Der Protest richtete sich gegen Milos Zeman

Affäre um rote Unterhose auf Prager Burg hat Nachspiel

Dienstag, 28. Juni 2016 | 11:30 Uhr

Die Affäre vom September 2015, als drei tschechische Künstler auf dem Dachmast der Prager Burg aus Protest gegen den Staatschef Milos Zeman eine große rote Unterhose anstatt der Präsidentenflagge hissten, hat ein Nachspiel. Die verschwundene Standarte tauchte jetzt wieder auf, obwohl das Künstler-Trio bisher behauptete, dass sie “offenbar weggeflogen” sei.

Allerdings ist die Präsidentenflagge auf 1.152 Stück zerschnitten, die auf dem Prager Hauptbahnhof und weiteren Orten Tschechiens unter zufällig ausgewählte Leute verteilt werden. Die Gruppe “Ztohoven”, der die Künstler angehören, teilte dies selbst im Internet mit.

Die Präsidentenkanzlei verurteilte die Zerschneidung der Flagge scharf. Zeman-Sprecher Jiri Ovcacek bezeichnete dies als “Schweinerei”. “Jene, die es getan haben, zeigen damit nur, wer sie sind”, so der Sprecher.

Die Präsidentenflagge ist als eines der Staatssymbole gesetzlich geschützt. Die Beschädigung oder Vernichtung der Standarte kann mit einer Geldstrafe bis zu 10.000 Kronen (368,3 Euro) geahndet werden.

Ab morgigem Mittwoch wird sich ein Gericht mit dem Fall der roten Unterhose befassen. Das Künstler-Trio könnte in dem Prozess wegen Ausschreitungen, Diebstahl und Sachbeschädigung bis zu drei Jahren Haft verurteilt werden. Die Schauspieler eines Theaters in Brünn zeigten sich mit ihren Kollegen solidarisch und hissten eine rote Unterhose auf der dortigen Stadtburg “Spilberk”.

Mit der roten Unterhose auf dem Dach der Prager Burg hatten die Künstler gegen die “entgegenkommende Haltung Zemans zu Russland und China” protestiert. “Endlich weht auf der Prager Burg die Standarte eines Mannes, der sich für nichts schämt”, hatten sie damals ihre Tat begründet. Zeman ließ in Reaktion darauf den Chef der Burgwache entlassen.

Von: apa