So leben die gestrandeten Flüchtlinge

An polnischer Grenze gestrandete Afghanen krank

Montag, 30. August 2021 | 12:31 Uhr

Der Gesundheitszustand einer seit Wochen an der Grenze Polens zu Belarus festsitzenden Gruppe von Migranten aus Afghanistan hat sich nach Angaben einer Hilfsorganisation verschlechtert. “Viele klagen über Fieber, Erbrechen und Durchfall”, sagte Sprecherin Kalina Czwarnog von der Hilfsorganisation Ocalenie (Rettung) am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Der polnische Grenzschutz habe einen Krankenwagen nicht zu den Erkrankten vorgelassen.

Bei der Gruppe handelt es sich nach Angaben der Hilfsorganisation um 32 Menschen aus Afghanistan, darunter fünf Frauen. Sie campieren seit fast drei Wochen in einem Wald bei dem Dorf Usnarz Gorny. Polen hat das Gebiet mit Grenzschützern, Polizisten und Soldaten abgeriegelt und lässt die Flüchtlinge nicht ins Land. Der Grenzschutz beziffert ihre Zahl mit 28.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hatte Ende Mai angekündigt, dass Minsk Migranten nicht mehr an der Weiterreise in die EU hindern werde – als Reaktion auf verschärfte westliche Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik wegen teils gewaltsamer Unterdrückung der Demokratiebewegung. Zunächst hatte dadurch vor allem Litauen mit einem Andrang von Migranten aus dem Nahen Osten zu kämpfen. Zuletzt nahm auch der Druck auf Polen zu.

Die katholische Kirche in Polen hatte am Wochenende im innenpolitischen Streit um die Flüchtlinge an der Grenze zu Belarus Partei für die dort campierenden Afghanen ergriffen. Kein Mensch dürfe das Instrument eines politischen Kampfes werden, Gastfreundschaft sei geboten, so Primas-Erzbischof Wojciech Polak laut Kathpress bei einer Wallfahrtsmesse in Czestochowa (Tschenstochau). Für Sonntag, 5. September rief die Kirche in Polen ruft zu einem “Solidaritätstag mit der Bevölkerung Afghanistans” auf. Die komplizierten Probleme von Migration müssten mit einer “Haltung von Gastfreundschaft, Respekt vor Neuankömmlingen und im Sinne des Gemeinwohls aller Polen” gelöst werden, betonte Polak. Er rief die Politiker auf, in der “sich verschärfenden Migrationskrise” die bestehenden Spaltungen und Abneigungen in der Gesellschaft nicht zu vertiefen. Das Leben jedes Menschen sei heilig, auch von jenen, die vor Hunger und Krieg flüchteten.

Polnische Grenzschutzbeamte und Soldaten hatten am Donnerstag die Übergabe von Lebensmitteln und Wasser durch einen katholischen Priester und einen evangelisch-reformierten Pfarrer an die Afghanen unterbunden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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4 Kommentare auf "An polnischer Grenze gestrandete Afghanen krank"


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So ist das
17 Tage 15 h

Den Migrantenstatus klären ist eine Sache, aber humanitäre Hilfe wie Lebendmittel und Medikamente verweigern ist menschenverachtend.
Aber Polen ist eben wieder auf dem Weg zur Diktatur, genau wie Ungarn, wie in alten Zeiten.

PuggaNagga
17 Tage 12 h

Wenn die Corona haben und verbreiten gehören die in Quarantäne.
Wir müssen auch eingesperrt sein wenn ein Test das anzeigt oder ein Schulfreund Positiv ist.

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
17 Tage 11 h

Keine Staatsform besteht ewig. Die Geschichte lehrt uns, dass die Staatformen meistens zyklisch wechseln. Und in der Tat neigt sich auch die Demokratie dem Ende zu. Gegenwärtig ist ohnehin längst die Post-Demokrstie an ihre Stelle getreten. Und auch diese steht bereits vor ihrer Ablösung.

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
17 Tage 12 h

Die gesunden gewiss wieder.

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