Soldaten haben den umkämpften Bezirk Khanabad zurückerobert

Afghanische Soldaten eroberten Bezirk in Kunduz zurück

Sonntag, 21. August 2016 | 14:59 Uhr

Afghanische Truppen haben einen Teil des von den Taliban am Samstag eingenommenen Gebiets in der Provinz Kunduz wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Die Sicherheitskräfte hätten den Bezirk Khanabad erobert, nachdem die radikalislamischen Taliban am Samstag in der Früh dort im Zentrum ihre Flagge gehisst hatten, erklärte das Provinzratsmitglied Mawlawi Abdullah am Sonntag.

In tagelangen schweren Gefechten gegen die Regierungstruppen hatten die Kämpfer der islamistischen Widerstandsgruppe weites Territorium in der nordafghanischen Provinz unter ihre Kontrolle gebracht. Bezirksgouverneur Hayatullah Hamidi beschuldigte die Regierung laut Medienberichten, tagelang keine Verstärkung geschickt zu haben, um die vorrückenden Taliban zurückzudrängen.

Aber auch mit der Rückeroberung von Khanabad sind in Kunduz, wo die deutsche Bundeswehr bis 2013 stationiert war, noch vier der fünf Bezirke umkämpft oder gänzlich in den Händen der Islamisten. Auch um zu verhindern, dass die Provinz erneut an die Taliban fällt, ist nun zeitweise wieder eine kleine Gruppe deutscher Militärberater vor Ort.

In einer jüngst veröffentlichten Analyse des Rechercheinstituts “Afghanistan Analysts Network” heißt es, Kunduz habe im vergangenen Jahr mehr Angriffe auf Bezirkszentren gesehen als jede andere Provinz. Das Leben in der Hauptstadt sei zum Stillstand gekommen. Die Stadt ist seit drei Tagen ohne Strom, weil bei Kämpfen Leitungen gekappt wurden. Die Regierung habe weitgehend aufgehört, zu arbeiten. Helfer warnen, dass im nahenden Winter Zehntausende Menschen Hunger leiden werden, weil die Gefechte Saat und Ernte weitgehend verhindert hätten.

In der an Kunduz angrenzenden Nordprovinz Baghlan haben die Taliban in der vergangenen Woche den Bezirk Dahana-i-Ghuri erobert. Auch hier war bis 2013 die deutsche Bundeswehr stationiert. Gegen Baghlan, Kunduz und die Südprovinz Helmand richten sich die meisten Taliban-Offensiven.

Viele der Landgewinne der Taliban sind von kurzer Dauer, weil Sicherheitskräfte anrücken und sie vertreiben. Dennoch haben die Aufständischen ihre Kontrolle über die Provinzen ausgeweitet. In einem Bericht des Aufsichtsgremiums des US-Senats für die Hilfe in Afghanistan (Sigar) ging jüngst hervor, dass die Regierung Ende Mai nur noch 65,6 Prozent der 407 Bezirke des Landes kontrollierte. Ende Jänner seien es noch 70,5 Prozent gewesen.

Von: APA/dpa

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