Immer wieder Anschläge durch den Taliban

Afghanische Taliban kündigen Frühjahrsoffensive an

Freitag, 12. April 2019 | 13:49 Uhr

Ungeachtet laufender Gespräche mit den USA über eine Friedenslösung in Afghanistan haben die radikalislamischen Taliban am Freitag ihre Frühjahrsoffensive angekündigt. Viele Afghanen hatten gehofft, dass die Extremisten angesichts der politischen Annäherung in diesem Jahr darauf verzichten. “Unsere Pflicht zum Jihad ist nicht vorbei”, heißt es in der Taliban-Erklärung.

Eine Schlüsselkomponente der Offensive unter dem Namen “Al-Fath” (der Sieg), sei es, Afghanen dazu zu bringen, die Armee und Polizei zu verlassen, hieß es. Die Taliban riefen alle Sicherheitskräfte dazu auf, ihre Leben zu schützen und auf “sinnlose Feindseligkeiten und vergeblichen Widerstand” zu verzichten und sich ihnen anzuschließen. Man sei entschlossen, das Land aus der “Umklammerung der ausländischen Besatzung” herauszulösen, habe neue Taktiken und moderne Waffen und hoffe, mit der neuen Offensive große Gebiete inklusive Städte einzunehmen, heißt es in der Erklärung weiter.

Die Taliban sind die mit Abstand größte Aufständischen-Gruppe in Afghanistan. Sie konnten in den vergangenen Monaten und Jahren zunehmend Gebiete erobern. Laut Militärangaben kontrolliert die afghanischen Regierung heute nur noch wenig mehr als die Hälfte aller Bezirke des Landes. Mehr als 30 Prozent gelten als umkämpft.

Die Kämpfe hatten sich zuletzt intensiviert. Aus Militärkreisen heißt es, täglich würden rund 35 Soldaten und Polizisten bei Gefechten sterben. Auch die Streitkräfte hatten zu Beginn des neuen afghanischen Jahres Ende März eine Offensive angekündigt.

Gleichzeitig führen die Taliban Direktgespräche mit den USA zur politischen Beilegung des Konflikts. Nächste Woche sollen hochrangige Taliban zudem eine Delegation afghanischer Politiker im Golfemirat Katar zu Gesprächen treffen.

Mehrere hochrangige Taliban-Vertreter erhielten indes eine Reiseerlaubnis von den Vereinten Nationen. Unter anderem wurde dem Vizechef Mullah Abdul Ghani Baradar, der sich seit 2001 auf der Schwarzen Liste der UNO befindet, eine solche Erlaubnis gewährt. Diese gelte bis Ende Dezember und sei auf Reisen in Verbindung mit Friedensgesprächen beschränkt, heißt es in einer Mitteilung auf der Website des UNO-Sicherheitsrates.

Die elf Personen, die seit 1. April wieder reisen können, sind Teil des Verhandlungsteams der Extremisten. Mit der nun gewährten Ausnahme könnten sie auch beschränkt wieder auf ihre Vermögenswerte zugreifen, um die Reisen zu finanzieren, heißt es weiter. Die Entscheidung fiel am 6. April, wurde aber erst jetzt bekannt.

Von: APA/dpa

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