Die Militärbasis wurde von etwa 20 Bewaffneten angegriffen

Angriff auf Kaserne laut Maduro Werk ausländischer Mächte

Montag, 07. August 2017 | 15:38 Uhr

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro hat ausländische Mächte für den bewaffneten Angriff auf einen Armeestützpunkt verantwortlich gemacht. Maduro bestritt am Sonntag, dass es sich bei den gewaltsamen Ereignissen in der Stadt Valencia um eine Rebellion der Streitkräfte gegen ihn gehandelt habe. Vielmehr stünden “Terroristen aus Miami und Kolumbien” hinter der Attacke, bei der zwei Angreifer starben.

Die Angreifer selbst hatten hingegen von einer “rechtmäßigen Rebellion” der Streitkräfte gesprochen. Für Maduros Machterhalt kommt der Armee eine Schlüsselstellung zu. Der Präsident stützt sich auf die Streitkräfte, denen er breiten Einfluss auf Politik und Wirtschaft zugesteht. Die Opposition hatte das Militär immer wieder aufgefordert, sich gegen Maduro zu erheben.

Der Präsident und die Armeeführung versuchten, Zweifel an der Loyalität der Streitkräfte zu zerstreuen. Maduro sprach im Fernsehen von einer Gruppe von “Söldnern”, die den Stützpunkt angegriffen hätten. Verteidigungsminister Vladimir Padrino sprach von “rechtsextremen Militanten, die in Kontakt mit ausländischen Regierungen stehen”. Die Streitkräfte wiesen die Verantwortung einem desertierten venezolanischen Leutnant zu, der in Miami im US-Bundesstaat Florida Zuflucht gesucht habe.

Nach Maduros Angaben ist der Leutnant unter den acht Festgenommenen. Er habe im Verhör zu dem Fall ausgesagt, berichtete der Präsident. Den Streitkräften dankte Maduro für die “unmittelbare Reaktion” bei der Niederschlagung des Angriffs. Zuvor hatte die Zeitung “El Nacional” berichtet, dem 2014 desertierten Offizier sei die Flucht gelungen. Bei den übrigen neun Angreifern hatte es sich laut Maduro um Zivilisten in Militäruniformen gehandelt. Zwei der “Terroristen” seien getötet worden.

Die Angreifer gingen offenbar selbst an die Öffentlichkeit. In einem online gestellten Video war ein Mann zu sehen, der sich selbst als Kommandant Juan Caguaripano bezeichnete und umringt von rund 15 militärisch gekleideten und teils bewaffneten Männern eine “rechtmäßige Rebellion” ausrief. Diese solle “die mörderische Tyrannei von Nicolas Maduro” beenden, sagte der Uniformierte. Er forderte die “sofortige Bildung einer Übergangsregierung und freie Wahlen” in Venezuela. Ob es sich bei dem Sprecher um den festgenommenen Ex-Leutnant handelt, war zunächst unklar.

Der oppositionelle Parlamentspräsident Julio Borges forderte die Regierung auf, die “Wahrheit” über den Vorfall in Valencia zu sagen. Er warnte vor einer “Hexenjagd” auf Regierungsgegner. Das venezolanische Oppositionsbündnis MUD (Tisch der Demokratischen Einheit) forderte von Maduro eine detaillierte Aufklärung der Vorgänge im Militärstützpunkt Paramacay.

In einer Erklärung von MUD hieß es am Montag unter anderem: “Es ist unsere Pflicht als Vertretung der überwältigenden Mehrheit im Lande, auf einer den Tatsachen entsprechenden Erklärung zu bestehen, fern der Manipulationen und dunklen Kalküle, die das Regime charakterisieren.” Es gebe aber keine umfassende Untersuchung, kritisierte MUD. Gleichzeitig wurde die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung gefordert. Die Streitkräfte müssten sich an ihren entsprechenden Eid halten.

Der Angriff am Sonntag richtete sich gegen den Paramacay-Stützpunkt in Valencia, der Hauptstadt des geschichtsträchtigen Bundesstaates Carabobo. Auf seinem Territorium fand 1821 unter dem Kommando von Simon Bolivar die entscheidende Schlacht von Carabobo im Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier statt. Die Armee ließ am Sonntag Kampfhubschrauber über der Stadt kreisen und gepanzerte Fahrzeuge auffahren.

Das ölreiche südamerikanische Land wird seit Monaten von politischen Unruhen und einem erbitterten Machtkampf zwischen Regierungslager und Opposition erschüttert. Ein neuer Höhepunkt der Konfrontation war die Einsetzung einer verfassunggebenden Versammlung, mit der Maduro das von der Opposition dominierte Parlament ausbootete.

Im Verlauf der gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden bereits mindestens 125 Menschen getötet. Am Sonntag wollte die verfassunggebende Versammlung, in der unter anderem Maduros Frau und Sohn sitzen, eigentlich eine Kommission zur Aufklärung der während der Proteste verübten “Verbrechen” einsetzen. Wegen des Angriffs auf den Militärstützpunkt setzte sie aber ihre Arbeit vorübergehend aus.

Wegen der politischen Lage im Land sind die Beziehungen Venezuelas zur internationalen Gemeinschaft gespannt. Die südamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur suspendierte am Samstag die Mitgliedschaft Venezuelas wegen des “Bruchs der demokratischen Ordnung”. Peru berief für Dienstag ein Treffen der Außenminister von 14 Staaten der Region ein, um die Krise zu erörtern.

Auch die EU kritisierte die jüngsten Entwicklungen in Venezuela. “Der Amtsantritt der Verfassunggebenden Versammlung und deren erste Handlungen, darunter die Entfernung Luisa Ortegas aus ihrem Amt als Generalstaatsanwältin, haben die Aussicht auf eine friedliche Rückkehr zur demokratischen Ordnung in Venezuela weiter verschlechtert”, ließ die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Montag in Brüssel mitteilen.

Legitime Institutionen, die Gewaltenteilung und die Meinungsfreiheit der Bürger seien zu respektieren, hieß es weiter. “Die venezolanische Regierung hat die Pflicht, die Achtung der venezolanischen Verfassung sicherzustellen.” Die Krise müsse auf dem Gesprächsweg gelöst werden. “Wir erwarten von der venezolanischen Regierung, dass sie dringend alle politischen Gefangenen freilässt und die Respektierung von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten sicherstellt.”

Von: APA/ag.