Petry sieht ihre Partei vor wichtigen Sachfragen

AfD-Chefin Petry verzichtet auf Spitzenkandidatur bei Wahl

Mittwoch, 19. April 2017 | 16:57 Uhr

Nach einem monatelangen Machtkampf in der Führung der rechtspopulistischen AfD verzichtet Parteichefin Frauke Petry überraschend auf die Spitzenkandidatur für die deutsche Bundestagswahl im September. Petry erklärte in einer am Mittwoch verbreiteten Videobotschaft, dass sie “weder für eine alleinige Spitzenkandidatur noch für eine Beteiligung in einem Spitzenteam zur Verfügung stehe”.

Zur Begründung des Verzichts sagte sie, es sei ihr wichtig, dass ihre Partei drängende Sachfragen unabhängig von Personalfragen diskutiere. Die große Mehrheit ihrer Parteifreunde traf Petrys Entscheidung unvorbereitet.

Die Parteivorsitzende beklagte in ihrer Videobotschaft, die AfD leide seit Herbst 2015 darunter, dass es keine gemeinsame Strategie gebe. “So ist das Außenbild der AfD immer wieder durch die unabgestimmte – also für die Parteiführung völlig überraschende – maximale Provokation weniger Repräsentanten geprägt.”

Dies habe einen Teil der bürgerliche Wähler verschreckt und dazu geführt, dass das Wählerpotenzial der AfD zuletzt deutlich geschrumpft sei. Während dieses im Herbst 2015 noch bei bis zu 30 Prozent gelegen habe, liege es aktuell nur noch bei 14 Prozent.

Die erst 2013 gegründete AfD ist in 11 von 16 deutschen Länderparlamenten vertreten. Ihr besten Ergebnisse erzielte sie in Ostdeutschland, wo sie in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern voriges Jahr mit jeweils über 20 Prozent zweitstärkste Partei wurde. Sie hat auch gute Chancen, am 24. September in den Bundestag einzuziehen – sollte sie sich nicht vorher spalten.

Petry hatte vor zwei Wochen einen “Sachantrag zur politischen Ausrichtung der AfD” formuliert, den sie auf dem Bundesparteitag an diesem Wochenende in Köln zur Abstimmung stellen will. Darin wirbt sie für den “realpolitischen Weg einer bürgerlichen Volkspartei”, die in den kommenden Jahren in der Lage sein sollte, koalitionsfähig zu werden. Auf dem Parteitag soll auch die Frage der Spitzenkandidatur entschieden werden.

Dass Petry in ihrem Antrag gleichzeitig eine Abkehr von der “fundamentaloppositionellen Strategie” fordert und in diesem Zusammenhang den Namen von Parteivize Alexander Gauland erwähnt hat, haben ihr einige Vertreter des rechtsnationalen Flügels sehr übel genommen.

Sie warfen Petry zudem vor, sie habe die Strategie-Debatte nur angezettelt, um ihre Chancen, Spitzenkandidatin zu werden, zu verbessern. Diesem Vorwurf wollte Petry mit ihrem Verzicht nun entgegentreten. Außerdem deutete sie in ihrer Videobotschaft an, sie sei bereit, einige umstrittene Passagen ihres Antrags zu verändern.

Die AfD will auf dem zweitägigen Parteitag, der am Samstag beginnt, auch ihr Programm für die Bundestagswahl verabschieden. In ihrem Leitantrag zum Wahlprogramm fordert sie ein Kopftuchverbot in Bildungseinrichtungen, eine Entlastung kinderreicher Familien bei Steuer und Rente sowie die Ausbürgerung krimineller Deutscher mit Migrationshintergrund.

Tausende AfD-Gegner aus dem zumeist linken politischen Spektrum wollen am Samstag in Köln gegen den Parteitag demonstrieren. Auch die Kirchen wollen sich an den Protesten beteiligen.

Von: APA/ag.

Kommentare

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13 Kommentare auf "AfD-Chefin Petry verzichtet auf Spitzenkandidatur bei Wahl"


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matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
5 Tage 10 h

…. ich kann diese Partei einfach nicht verstehen ….. was sollte nun dieser Schritt? Denn laut mir ist Petry die Einzige in dieser Partei, die halbwegs seriöse Politik beweist und es auch schafft, Leute für ihre Sache zu begeistern. 
Wer soll kandidieren? Höcke? Na dann viel Spaß, die 5% zu erreichen.

Mistermah
Mistermah
Superredner
5 Tage 8 h

Da hastvdu vollkommen Recht Matthias. Für mich hat petry erkannt, dass ihre Partei zu einen Tollhaus für extreme Rechte verkommen ist und die ursprüngliche Idee (eine Alternative für Deutschland) so nicht funktionieren kann. Entweder sie eliminiert diesen extrem rechten Flügel oder spaltet sich ab. Denn so wird sie immer mehr ins Abseits gedrängt und die Partei verkommt zu einer neuen NPD. Es ist auch möglich dass sie diesen Kampf schon verloren hat und sie nun den Kahn gegen die Wand fahren lässt.

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
4 Tage 16 h
@Mistermah  … oder sie meldet sich  in 1-2 Jahren zurück, um diese Wahl vorübergehen zu lassen, denn nach Wahlen kommt es immer zu Sesselrückerei 😉 sprich würde die AfD im Herbst abschmieren, würden gewisse Leute quasi gehen müssen und Petry hätte den radikalen Flügel hinter sich.  … eigentlich bedauerlich, dass jetzt schon (!!) zwei ausichtstreiche Politiker (Lucke, Petry) quasi aus der AfD gegangen wurden, weil sie den Extrem-Rechtsruck nicht mitmachen wollten.  Petry wusste, dass man langsam mal mit Realpolitik anfangen sollte, das hat den Herren Poggenburg, Höcke, u wie dieses rechte Gesindel noch so heißt, nicht gefallen und man hinter… Weiterlesen »
gauni2002
gauni2002
Superredner
5 Tage 9 h

Als Petry auf der politischen Bühne anfangs auftrat, da war diese Frau wie ein tornado. Mittlerweile ist Petry weniger als ein laues Lüftchen im Wasserglas. Sie hat an Power verloren, anstatt den vorgezeichneten Weg weiter zu gehen, da hat sie sich in parteiinterne Querelen festgebissen. 
Und mit einer Petry, welche keine Zähne mehr zum Zubeissen hat, da ist die AfD auch keine Alternative mehr, sondern nur noch ein billiger Abklatsch der CDU. 

Iceman
Iceman
Neuling
5 Tage 6 h

eher ein billiger Abklatsch der CSU. Vielleicht bewirbt sie sich bei Seehofer?

Tabernakel
Tabernakel
Universalgelehrter
5 Tage 5 h

Die verschwinden wie die NPD in der Versenkung…

Pietz
Pietz
Tratscher
4 Tage 17 h

Frau Petry ..Südtirol ? guter Gehalt ..gute Pension sehr viele Wähler ,Pius ist leider nicht mehr, andere kriegen es nicht auf die reihe ,das wär doch was ? als nächste Landesrätin ?

panzer
panzer
Grünschnabel
4 Tage 12 h

stott dar Martha, nocher isch wieder Ordnung im Londe

knoflheiner
knoflheiner
Tratscher
4 Tage 22 h

Regierungen muss man wechseln wie Windeln – und immer aus denselben Gründen.

oldenauer
oldenauer
Grünschnabel
4 Tage 18 h

Schade … Schade. Trotzdem alles Gute Fr. Dr. F. Petry

kaiser
kaiser
Grünschnabel
4 Tage 18 h

Ewig schade :: Frauke Petry ist eine intelligente -gebildete und
sympathische Politikerin – die beste im Lande ! Sie hätte Deutschland
sehr gut getan !! Ich hoffe auf eine Wiederkehr -ALLES Gute der
werdenden Mutti !!

geh mir net
geh mir net
Grünschnabel
4 Tage 14 h

Eine gute strategische Entscheidung von Frau Petry, ein richtiges Signal
zur richtigen Zeit, um die Partei zusammenzuhalten im so wichtigen
Wahljahr. Der Auftrag und der Zweck der Partei stehen im Vordergrund,
nicht persönliche Karriereambitionen….

Tabernakel
Tabernakel
Universalgelehrter
4 Tage 8 h
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