Das abgeschottete Tigray ist für Helfer nicht erreichbar

Äthiopien verkündet Einnahme von Teilen der Region Tigray

Donnerstag, 12. November 2020 | 17:12 Uhr

In Äthiopien hat das Militär nach Angaben der Regierung Teile des abtrünnigen Bundesstaates Tigray unter seine Kontrolle gebracht. Die feindlichen Truppen in der westlichen Region von Tigray seien besiegt worden, twitterte Ministerpräsident Abiy Ahmed am Donnerstag. Die Armee leiste nun humanitäre Hilfe und versorge die Bevölkerung mit Nahrung.

Den Tigray-Kämpfern warf er Gräueltaten während der vor rund einer Woche ausgebrochenen Kämpfe vor, die die Region am Horn von Afrika zu destabilisieren drohen. Eine unabhängige Überprüfung war nicht möglich. Eine Reaktion der Tigray Volks Befreiungsfront TPLF, die den gebirgigen Bundesstaat im Norden des nordostafrikanischen Landes regiert, lag zunächst nicht vor. Allerdings verkündete die Regionalregierung den Ausnahmezustand, wie ihr Sender Tigray TV berichtete. Ziel sei es, sich gegen eine Invasion zu verteidigen, zitierte der Sender aus einer Erklärung.

Abiy zufolge wurden mehrere Regierungssoldaten in der Stadt Sheraro mit hinter dem Rücken gefesselten Beinen und Armen erschossen aufgefunden. Wie viele Leichen entdeckt worden seien, sagte er nicht. Er warf den Tigray-Kämpfern zudem vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Laut staatlichen Medien kündigte Verteidigungsminister Kenea Yadeta an, in den von der Armee kontrollierten Teilen eine Übergangsverwaltung einzusetzen. Zudem habe das äthiopische Parlament 39 Mitgliedern, darunter dem Tigray-Regionalpräsidenten Debretsion Gebremichael, die Immunität vor Strafverfolgung entzogen.

Die TPLF beschuldigt die Armee, bei der Bombardierung von Tigray “gnadenlos” vorzugehen. Seit Beginn der Kämpfe sind mehr als 10.000 Menschen aus Äthiopien in den Sudan geflohen. Hilfsorganisationen warnten, dass die Lage für die Bevölkerung in Tigray immer schlimmer werde. Schon vor dem Konflikt waren dort 600.000 Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die Vertreterin des UN-Flüchtlingshilfswerks in Äthiopien, Ann Encontre, sagte Reuters, dass mit beiden Seiten Verhandlungen über die Öffnung von Versorgungskorridoren im Gange seien.

In Tigray mit seinen mehr als fünf Millionen Einwohnern liefert sich die Zentralregierung in Addis Abeba seit Jahren einen Konflikt mit der TPLF. Dabei geht es um ethnische Spannungen zwischen den Tigrayern, die das Land über Jahrzehnte kontrolliert hatten, und Ministerpräsident Abiy Ahmed aus der Bevölkerungsmehrheit der Oromo. Abiy ist seit April 2018 Ministerpräsident Äthiopiens. Der von ihm gebildeten Einheitsregierung trat die TPLF seinerzeit nicht bei. Abiy wurde für seine Bemühungen um eine Aussöhnung mit dem benachbarten Eritrea 2019 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er hat Äthiopien zudem wirtschaftlich und politisch geöffnet, die ethnischen Unruhen aber nicht in den Griff bekommen.

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz