können unsere Politiker einfach nicht verstehen…

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Superredner
29 Tage 10 h

Maskenpflicht im Freien gibt es beispielsweise ziemlich extrem in Spanien. Wenn man sich dann Live-Webcams anschaut, wie auf Teneriffa an Atlantik bewindeten Strandpromenaden die paar Leute mit den Atem raubenden Masken rum laufen müssen, dann wirkt das bizarr! Die frische, salzige Seeluft einzuatmen wäre erheblich gesünder.

Gescheide
Gescheide
Tratscher
29 Tage 10 h

Da brauch ich ich kein Experte zu sein, um auf das zu kommen…

EQ
EQ
Grünschnabel
29 Tage 3 h

Übersetzt: Der Hausverstond muass mit Studien belegt werden, und wenn sich Leit in Innenräume treffn ischs gfährlicher..
Krisenmanagement von Juristn und Laborkittl

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