Der Fernsehturm im Herzen von Kiew nach dem Angriff

Angriff auf Kiewer Fernsehturm: Fünf Menschen getötet

Mittwoch, 02. März 2022 | 05:25 Uhr

Bei dem russischen Angriff auf den Fernsehturm von Kiew sind nach ukrainischen Angaben fünf Menschen getötet worden. Fünf weitere Menschen seien bei dem Luftangriff in der Nähe der Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar am Dienstag verletzt worden, teilte der Katastrophenschutz mit. Die Ausstrahlung der Fernsehprogramme war kurzzeitig unterbrochen. Zwei Raketen sollen eingeschlagen sein. Die Struktur des im Zentrum von Kiew stehenden Fernsehturms sei aber intakt geblieben.

Über dem Stadtviertel sei Rauch aufgestiegen und Ausrüstung für den Fernsehturm sei beschädigt worden, teilte das Ministerium weiter mit. In der Millionenstadt wurde am Nachmittag erneut Luftalarm ausgelöst.

Bürgermeister Vitali Klitschko bezeichnete die Lage als “bedrohlich”. “Der Feind will das Herz unseres Landes erobern. Aber wir werden kämpfen und Kiew nicht aufgeben”, schrieb er im Nachrichtenkanal Telegram. Er warnte zugleich vor Panik und Falschinformationen.

Kurz vor dem Beschuss des Fernsehturms hatte das russische Militär Angriffe auf Gebäude der ukrainischen Sicherheitsdienste in Kiew angekündigt. Diese sollten mit Präzisionswaffen erfolgen, um Cyberangriffe auf Russland zu stoppen, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Besonders im Visier sei unter anderem der Kiewer Vorort Browary. Die Bevölkerung in Kiew, die in der Nähe von Informations-Infrastruktur lebt, wurde aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Der Angriff Russlands auf die Ukraine begann am vergangenen Donnerstag.

Der Beschuss von Einrichtungen der ukrainischen Regierung deutet nach Angaben aus US-Kreisen auf eine geänderte russische Taktik hin. Russland bereitet dem ukrainischen Militärgeheimdienst zufolge auch eine Provokation vor, um eine Beteiligung von belarussischen Truppen in die Kämpfe zu rechtfertigen. Nahe der Grenze zur Ukraine seien etwa 300 belarussische Panzer zusammengezogen, teilt der Geheimdienst in sozialen Medien mit.

Die russische Armee verstärkte am Dienstag überdies den Druck auf die wichtigsten Städte der Ukraine. Satellitenbilder von einem mehr als 65 Kilometer langen russischen Militärkonvoi in der Nähe von Kiew lösten die Sorge aus, die Armee plane einen Großangriff auf die ukrainische Hauptstadt. Denn trotz internationaler Appelle für ein Ende des Kriegs verschärfte Russland seine Angriffe auf die Ukraine. Aus dem Zentrum der zweitgrößten Stadt Charkiw wurde am Dienstag eine gewaltige Explosion gemeldet.

Zwei Experten zufolge ist beim Angriff auf Charkiw offenbar Streumunition eingesetzt worden. “Charkiw war gestern offenbar das Ziel mehrerer Angriffe mit Streumunition”, erklärt Sam Dubberley von Human Rights Watch nach einer Überprüfung von Aufnahmen auf sozialen Medien. Der ehemalige britische Offizier Hamish de Bretton-Gordon stimmt der Einschätzung in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur Reuters zu. Die Ukraine hat Russland vorgeworfen, die von vielen internationalen Organisationen geächtete Explosivwaffen einzusetzen, bei denen Minibomben über eine größere Fläche verstreut werden. Der russische Regierungssprecher Dmitri Peskow nannte die Vorwürfe “ohne Zweifel Fake News”.

“Russland führt Krieg unter Verletzung des humanitären Völkerrechts”, twitterte hingegen das Außenministerium in Kiew. Moskau weist den Vorwurf zurück. UNO-Angaben zufolge wurden bereits mehr als 100 Zivilisten getötet und mehr als 300 verletzt. Einem Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge nimmt Russland bewusst Wohngebiete und Innenstädte unter Beschuss. “Russlands Ziel ist klar – Massenpanik, zivile Opfer und zerstörte Infrastruktur.” Bisher ist es den russischen Streitkräften nicht gelungen, trotz militärischer Übermacht eine der großen Städte unter ihre Kontrolle zu bringen. Ukrainische Streitkräfte und die Zivilgesellschaft stemmen sich vehement gegen die Invasion.

Russische Truppen sind nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums aber in die südliche Stadt Cherson vorgedrungen. Allerdings kontrolliere die Ukraine noch das Gebäude der Stadtverwaltung, sagt Ministeriumsberater Wadym Denysenko.

Die Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer stand ihrem Bürgermeister zufolge unter ständigem Beschuss. Dabei seien Infrastruktur sowie Schulen und Häuser zerstört worden, sagte Wadym Boitschenko. “Es gibt viele Verletzte. Es wurden Frauen und Kinder getötet. “Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte laut Nachrichtenagentur Tass, die russischen Streitkräfte kontrollierten mittlerweile die ukrainische Küste am Asowschen Meer. Damit hätte Russland eine Landverbindung zwischen seinem Kernland und der 2014 von der Ukraine annektierten Halbinsel Krim geschaffen.

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow zeigte sich unterdessen in sozialen Netzwerken veröffentlichten Aufnahmen demonstrativ mit schusssicherer Weste. Im Hintergrund standen zwei schwer bewaffnete Soldaten. Präsident Selenskyj und Resnikow hatten zuletzt häufiger Bilder von sich veröffentlicht, die sie in Kiew zeigen sollen – um Spekulationen über eine mögliche Flucht aus dem Land entgegenzutreten.

Selenskyj macht ein Ende der Bombardierung seines Landes zur Bedingung für “sinnvolle” Gespräche mit Russland über einen Waffenstillstand. Zudem fordert er die NATO auf, eine Flugverbotszone über der Ukraine einzurichten, um russische Luftangriffe zu verhindern. Dies sei als präventive Maßnahme gedacht und habe nicht zum Ziel, die Allianz in einen Krieg mit Russland zu ziehen. Einem Sprecher des türkischen Präsidialamts zufolge werde es am Mittwoch wohl auch kein Treffen zwischen ukrainischen und russischen Vertretern geben. Russland stelle “unrealistische” Forderungen, sagt er dem Sender CNN Türk.

Die Ukraine hofft unterdessen auf eine Vermittlung Chinas, um einen Waffenstillstand zu erreichen. Wie das Pekinger Außenministerium mitteilte, hat der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba am Dienstag in einem Telefonat mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi von einer “konstruktiven Rolle” Chinas gesprochen. Die Ukraine wolle die Kommunikation mit Peking verstärken und “sieht der Vermittlung Chinas zur Verwirklichung einer Feuerpause entgegen”, hieß es in der Mitteilung weiter.

Nach Angaben aus US-Kreisen stockt der russische Vorstoß auf Kiew. In den vergangenen 24 Stunden habe es diesbezüglich keine nennenswerte Bewegungen gegeben, sagte ein Insider. Zu den Gründen gehörten Probleme bei der Treibstoffversorgung und Logistik, möglicherweise stehe jedoch auch eine Umgruppierung sowie ein Überdenken des Einsatzes dahinter. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Belarus Truppen in die Ukraine schicke. Auch könne der Einsatz von Vakuum-Bomben nicht bestätigt werden. Die Angaben können von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Russland habe nach Angaben aus Kreisen des US-Verteidigungsministeriums inzwischen auch Probleme, die eigenen Soldaten mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Ein Vertreter des Pentagon sagte am Dienstag in Washington: “Es gibt (…) Anzeichen dafür, dass sie Probleme mit der Versorgung ihrer Truppen haben – dass ihnen nicht nur das Benzin ausgeht, sondern auch Lebensmittel.” Zudem sei der Widerstand der ukrainischen Streitkräfte größer als wohl von der russischen Seite erwartet.

Es gebe Hinweise darauf, “dass die Moral in einigen dieser Einheiten nachlässt, weil sie nicht mit dem Widerstand gerechnet haben, der ihnen entgegengebracht wird”, sagte der Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums weiter. Es könne daneben auch sein, dass die russischen Truppen aus eigenem Antrieb eine Art Pause einlegten, um sich neu zu gruppieren und aufzustellen und die eigene Strategie zu überdenken. Er betonte, die russischen Truppen würden sich sicher anpassen und versuchen, die Herausforderungen zu bewältigen.

Von: APA/AFP/dpa/Reuters

Kommentare
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Buecherwurm
Buecherwurm
Grünschnabel
2 Monate 27 Tage

Dass die Russen es nicht geschafft haben, Selenskyj sein Fernsehsprachrohr innerhalb von 5 Tagen abzuschalten, ist militärisch gesehen eine schwache Leistung !

Die russischen Kalibr-Marschflugkörper sind wohl eher unter Syvesterknaller einzuordnen, als dass man damit wirklich etwas kaputt hauen kann.

Paschtasciutta
Paschtasciutta
Grünschnabel
2 Monate 27 Tage

Er hat nicht mal di Hälfte seiner Armee eingesetzt, wenn er wollte, würde es schnell gehen..ein Druck auf ein rotes Knöpfchen und vorbei wäre es..

Offline1
Offline1
Kinig
2 Monate 27 Tage

@Buecherwurm…bleib bei deinen📖📖. 5 !! TOTE beim verbrecherischen Beschuss des Fernsehturms sprechen eine andere, traurige Sprache….

Faktenchecker
2 Monate 27 Tage

“…dass ihnen nicht nur das Benzin ausgeht, sondern auch Lebensmittel.”

n-tv

Lucifer
Lucifer
Grünschnabel
2 Monate 27 Tage

Irakkrieg der USA 100.000 Tote, habt ihr davon gelesen?

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
2 Monate 27 Tage

Mehr war in vier Tagen nicht zu schaffen. Nur Geduld

Anderrrr
Anderrrr
Universalgelehrter
2 Monate 27 Tage

Der Putin hotse nimmer olle sauber in schi o oll de toten a in seine reihen scheint ihm gleich zu sein hauptsoch er RIP OLLE WOS WEGN SETTEN LOPP IHR LEBEN UND HEIMAT LOSSN MIASN😣

Offline1
Offline1
Kinig
2 Monate 27 Tage

Weil bekanntlich auch Soldaten Fernsehen schauen, ist das nach der Lesart des Herrn Putin selbstverständlich ein militärisches Ziel😡😡😡😡😡

Boulderdash
Boulderdash
Tratscher
2 Monate 27 Tage

Wer kann den Wahnsinnigen noch stoppen? Ich hoffe auf das eigene Volk oder Militär, sonst gute Nacht.

Sigo
Grünschnabel
2 Monate 27 Tage

Ich hoffe auf China. Hätte mir nicht gedacht, das irgendwann zu sagen.
Das Volk hat keine Möglichkeiten und das Militär ist so ausgesucht und ausgedünnt, dass nur sehr Treue die oberen Ränge besetzen.

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
2 Monate 27 Tage

ja hoffen wir ! vielleicht bewirken ja die ganzen Sanktionen auch etwas

Obadja
Obadja
Tratscher
2 Monate 27 Tage

FLUCHTPLÄNE UND VORRÄTE ORGANISIEREN FÜR EVENTUELLE KOMMENDE KRIEGS-KRISE IN DER EU

HÖHLEN, BUNKER, US BAHN, LÖCHER USW…

ALS VORRÄTE GEHT AUCH ÖL UND WEIN

BITTE ALLES IM VORAUS PLANEN NICHT IM LETZTEN MOMENT

SICHERHEIT GEHT VOR – PUTIN WIRD/IST GEFÄHRLICH

Faktenchecker
2 Monate 27 Tage

Deine Psychose auch.

Savonarola
2 Monate 27 Tage

Kiew wird Putins Stalingrad werden

Doolin
Doolin
Kinig
2 Monate 27 Tage

…diese Kriegstreiber zerstören alles…

Gredner
Gredner
Kinig
2 Monate 27 Tage

Unter diesen Umständen sollte Deutschland nicht Waffen in die Ukraine liefern, sondern Kartoffeln!

andr
andr
Universalgelehrter
2 Monate 26 Tage

Das ist kein Krieg zwischen Russen und Ukrainer sondern ein Spiel einer handvoll Psychopathen. Die Tatsache ist das sich Familienväter gegenüberstehen die eigendlich nur Frieden wollen.
Ich hoffe nur das das russische Volk die Wahrheit erfährt, denn laut russischen Medien ist der Krieg nur eine kleine Friedensmission.
Für Putin ist die Lage ernst denn nach dem Krieg wird ihm keiner mehr trauen so oder so, es ist zu hoffen das er nicht total durchdreht.

Faktenchecker
2 Monate 26 Tage

Noch schlimmer, ist nach unbestätigten Aussagen, dass die Wehrpflichtige Jugendliche zu einer angeblichen Übung geschickt haben.

marher
marher
Universalgelehrter
2 Monate 26 Tage

Ist nur zu hoffen dass der Krieg sobald als möglich gestoppt wird. Putin und all sein Regim sollten am Ende von seinem eigenen Volk und den Rest der Welt als Kriegsverbrecher gestenpelt, hart bestraft werden. Für all den Gefallene R.I.P.

Der Sepp
Der Sepp
Grünschnabel
2 Monate 26 Tage

Es sollte jedem klar sein sollte Putin über die Ukraine siegen so ist das auch ein Sieg über Demokratie und europäische Werte. Das wird dem Psychopaten Aufschwung geben auch anderswo einzugreifen und das besorgt mich extra.
Helfen würde ein Militärputsch, glaube nicht, dass seine Gefolgsleute diesen absolut sinnlosen Krieg befürworten.

Faktenchecker
2 Monate 26 Tage

Wird alles für Den Haag protokolliert.

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