Aus Cherson geflüchtete Menschen

Alle Zivilisten sollen Cherson “sofort” verlassen

Samstag, 22. Oktober 2022 | 22:26 Uhr

Angesichts des Vormarschs der ukrainischen Streitkräfte haben die pro-russischen Behörden am Samstag alle Zivilisten aufgefordert, die südukrainische Stadt Cherson “sofort” zu verlassen. Wegen der angespannten Lage an der Front, der erhöhten Gefahr von Bombardierungen der Stadt und der “Bedrohung durch terroristische Anschläge” müssten alle Zivilisten die Stadt umgehend verlassen und zur linken Seite des Dnipro (Dnjepr) übersetzen, so die Besatzungsverwaltung auf Telegram.

Die Evakuierungen über den an Cherson grenzenden Fluss sind seit Mittwoch in Gange. Angesichts einer erwarteten Offensive ukrainischer Truppen zur Rückeroberung der Stadt haben bereits in den vergangenen Tagen Tausende Zivilisten den Fluss in östlicher Richtung überquert.

Unterdessen griff Russland nach ukrainischen Angaben am Samstag erneut Infrastruktur der Energieversorgung im Westen der Ukraine an. Bei den Raketenangriffen seien mehrere Energieanlagen getroffen worden, meldete der Versorger Ukrenergo. Das Ausmaß der Schäden sei “mit den Folgen der Angriffe vom 10. bis 12. Oktober vergleichbar oder könnte diese sogar noch übertreffen”, erklärte Ukrenergo in den Online-Netzwerken. Beamte in mehreren Regionen berichteten von Stromausfällen.

Mit den neuen Raketenangriffen auf die Ukraine löste Russland am Samstag landesweit Luftalarm aus. Ukrainische Behörden und Medien berichteten über Explosionen in Riwne im Nordwesten des Landes, im Gebiet Kiew, in Odessa und anderen Regionen. Die Luftabwehr sei aktiv, teilte die Behörden in Kiew mit. In sozialen Netzwerken teilten Staatsbeamte Videos, die etwa einen ukrainischen Kampfjet dabei zeigten, wie er eine russische Rakete abgeschossen haben soll.

Der Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Olexij Arestowytsch, sagte, dass fünf auf Kiew gerichtete Raketen abgefangen worden seien. In anderen Teilen des Landes gebe es teils Folgen der Angriffe und durch die abgeschossenen Raketen, sagte er. Details nannte Arestowytsch nicht. Den Abschuss der Raketen in Kiew bestätigte auch Bürgermeister Vitali Klitschko. “Der Luftalarm geht weiter. Bleiben Sie in den Schutzbunkern und achten Sie auf Ihre Sicherheit”, sagt er.

Der Gouverneur der russischen Grenzregion Belgorod warf der Ukraine erneut schweren Beschuss des Gebiets vor. Zwei Menschen seien dabei am Samstag in der Grenzstadt Schebekino getötet worden, teilte Wjatscheslaw Gladkow mit. Elf Menschen seien verletzt worden, vier von ihnen schwer.

Gladkows Angaben zufolge wurde bei dem Beschuss auch Energie-Infrastruktur getroffen. Details nannte er nicht. Rund 15.000 Menschen seien aber zeitweilig ohne Strom, Heizung und Wasser gewesen. Auch die Ukraine teilte nach massiven russischen Raketenangriffen mit, dass am Samstag im Land Hunderttausende Menschen ohne Strom gewesen seien.

Das Gebiet Belgorod beklagt mit anderen Grenzregionen wie etwa Kursk und Brjansk schon seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine immer Feuer von der Gegenseite. Eingeräumt hat die Ukraine die Vorwürfe nicht. Russland hatte immer wieder gedroht, noch härter in dem Krieg vorzugehen und auch Kommandozentralen in Kiew ins Visier zu nehmen, wenn der Beschuss nicht aufhöre.

Nach Darstellung des Gouverneurs hat sich die Lage in den vergangenen Wochen weiter verschärft. Wer sehr nah an der Grenze zur Ukraine lebe, solle deshalb in der Nähe von Moskau untergebracht werden, sagte er. Gladkow ordnete zudem eine strengere Bewachung von Objekten der Energie-Infrastruktur an. Er hatte auch die Herbstferien vorgezogen und verlängert wegen der gespannten Lage.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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4 Kommentare auf "Alle Zivilisten sollen Cherson “sofort” verlassen"


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ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

vielleicht landet dort demnaechst eine klitze kleine A-Bombe??? 

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Auf russischen gebiet?

magari
magari
Superredner
1 Monat 6 Tage

@ischJOwurscht: fühlst du dich mit dem Krieg gut unterhalten?

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

@sarkasmus…lies mal den Artikel ! Selbst die Russen und ihre Helfershelfer sprechen von einer SÜDUKRAINISCHEN !!!! Stadt

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