Proteste im Iran nach Tod von Mahsa Amini reißen nicht ab

Aktivisten: Mehr als 30 Tote bei Protesten im Iran

Donnerstag, 22. September 2022 | 23:28 Uhr

Bei den größten Protesten im Iran seit fast drei Jahren sind nach offiziellen Angaben 17 Menschen getötet worden. Die Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Oslo sprach am Donnerstag sogar von mindestens 31 toten Zivilisten durch das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Proteste seit dem Tod einer von der Sittenpolizei festgenommenen Frau. Die Behörden schränkten den Zugang zum Internet weiter ein und blockierten die Onlinenetzwerke WhatsApp und Instagram.

Das iranische Staatsfernsehen berichtete, seit Ausbruch der Proteste am Freitag vergangener Woche seien 17 Menschen gestorben. Unter den Toten waren laut der Nachrichtenagentur Tasnim auch fünf Mitglieder der Sicherheitskräfte.

Der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini hatte eine landesweite Welle der Empörung und Proteste ausgelöst. Die junge Frau war vor einer Woche in der Hauptstadt Teheran von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie das islamische Kopftuch offenbar nicht den strikten Vorschriften entsprechend trug.

Amini brach unter ungeklärten Umständen auf der Polizeiwache zusammen und wurde drei Tage später im Krankenhaus für tot erklärt. Laut Polizei hatte sie einen Herzanfall. Menschenrechtsaktivisten zufolge erlitt Amini einen tödlichen Schlag auf den Kopf.

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi verwies am Donnerstag am Rande der UNO-Generaldebatte vor Journalisten in New York auf das offizielle Obduktionsergebnis, bekräftigte aber, es würden Ermittlungen aufgenommen. Dies habe er auch persönlich der Familie von Amini versichert.

Seit dem Tod der jungen Frau gab es laut iranischen Staatsmedien in etwa 15 iranischen Städten Proteste, Menschenrechtsaktivisten sprechen von mehr als 30 Städten. Auf Videos in den Onlinenetzwerken ist zu sehen, wie Demonstrantinnen ihre Kopftücher abnehmen und verbrennen oder ihr Haar vor einer jubelnden Menschenmenge abschneiden. In Isfahan zerrissen Protestierende ein Transparent mit einem Bild des geistlichen Oberhaupts des Iran, Ayatollah Ali Chamenei.

Mit Instagram und WhatsApp wurde nun der Zugang zu den beiden meistbenutzten Apps im Iran blockiert. In den vergangenen Jahren hatten die iranischen Behörden bereits viele andere Plattformen wie Facebook, Telegram, TikTok, Twitter und YouTube gesperrt. Auch sind die Internetverbindungen seit Beginn der Proteste deutlich verlangsamt.

IHR-Direktor Mahmud Amiri Moghaddam sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Proteste könnten “vielleicht der Anfang einer großen Veränderung” im Iran sein. “Wir verfolgen die Situation der Menschenrechte und die Demonstrationen im Iran seit 15 Jahren, und ich habe die Menschen noch nie so wütend gesehen”, sagte der Menschenrechtsaktivist.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die in New York anwesenden Staats- und Regierungschefs auf, “einen unabhängigen internationalen Untersuchungs- und Rechenschaftsmechanismus zu unterstützen, um die weit verbreitete Straflosigkeit im Iran zu adressieren”. Die USA verhängten Sanktionen gegen die iranische Sittenpolizei sowie mehrere Sicherheitsverantwortliche.

Unterdessen berichtete die Star-Journalistin Christiane Amanpour im Kurzbotschaftendienst Twitter, ein Berater des iranischen Präsidenten habe sie am Mittwoch in New York aufgefordert, für ein Interview mit Raisi Kopftuch zu tragen. Sie habe dies abgelehnt und darauf verwiesen, dass noch kein iranischer Staatschef dies bei einem Interview außerhalb des Iran verlangt habe. Daraufhin sei das Interview abgesagt worden.

Von: APA/AFP

Kommentare

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13 Kommentare auf "Aktivisten: Mehr als 30 Tote bei Protesten im Iran"


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N. G.
N. G.
Kinig
9 Tage 12 h

Der Iran war vir Jahrzehnten auf eunem sehr gutem Weg! Modern , weltoffen und gebildet.
Wie man sieht, etwas davon ist übrig geblieben und hoffentlich schaffen sie den innenpolitischen Wandel.
Man unterschätze die Macht der Frauen in diesem Land NICHT!
Nieder mit den fundamentalistischen Turban Trägern die im Namen einer Religion die sie selbst nicht verstanden haben, die eigentlich Freiheit böte!

N. G.
N. G.
Kinig
9 Tage 10 h

Da bitte ich den Dislikes Drücker doch um Aufklärung. Dsnke, sofern er nicht zu feige ist und denn Sinn dahintet überhaupt verstanden hat.

Faktenchecker
8 Tage 16 h

NG Das ist Rassismus.

“Nieder mit den fundamentalistischen Turban Trägern”

SilviaG
SilviaG
Superredner
8 Tage 13 h

@Faktenchecker
Da hast du absolut recht, das ist eine ziemlich schräge Aussage. Ich kenne Menschen, die Turban tragen, die sind aber recht liberal bzw sind eigentlich Sikhs, eine indische Kriegerkaste. Sehr weltoffen und liberal diese Leute

N. G.
N. G.
Kinig
8 Tage 12 h

@SilviaG Chinesische, korianische und japanische Schrift wird traditionell von oben nach unten gelesen. Du und Fakti seit da Meister darin!

N. G.
N. G.
Kinig
8 Tage 12 h

@Faktenchecker Fundamentalismus sollte man gewähren lassen? AFD? GRINS

SilviaG
SilviaG
Superredner
8 Tage 10 h

@ng
Nein! Falsch! Fundamentalisten sollte man nicht gewähren lassen.
Aber Menschen, die Turban tragen im selben Atemzug als Fundamentalisten bezeichnen, das ist wirklich Rassismus pur. Bravo, gratuliere!

N. G.
N. G.
Kinig
8 Tage 5 h

@SilviaG Ein Turbanträger ist jemand der einen Turban trägt. Den nennt man so. Und wenns ein Fundamentalist ist, dann eben…Grins
Es gibt Hutträger, Mützenträger, man trägt auch Glatze. Jeder von ihrn könnte auch ein Fundamentalist sein. Im Iran sind die Regierenden meist Turbanträger.
Politische Korrektheit hat ihre Grenzen.
Lächerlich!

SilviaG
SilviaG
Superredner
7 Tage 17 h

@ng
Du scheinst politische Korrektheit für dich persönlich zu definieren und reagierst beleidigt wenn da andere nicht mit machen. Man sagt nicht Fundamentalistische Turbanträger genauso wenig wie man kriminelle Schwarze sagt.
Spezifiziere einfach genauer wen du da genau meinst… Wie jetzt in deinem vorletzten Satz.
Ich sage ja auch nicht: in Bozen sind die Kriminellen meist von afrikanischer Herkunft.

N. G.
N. G.
Kinig
7 Tage 12 h

@SilviaG Wiederhole mich für Begriffsstutzige gern! Begriffe im Duden nachschlagen und gut is!
Da du wiedereinmal nichts zum Thema, sondern einfach nur gegen mich sticheln wolltest, nehm ich weder deine offensichtliche Streitsucht bzw. deine Argumentation ernst.. Dz machst dich lächerlich!

Faktenchecker
6 Tage 13 h

@N. G. Was hat ein Kleidungsstück mit der politischen Einstellung am Turban?

SilviaG
SilviaG
Superredner
7 Tage 16 h

Hallo @ng
Hier ein link zu einem Experiment dann verstehst du auch, wie deine Aussagen Wellen schlagen können. Ein Turbanträger ist nicht automatisch Fundamentalist, auch wenn im Iran viele von denen tatsächlich so etwas wie einen Turban tragen. Du gibts an, gerne zu inkludieren – in Wirklichkeit machst du das Gegenteil

https://youtu.be/GLzaAqgC25M

N. G.
N. G.
Kinig
5 Tage 17 h

Youtube ist was für Schwurbler wie dich.
Ich guck mir wenn, da nur Musik und Poker Partien an. Grins

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