Richterernennung vertagt

Age Management: Antrag der Grünen im Landtag abgelehnt

Mittwoch, 08. Juni 2022 | 13:08 Uhr

Bozen – Der Landtag fährt in Bozen mit der Sitzungsreihe im Juni fort. Präsidentin Rita Mattei teilte mit, dass Punkt 3 der Tagesordnung – Ernennung einer/eines neuen der italienischen Sprachgruppe angehörenden Richterin/Richters beim Regionalen Verwaltungsgericht – wieder vertagt werden muss, da dazu ein Gerichtsverfahren behängt und man noch keine Mitteilung vom Verwaltungsgericht Latium erhalten habe.

Beschlussantrag Nr. 261/20: „Age Management” für die Unterstützung des Südtiroler Arbeitsmarktes (eingebracht von den Abg. Staffler, Foppa und Dello Sbarba am 19.02.2020). Der Landtag möge die Landesregierung beauftragen, 1. einen ständigen Arbeitstisch „Age Management“ mit den Sozialpartnern zu organisieren, um gemeinsam für den Südtiroler Arbeitsmarkt Analysen, Zieldefinitionen und Maßnahmen zu erstellen; 2. innerhalb von 18 Monaten einen Bereichsübergreifenden Kollektivvertrag für den öffentlichen Dienst zum Thema Age Management abzuschließen; 3. innerhalb von drei Jahren entsprechende Bereichsverträge zum Thema Age Management abzuschließen; 4. Age Management als Entwicklungsschwerpunkt in den Performance Plan der Südtiroler Landesverwaltung für die Jahre 2021-2023 aufzunehmen; 5. die Organisationseinheiten der Südtiroler Landesverwaltung bei der Ausarbeitung von Maßnahmen zu unterstützen und zu begleiten.

“Age Management” bedeute, dass man ein gutes Altern ermögliche, erklärte Hanspeter Staffler (Grüne). “Das durchschnittliche Alter der Südtiroler Gesellschaft lag im Jahr 2018 bei 42,8 Jahren, das sind vier Jahre mehr als im Jahr 1998. Daher steuert Südtirol auf eine Situation zu, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat, und wir deshalb auch nicht auf bestehendes Erfahrungswissen zurückgreifen können. Das Verhältnis zwischen jenen, die einer Arbeit nachgehen, und jenen, die noch nicht oder nicht mehr arbeiten, verschiebt sich zunehmend zugunsten der zweiten Gruppe.” Die Generation des Baby-Booms gehe nun in Pension, und es sei schwer, sie auf dem Arbeitsmarkt zu ersetzen. Zum Fachkräftemangel komme ein allgemeiner Personalmangel dazu, der von Jahr zu Jahr schmerzhafter werde. Vorliegender Antrag konzentriere sich auf das Age Management im Bereich der Arbeit. Man müsse versuchen, Personen so lange wie möglich im Betrieb zu halten, und sie, wenn sie einmal in Pension sind, eventuell durch Verträge einzusetzen. Dazu müsse der Arbeitsplatz für Ältere attraktiver werden: Teilzeit, Sabbatjahre, Gesundheitsmaßnahmen, Ruheräume, Kursangebote u.a.

Maria Elisabeth Rieder (Team K) unterstützte den Antrag. Im öffentlichen Dienst habe es in den letzten Jahren bei diesem Thema Rückschritte gegeben, etwa bei der Teilzeit für ältere Mitarbeiter oder beim Sabbatjahr im Sanitätsbetrieb, weil die Frage der Sozialabgaben nicht geklärt sei. Es habe vor Jahren gute Ansätze gegeben, etwa die Stiftung Vital, über die man ohne viel Geld viele Maßnahmen gesetzt habe.

Die demografische Entwicklung sei allen bekannt, meinte Paula Bacher (SVP). Früher durften die Älteren früher in Rente gehen, damit die Jüngeren einen Arbeitsplatz bekommen. Die Landesregierung habe bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit dem altersgerechten Arbeitsplatz beschäftige. LR Deeg habe einen Gesetzentwurf zum aktiven Altern erarbeitet, der demnächst dem Landtag vorliegen werde. Jeder Privatbetrieb habe Interesse, fähige Mitarbeiter zu halten, dazu brauche es keine Bestimmungen. Daher sehe sie keine Notwendigkeit für diesen Antrag.

Der Antrag sehe nur im ersten Moment positiv aus, meinte Helmuth Renzler (SVP). Ein altersgerechter Arbeitsplatz sei ein langjähriges Anliegen der SVP-Arbeitnehmer. Man sei damit auch an die Betriebe herangetreten und habe einiges erreichen können. Schwieriger sei es im öffentlichen Dienst, wo man für dieses Ziel das Arbeits- und das Pensionsrecht ändern müsste. Wer heute in Pension sei und gleichzeitig arbeite, arbeite praktisch gratis. Im öffentlichen Dienst sei die Weiterarbeit nach der Pensionierung sowieso nicht möglich. Zum Sabbatjahr, das vom INPS nicht anerkannt werde, bedürfe es noch einer Klärung durch das Ministerium.

Bereits als junge Lehrerin habe sie sich gefragt, wie sie einmal als 65-Jährige mit den jungen Schülern klarkommen werde, berichtete Brigitte Foppa (Grüne). Normalerweise werde das Thema verdrängt, man bemerke nur die Gehaltsvorrückungen. Älterwerden bringe auch Vorteile, es gehe darum, diesen Erfahrungsschatz zu nutzen.

Laut Franz Ploner (Team K) müsse man von “Erfahrungsmanagement” sprechen. Es müsse gelingen, die Erfahrung der Älteren zu nutzen, um die Jüngeren auszubilden. Dadurch würden die Älteren entlastet und doch sinnvoll eingesetzt. Aber in der öffentlichen Verwaltung habe man immer nur auf die Zahl der Köpfe geschaut. Man könnte einiges zu diesem Thema über das Bereichsabkommen regeln. LR Philipp Achammer verwies auf die “Generationen-Staffel” und den bilateralen Fonds, der Abfederungsmaßnahmen für ältere Mitarbeiter ermögliche. Er sei mit 20 Mio. Euro dotiert und sichere den vollen Erhalt der Beiträge bei einer 50-prozentigen Reduzierung der Arbeitszeit ab.

Das Thema habe auch eine positive Seite, nämlich die nahezu unbegrenzten Arbeitsmöglichkeiten für die heutige Jugend, meinte LR Waltraud Deeg. Die Landesregierung wolle weiter gehen als in diesem Antrag gefordert, und zwar mit einem Gesetz, nicht nur über den Kollektivvertrag. Wie Staffler als ehemaliger Generaldirektor wisse, gebe es auch eine Arbeitsgruppe zum Thema. Auch in Rom sei ein entsprechender Gesetzentwurf eingereicht worden. Aus diesen Gründen werde man dem Antrag nicht zustimmen.

Hanspeter Staffler war nicht überrascht über die Ablehnung, aber leicht schockiert wegen der Argumente. Mit “Age Management” wolle man erreichen, dass ältere Mitarbeiter nicht in die “innere Kündigung” gehen und nur mehr die Tage bis zur Rente zählen. Es sei ihm bekannt, dass beim Land über das Thema nachgedacht werde, aber es sei bis jetzt kaum etwas umgesetzt worden. Der Antrag wurde mit elf Ja, 16 Nein und zwei Enthaltungen abgelehnt (Punkt 1 mit zwölf Ja und 17 Nein).

Die Arbeiten werden um 14.30 wieder aufgenommen.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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