AKW Saporischschja vom Netz genommen

AKW Saporischschja “komplett” vom Stromnetz genommen

Donnerstag, 25. August 2022 | 22:58 Uhr

Das von Russland besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist nach Angaben des Betreibers wegen Brandschäden an Stromleitungen komplett vom Netz genommen worden. In den Aschegruben eines nahe gelegenen Kohlekraftwerks seien Feuer ausgebrochen, teilte Energoatom am Donnerstag mit. Diese hätten die Stromleitungen zum AKW beschädigt. “Daher wurden die beiden funktionierenden Reaktorblöcke der Anlage vom Netz getrennt.”

Die Sicherheitssysteme des Kraftwerkes funktionierten normal und es werde daran gearbeitet, einen der Reaktorblöcke wieder ans Netz anzuschließen. Aus Energiekreisen verlautete, die beiden abgetrennten Blöcke würden gegenwärtig von Dieselgeneratoren gespeist. Jeder Block bestehe aus dem eigentlichen Reaktor, einem Kühlsystem und weiteren Komponenten mit drei Dieselgeneratoren aus der Sowjetzeit. Diese könnten jedoch “nicht wochenlang betrieben werden”, sagte der Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Für Österreich bestehe keine Gefahr, teilte das Klimaschutzministerium am Donnerstag in einer Aussendung mit. Es gebe aktuell keinen Hinweis auf erhöhte Strahlung im Bereich des AKW Saporischschja.

Unterdessen warnten die USA Moskau vor einer Umleitung des Stroms. “Um es ganz klar zu sagen: das Atomkraftwerk und der Strom, den es produziert, gehören der Ukraine”, sagte der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Vedant Patel, am Donnerstag. Jeder Versuch, das Werk von der ukrainischen Stromversorgung zu trennen und in russisch besetzte Gebiete umzuleiten sei “inakzeptabel”.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr fordert indes verstärkten internationalen Druck auf Russland, um eine Räumung des besetzten Kernkraftwerks Saporischschja zu erreichen. Er verwies auf die Notabschaltung von zwei Reaktoren am Donnerstag wegen eines zweimaligen Ausfalls der Stromversorgung.

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA und andere internationale Organisationen müssten viel schneller handeln als bisher, sagte Selenskyj abends in seiner Videoansprache in Kiew. “Jede Minute, die das russische Militär im Kernkraftwerk bleibt, bedeutet das Risiko einer globalen Strahlenkatastrophe.”

Die IAEA in Wien teilte unter Berufung auf Kiewer Informationen mit, dass das Sicherheitssystem zwei laufende Reaktoren abgeschaltet habe. Das AKW sei über die Stromleitung eines nahen Wärmekraftwerks weiter versorgt worden. Es sei nun wieder mit dem ukrainischen Stromnetz verbunden. Derzeit stünden nach ukrainischen Angaben alle sechs Reaktoren still, hieß es. Die russische Besatzungsverwaltung hatte dagegen mitgeteilt, ein Reaktorblock sei wieder angefahren worden.

IAEA-Direktor Rafael Grossi bekräftigte seine Bereitschaft, binnen Tagen mit Experten nach Saporischschja zu fahren. Die Lage in und am größten Kernkraftwerk Europas ist seit Wochen undurchsichtig. Russen und Ukraine werfen einander vor, das AKW zu beschießen. Das britische Verteidigungsministerium veröffentlichte Satellitenfotos, die angeblich russische Militärlastwagen neben einem Reaktor zeigen. Vergangene Woche zeigte ein nicht verifiziertes Video Militärfahrzeuge auch in einer der großen Maschinenhallen.

Russische Soldaten hatten das AKW Anfang März eingenommen. Es wird unter ihrer Aufsicht weiter vom ukrainischen Personal betrieben. Zuletzt sind auf dem Gelände Geschosse niedergegangen. Die Ukraine und Russland geben sich dafür gegenseitig die Schuld.

Experten zufolge ist unklar, wer im Falle einer Atomkatastrophe mit der Bewältigung betraut werden würde. “Wir wissen nicht, was in einer Kriegssituation passiert, wenn wir einen atomaren Notfall haben”, sagte Kate Brown von der US-Universität MIT. Bei der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 habe die Sowjetunion Zehntausende Menschen, Ausrüstung und Einsatzfahrzeug an den Ort des Geschehens bringen können. “Wer würde jetzt die Verantwortung für diesen Einsatz übernehmen?”

Saporischschja wurde ab 1980 gebaut, der letzte der insgesamt sechs Reaktorblöcke ging 1995 ans Netz. Die Reaktoren werden mit Uran betrieben und mit Wasser gekühlt. Experten zufolge bestünde die größte Gefahr bei einer Unterbrechung der Wasserversorgung. Sollte diese ausfallen und Hilfssysteme wie Dieselgeneratoren nicht in der Lage sein, die Reaktoren abzukühlen, drohe eine Überhitzung. Unterlagen zufolge befinden sich zudem außerhalb der Reaktoren 2.200 Tonnen Atommaterial wie radioaktive Abfälle auf dem Gelände.

Von: APA/Reuters/dpa

Kommentare

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9 Kommentare auf "AKW Saporischschja “komplett” vom Stromnetz genommen"


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Faktenchecker
1 Monat 5 Tage

Skrupelloser Putin!

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 4 Tage

@Sigo70 Wer hat den Krieg begonnen? Na? Ihr Führer Putin.

Noggi
Noggi
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Wer hat mit dem Krieg begonnen?

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 4 Tage

@Sigo70
Das weiß du nicht und ich auch nicht !
Sicher ist aber hätte der Kriegsverbrecher Putin keinen Angriffskrieg gestartet hätten wir dieses Thema nicht.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 4 Tage

…Putin ist ein Verbrecher…

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

@OrtlerNord Interessant wie du und Philingus die Argumentation immer zurecht biegt. Wenn ich sagte man hätte lange vor dem Krieg etwas dagegen tun können dann wird das verworfen und wie gerade jetzt, wird das selbe Argument benutzt, “HÄTTE” Putin nicht den Krieg begonnen.. Tja, “HÄTTE” der Westen früher was unternommen, was wäre dann…? Der Westen hat im Donbass und bei der Krim zugeschaut, das ist Fakt und Fakt ist , es gibt Krieg und damit benutze nicht das Argument mal für dich und dann wieder gegen andere!
Entweder oder!

Faktenchecker
1 Monat 4 Tage

NG Du Putin-Troll. Schon wieder die AFD Masche.

Faktenchecker
1 Monat 4 Tage

@Noggi

Putin, der Kriegsverbrecher.

Sumsi
Sumsi
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Düstere Zukunft in jeglicher Hinsicht

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