Konflikt zwischen Israel und Iran spitzt sich zu

Aktivisten: 15 Tote bei israelischem Angriff in Syrien

Mittwoch, 09. Mai 2018 | 14:03 Uhr

Israel setzt sein Vorgehen gegen militärische Aktivitäten des Iran in Syrien fort. Bei einem mutmaßlichen israelischen Raketenangriff auf ein Gebiet in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus wurden am Dienstagabend nach Angaben von Aktivisten 15 regierungstreue Kämpfer aus dem Ausland getötet, darunter acht Iraner.

Kurz zuvor hatte die israelische Armee die Behörden auf den besetzten Golanhöhen aus Sorge vor einem iranischen Angriff angewiesen, die dortigen Schutzbunker zu öffnen.

Die getöteten Kämpfer gehörten den iranischen Revolutionsgarden oder proiranischen schiitischen Milizen an, sagte der Chef der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, der Nachrichtenagentur AFP. Der Angriff habe auf ein Waffendepot abgezielt, das in den Händen der Revolutionsgarden gewesen sei. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtete, die Armee habe zwei israelische Raketen bei Damaskus abgefangen. Zuvor hatte SANA von “Explosionen” berichtet. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von Bränden in der Gegend, in der die Angriffe erfolgt waren. Zwei Zivilisten hätten ihr Leben verloren, meldete SANA unter Verweis auf Mediziner. Die Zivilisten seien auf einer Autobahn unterwegs gewesen und bei einer Explosion im Zusammenhang mit dem “israelischen Angriff” getötet worden. Weitere Angaben zu dem Vorfall machte das Staatsfernsehen jedoch nicht.

Das israelische Fernsehen berichtete am Mittwoch, der Angriff habe einer Lieferung iranischer Raketen gegolten, die für Attacken gegen Israel bestimmt gewesen seien. Israel ist fest entschlossen, den Iran daran zu hindern, sich dauerhaft militärisch im Nachbarland Syrien zu etablieren. So flog Israel in den vergangenen Jahren dutzende Angriffe auf Ziele in Syrien. Meist richteten diese sich gegen Waffenkonvois für die libanesische Hisbollah-Miliz, aber auch gegen iranische Stützpunkte. Bei Raketenangriffen Ende April in den Provinzen Hama und Aleppo waren Aktivisten zufolge mindestens 26 regierungstreue Kämpfer getötet worden, die meisten von ihnen Iraner. In der Regel bekennt sich Israel nicht offiziell zu den Angriffen.

Unterdessen wurde der von Israel besetzte Teil der Golanhöhen in Alarmbereitschaft versetzt. Die israelische Armee wies die Behörden an, die Schutzbunker zu öffnen und in Bereitschaft zu versetzen. Die Anweisungen seien eine Folge von “irregulären Aktivitäten der iranischen Kräfte in Syrien”. Die Ankündigung wurde kurz vor der Rede des US-Präsidenten Donald Trump veröffentlicht, in der dieser den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran verkündete. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte die Entscheidung begrüßt. “Israel unterstützt voll die heute getroffene mutige Entscheidung von Präsident Trump, das katastrophale Abkommen zu verlassen”, sagte Netanyahu in einer kurzen Fernsehansprache.

Bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau will Netanyahu über die Lage in Syrien sprechen. Vor seiner Abreise sagte Netanyahu am Mittwoch: “Die Treffen zwischen uns sind immer wichtig, aber dieses ist besonders wichtig.” Netanyahu sagte zu dem Besuch in Moskau weiter: “Angesichts dessen, was in diesem Momenten in Syrien passiert, müssen wir die Fortsetzung der Sicherheitszusammenarbeit zwischen der russischen und der israelischen Armee gewährleisten.”

Teheran ist neben Moskau und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah wichtigster Verbündeter des syrischen Staatschefs Bashar al-Assad. Der Iran hat nach israelischen Angaben in den vergangenen Monaten seine militärische Präsenz im Land weiter ausgebaut und viele Waffen nach Syrien geschickt. Die Armeen Russlands und Israels sprechen sich über ihr Vorgehen in Syrien ab. Moskau hat sich aber in der Vergangenheit besorgt über die israelischen Angriffe geäußert.

Am Mittwoch wurden in der syrischen Hauptstadt Damaskus bei der Explosion einer Autobombe und Granatenbeschuss nach Angaben amtlicher Medien zwei Menschen getötet worden. 14 weitere Menschen wurden verletzt, wie das syrische Staatsfernsehen berichtete. Die Granate traf demnach den Damaskus-Turm, ein Hochhaus im Stadtzentrum; die Autobombe explodierte im Nordosten der Stadt. Das Staatsfernsehen sprach von “Terrorangriffen”. Es strahlte Bilder aus, die Sicherheitskräfte bei einem ausgebrannten Autowrack auf dem Maysat-Platz zeigten.

Truppen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad hatten Mitte April eine Offensive gestartet, um die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) aus den südlichen Vororten von Damaskus zu vertreiben. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatten IS-Kämpfer seither die südlichen Gebiete von Damaskus immer wieder mit Raketen beschossen.

Von: APA/dpa/ag.

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