Die Leichen wurden bereits beerdigt

Afghanische Soldaten töten neun Familienmitglieder

Dienstag, 29. Mai 2018 | 11:06 Uhr

Afghanische Spezialkräfte haben in der ostafghanischen Provinz Nangarhar offenbar versehentlich neun Zivilisten getötet. Alle seien Mitglieder derselben Familie und Verwandte des Chefs des afghanischen Senats, Fazl Hadi Muslimyar, teilte die Provinzregierung am Montag mit. Eine Delegation aus Kabul sei auf dem Weg, um den Vorfall zu untersuchen, bei dem acht weitere Personen verletzt wurden.

Wie die Zivilisten in den nächtlichen Einsatz hineingeraten waren und gegen wen der gerichtet war, blieb zunächst unklar. In der an Pakistan grenzenden Provinz ist neben den Taliban seit 2015 die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) präsent, die in der Vergangenheit für mehrere schwere Anschläge in Afghanistan die Verantwortung übernommen hatte.

Wegen vieler ziviler Opfer und großer Empörung in der Bevölkerung hatten internationale Truppen Nachtrazzien 2013 weitgehend eingestellt. Über das Thema waren die Beziehungen vor allem zwischen den USA und dem damaligen Präsidenten Hamid Karzai fast zerbrochen.

Der derzeitige Präsident Ashraf Ghani hatte das Verbot angesichts des rasanten Wiedererstarkens der radikalislamischen Taliban 2014 wieder aufgehoben. Nachtrazzien werden heute zu einem großen Teil von afghanischen Soldaten durchgeführt.

In den ersten drei Monaten des Jahres waren afghanische Sicherheitskräfte laut der UNO für rund 18 Prozent aller zivilen Opfer verantwortlich, im ganzen vergangenen Jahr für mindestens 16 Prozent. Erst Anfang April hatten afghanische Hubschrauber im nordafghanischen Kunduz mindestens acht Raketen in eine angebliche Talibanversammlung vor einer Religionsschule geschossen, dabei aber 36 Zivilisten getötet und 71 verletzt. Unter den Opfern waren viele Kinder.

Insgesamt wurden rund 800 Zivilisten getötet und 1.500 verletzt. Die Opferzahlen sind laut den Vereinten Nationen auf einem ähnlichen Niveau wie in den ersten drei Monaten der vergangenen beiden Jahre.

Von: APA/dpa/ag.

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