WhatsApp diente zur Verbreitung der Fotos

AG-Funktionäre mit Judenwitzen und Behinderten-Spott

Dienstag, 09. Mai 2017 | 18:20 Uhr

Mit Judenwitzen und Spott über Behinderte haben sich Funktionäre der VP-nahen AktionsGemeinschaft am Juridicum der Uni Wien in einer geschlossenen Facebook-Gruppe offenbar die Zeit vertrieben. Der “Falter” veröffentlichte Auszüge aus den Chat-Protokollen. Unter den Mitgliedern der Gruppe sollen Mitglieder der Fakultätsvertretung als auch Kandidaten für die anstehende ÖH-Wahl sein.

In einer Whatsapp-Gruppe sowie der geschlossenen Facebook-Gruppe “Fakultätsvertretung Jus Männerkollektiv” tauschten sich die Studentenvertreter regelmäßig aus. So ist etwa unter dem Titel “Leaked Anne Frank Nudes” ein Haufen Asche samt einer Rose zu sehen. An anderer Stelle wird ein Hitlerjugend-Mädchen mit Hakenkreuz-Fähnchen in einem Korb und Hasen am Arm samt dem Bildtext: “Ich wünsche Frohe Ostern den Männern und auch Pussys dieser illustren Gruppe” abgebildet.

In den Kommentaren ebenfalls lustig gefunden wird ein Bild eines badenden Burschen mit Down-Syndrom mit Dreizack im Arm und dem Titel “Poseidown” sowie diverse Hitler-Bilder. Hauptinhalt sind freizügige Bilder von Studentinnen bzw. von feucht-fröhlichen Partys.

In der AG selbst ist man empört: “Es ist eine Frechheit, dass es innerhalb der AG Jus eine geheime Facebookgruppe gibt, die derart menschenverachtende Inhalte postet”, so Sprecher Valentin Petritsch. “Das ist mit den Werten der AG in keiner Weise vereinbar und wir fordern deshalb auch den sofortigen Austritt aller, die sich an solchen Inhalten beteiligt haben.” In der Jungen ÖVP, wo Betroffene ebenfalls aktiv sind, distanzierte man sich ebenfalls, verwies aber sonst auf die AG.

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) forderte Konsequenzen für die Studentenvertreter. “Dieses Verhalten ist unwürdig, widerlich und stellt eine grobe Verharmlosung des Nationalsozialismus dar”, so ÖH-Vorsitzende Lucia Grabetz (Verband Sozialistischer StudentInnen/VSStÖ) in einer Aussendung. “Dass so etwas gerade von jener Fraktion kommt, die sich selbst immer dezidiert als unpolitische Studierendenfraktion bezeichnet, bestätigt, dass die AG eben nicht jene harmlose Servicekraft ist, als die sie sich gerne darstellt.”

Die JUNOS Studierenden verlangen den Rücktritt der AG-Spitzenkandidatin bei der Wahl zur Bundesvertretung, Silvia Grohmann. Diese sei seit Jahren an der betroffenen Fakultät aktiv. “Als jahrelange Funktionärin der AG-Jus können ihr diese Vorgänge nicht entgangen sein”, so Spitzenkandidat Yannick Shetty.

Die AktionsGemeinschaft kündigte ebenfalls bereits Konsequenzen an. “In keinster Weise vertritt auch nur eine Person in der AGJus so eine abscheuliche Haltung, sondern es handelt sich hierbei um die dümmstmögliche und verurteilenswerteste Art von schwarzem Humor”, hieß es auf Facebook.

“Diese Gruppen waren eine riesige Dummheit”, betont man dort weiter. “Viele der Screenshots sind aus dem Zusammenhang einer Diskussion gerissen, um uns vor der Wahl größtmöglichen Schaden zuzufügen. Dies entschuldigt die Postings und die bloße Existenz dieser Chatgruppen natürlich in keiner Form.”

Man entschuldige sich in aller Form und werde “Konsequenzen aus den Vorkommnissen ziehen”: “Belastete Mitglieder mussten die AGJus verlassen, sobald wir davon Kenntnis erlangt haben.” Die Vorkommnisse hätten nichts mit der Vertretungsarbeit am Juridicum zu tun, das zukünftige Team sei nicht involviert.

Angesichts von Verbindungen zur Jungen ÖVP (JVP) sahen SPÖ und Grüne auch bei Außenminister Sebastian Kurz als deren Chef Handlungsbedarf. Dieser begrüßte den Ausschluss der Akteure. Kurz nachdem SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler in einer Aussendung “massiven Erklärungsbedarf der ÖVP” geortet hatte, gab es dort eine Reaktion. Der Wiener JVP-Chef Nico Marchetti teilte per Twitter mit, die Betroffenen seien “sofort und einstimmig” aus der Jungen ÖVP Wien ausgeschlossen worden.

Niedermühlbichler verlangte aber auch von Kurz eine Reaktion: “Eine klare Distanzierung und Entschuldigung ist hier angebracht.” Ähnlich sah das die Chefin der Sozialisitischen Jugend (SJ), Julia Herr. Diese kam umgehend. “Verurteile Vorfall zutiefst – absolut letztklassig! Ausschluss ist einzig richtige Entscheidung der @jvpwien & der AG”, so Kurz auf Twitter.

Für den Justizsprecher der Grünen, Albert Steinhauser geht es bei dem Vorfall nicht um schwarzen Humor, sondern um pure Verhöhnung. In ÖVP-Funktionärskreisen sei der Bedarf nach Sensibilisierung offensichtlich. Alle Beteiligten müssten ihre politische Laufbahn “in der ÖH oder sonst wo” beenden.

Von einer “unerträglichen Verhöhnung der NS-Opfer” sprach Willi Mernyi, der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Österreich (MKÖ): “Während Österreich der Befreiung von der braunen Schreckensherrschaft gedenkt, ziehen einige Studenten, die später als Richter, Staatsanwälte oder Rechtsanwälte tätig sein sollen, Millionen Tote in den Dreck.” Dies müsse massive Konsequenzen haben, “vor allem ist die Strafbarkeit nach dem Verbotsgesetz und dem StGB zu prüfen”.

Auf Uni-Ebene reagierte die ÖH der Uni Wien. Alle involvierten Personen, die derzeit in der Aktionsgemeinschaft oder auf einer Vertretungsebene der ÖH aktiv seien, müssten sofort zurücktreten, hieß es in einer Aussendung.

Die Jüdischen österreichische HochschülerInnen (JöH) zeigten sich bestürzt und wollen rechtliche Schritte prüfen. “So etwas Schockierendes und Widerwärtiges ist mir auf Österreichs Hochschulen – und gerade von hochrangigen StudierendenvertreterInnen – noch nie begegnet”, erklärte Co-Präsident Bini Guttmann.

Von: apa