Idlib kommt nicht zur Ruhe

Aktivisten: Neun Tote bei Raketenangriff auf Idlib

Dienstag, 03. März 2020 | 15:12 Uhr

Bei einem Raketenangriff auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Idlib im Nordwesten Syriens sind Aktivisten zufolge mindestens neun Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern seien auch fünf Kinder, meldeten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die Rettungsorganisation Weißhelme am Dienstag. Demnach wurden mehr als 20 Menschen verletzt.

Die Menschenrechtsaktivisten machten die syrische Regierung für den Angriff verantwortlich. Die Region um Idlib ist das letzte große Rebellengebiet des Bürgerkriegslandes. Syriens Regierungstruppen hatten im vergangenen Jahr eine Offensive auf das Gebiet begonnen. Sie werden von der russischen Luftwaffe unterstützt. Die Türkei wiederum ist mit den Rebellen verbündet und hat eigene Truppen im Land, die in den vergangenen Tagen gegen die syrische Armee kämpften.

Am Montag war durch Artilleriebeschuss ist in der Provinz Idlib ein weiterer türkischer Soldat getötet worden, wie das türkische Verteidigungsministerium am Dienstag mitteilte. Im Rahmen der am Wochenende begonnenen Offensive in Idlib habe die Türkei zudem ein syrisches Militärflugzeug vom Typ L-39 abgeschossen.

Das von einer türkischen F-16 abgeschossene Flugzeug sei im Süden von Idlib abgestürzt, das Schicksal der Besatzung sei unklar, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Es handelte sich um den dritten Flugzeugabschuss binnen drei Tagen.

Das türkische Verteidigungsministerium in Ankara bestätigte den Abschuss. Die syrische Militärmaschine vom Typ L-39 sei “im Rahmen der Militäroperation ‘Frühlingsschild’, die erfolgreich fortgesetzt wird”, abgeschossen worden. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die türkischen Truppen hätten den Jet “ins Visier” genommen, ohne von einem Abschuss zu sprechen.

Bei einem Luftangriff in der Region um die Stadt Idlib waren in der vergangenen Woche mindestens 34 türkische Soldaten getötet worden. Ankara machte die syrische Regierung dafür verantwortlich und begann eine Militäroffensive. Schon zuvor war es zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen türkischem und syrischem Militär gekommen. Seit Anfang Februar wurden mehr als 50 türkische Soldaten in Idlib getötet.

Die türkische Armee unterstützt in der Region Rebellen, darunter islamistische Gruppen, und hat dort mehrere Beobachtungsposten errichtet. Der syrische Präsident Bashar al-Assad wird von Russland unterstützt.

Erdogan will verhindern, dass angesichts der Kämpfe in Idlib weitere Flüchtlinge in die Türkei kommen. Seit Beginn des Bürgerkriegs im Nachbarland 2011 hat die Türkei rund 3,6 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen.

Von: APA/dpa/ag.