Alois Partl hatte die Ära Wallnöfer abgewickelt

Alois Partl wird 90: Der Landeshauptmann des Übergangs

Donnerstag, 10. Januar 2019 | 12:15 Uhr

Er war der Landeshauptmann des Übergangs, und der Verwalter des Endes einer Ära absoluter Dominanz und bäuerlicher Prägung: Tirols Altlandeshauptmann Alois Partl, der das Bundesland von 1987 bis 1993 regierte. Am 13. Jänner wird der Nachfolger des legendären Langzeitlandeshauptmannes Eduard Wallnöfer 90 Jahre alt. Das Land feiert Partl am Freitag mit einem Landesüblichen Empfang in Lans.

Das Desaster fand noch zu Lebzeiten des Patriarchen Wallnöfer statt: Als die Tiroler ÖVP mit ihrem Spitzenkandidaten und Landeshauptmann Alois Partl bei der Landtagswahl am 12. März 1989 für damalige Verhältnisse beinahe ins Bodenlose abstürzte – von 64,64 auf 48,72 Prozent, ein Minus von 15,92 – hatte Eduard Wallnöfer noch drei Tage zu leben. Am 15. März starb der Ahnherr der Tiroler ÖVP, unter dem Zweidrittelmehrheiten über zwei Jahrzehnte beinahe eine Selbstverständlichkeit waren.

Alois Partl hatte die Ära Wallnöfer abgewickelt, die Landtagswahl markierte das Ende der übermächtigen Dominanz der Tiroler Volkspartei. Ergebnisse über 50 Prozent blieben fortan unerreicht. Die Wahl bedeutete auch den Abschied von bäuerlicher (Partei)-Macht, Partl verwaltete den Übergang in die Moderne, den Wallnöfer mit seinen Reformen mitbefördert hatte. Die (politische) Zeit war eine andere geworden, neue Parteien wie die Grünen entstanden, auch die Landes-FPÖ zog es im Sog Jörg Haiders nach oben. Die wachsende Transitproblematik trug ihr übriges zur Wahlniederlage bei. Partls einzige Wahl als schwarzer Frontmann mündete in ein Debakel. Es konnte zwar noch die absolute Mehrheit an Mandaten, nicht jedoch an Stimmen gehalten werden.

Partl war ein Kind der Wallnöfer-Ära. Im Jahr 1970 hatte der Übervater den studierten Doktor der Bodenkultur bereits in die Tiroler Landesregierung geholt, wo er als Landesrat unter anderem für die Gemeinden, Bereiche der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und für den Umweltschutz zuständig war. 1987 wurde der Bergbauernsohn und Bauernbündler schließlich ÖVP-Landesparteiobmann und Nachfolger Wallnöfers als Landeshauptmann, nachdem sich dieser nach 24 Jahren krankheitsbedingt zurückgezogen hatte.

Wie Jahre später Herwig van Staa blieb Partl als Landeshauptmann ein Unvollendeter, vermochte keine Ära zu begründen. Er kam wohl einige Jahre zu spät an die Macht. Zudem blieb der Makel des Debakels von 1989 haften. Verdienste erwarb sich Partl unter anderem durch erste Bemühungen um eine “Europaregion Tirol”, im Eintreten für den Transitvertrag, beim Abschluss des Südtiroler Autonomiepaketes. Partl verkörperte ein starkes Tiroler Landesbewusstsein, an die Aura des Landesvaters Wallnöfer reichte er aber nicht heran.

Ab 1991 kam es zudem zu einer Machtteilung in der Tiroler ÖVP. Landesrat Wendelin Weingartner wurde Parteichef, der Wirtschaftsbündler und Banker signalisierte Aufbruch und Modernisierung. Innerparteiliches Rumoren war die Folge. Im Oktober 1992 gab Partl schließlich bekannt, bei der Landtagswahl 1994 nicht mehr als Spitzenkandidat anzutreten und sein Amt wenige Monate vor der Wahl zu verlassen. Einige Monate zuvor hatte er noch erklärt, für eine weitere Kandidatur zur Verfügung zu stehen. Weingartner wurde zum neuen Spitzenkandidaten gekürt. Am 24. September 1993 war Partls Zeit als Landeschef abgelaufen, Weingartner wurde vom Landtag zum Nachfolger gewählt.

In der Öffentlichkeit hielt sich Partl fortan mit Kommentaren zum politischen Tagesgeschehen zurück, ein “Balkon-Muppet” wurde nicht aus ihm. Ansonsten zeigt sich der Träger des Goldenen Ehrenring des Landes, der höchsten Auszeichnung Tirols, aber regelmäßig bei öffentlichen Anlässen.

Alois Partl kam am 13. Jänner 1929 als zweites von sechs Kindern einer Bergbauernfamilie in Afling bei Kematen (Bezirk Innsbruck-Land) zur Welt. Der Jubilar ist verheiratet und Vater zweier Söhne und einer Tochter. Er wohnt seit Jahrzehnten in Lans bei Innsbruck. Zu seinen Steckenpferden zählten Zeit seines Lebens das Bergsteigen und Skifahren, die Jägerei und das Filmen in der Natur.

1955 schloss Partl sein Studium an der Hochschule für Bodenkultur in Wien mit dem Diplomingenieur ab. Ein Jahr später promovierte er zum Doktor der Bodenkultur. 1957 trat Partl als Referent für Fragen der Wirtschafts- und Handelspolitik in den Dienst der Präsidentenkonferenz der Landeslandwirtschaftskammern Österreichs in Wien, wo er sich acht Jahre lang den Interessen der österreichischen Landwirtschaft im Rahmen der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit widmete.

1965 führte Partl die Berufung zum Stellvertreter des Kammeramtsdirektors der Tiroler Landeslandwirtschaftskammer zurück in die Heimat. 1970 holte ihn der legendäre Landeshauptmann Eduard Wallnöfer in die Tiroler Landesregierung.

Von: apa

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