Die Festnahmen stehen in Zusammenhang mit den Anschlägen auf ICE-Züge

Anschläge auf ICE: Zwei Verdächtige in U-Haft

Donnerstag, 28. März 2019 | 17:55 Uhr

Im Zusammenhang mit den Anschlägen auf ICE-Bahnstrecken in Deutschland hat das Landesgericht Wien am Donnerstag über den terrorverdächtigen 42-jährigen Iraker und seine Frau Untersuchungshaft verhängt. Diese Entscheidung teilte die Sprecherin des Landesgerichts für Strafsachen Wien, Christina Salzborn, am Nachmittag mit. In Prag wurden unterdessen zwei mutmaßliche Helfer festgenommen.

Das in Wien lebende Ehepaar steht im Verdacht, im Oktober und Dezember 2018 in Deutschland terroristische Anschläge auf Bahnstrecken verübt zu haben. Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr könnten nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Daher wurden die beiden in Untersuchungshaft genommen, der Beschluss ist bis zum 11. April wirksam.

Es geht darum, dass am 7. Oktober auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München ein Stahlseil über die Bahngleise gespannt und mit Metallteilen verstärkte Holzkeile auf den Gleisen angebracht wurden, um einen Zug zum Entgleisen zu bringen. Ein ICE überfuhr die Hindernisse und wurde dabei nur leicht beschädigt. Im Dezember kam es bei Berlin zu einem vergleichbaren Vorfall. Menschen kamen durch die Anschläge nicht zu Schaden. Die Staatsanwaltschaft Wien geht aber davon aus, dass es nur aufgrund eines technischen Fehlers nicht zur geplanten Tötung von Menschen gekommen sei.

Der bereits am Montag bei seiner Wohnung in Wien-Simmering festgenommene 42-jährige Iraker hat die Tat gestanden, einen terroristischen Hintergrund seiner Handlungen oder einen Tötungsvorsatz bestreitet er laut Gericht aber weiterhin. In der Nähe des Tatorts wurden damals Schriftstücke in arabischer Sprache sowie eine IS-Flagge gefunden. Seine am Mittwoch ebenfalls festgenommene Ehefrau machte bisher keine Angaben. Nähere Angaben zum Stand des Ermittlungsverfahrens und weiteren Maßnahmen seien derzeit aus kriminaltaktischen Gründen nicht möglich, teilte das Gericht mit.

Unterdessen gehen die Ermittlungen zu möglichen Mittätern weiter. Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sprach am Donnerstag von einer “Terrorzelle”. In Prag wurden zwei Personen festgenommen, die im Verdacht stehen, den Verdächtigen unterstützt zu haben. Zwei Ausländer seien am Mittwoch auf dem Prager Flughafen kurz nach ihrer Ankunft festgenommen worden, teilte die Polizeisprecherin Eva Kropacova am Donnerstag auf APA-Anfrage mit.

Die tschechische Nachrichtenagentur CTK berichtete, es handle sich um einen Mann und eine Frau. Der 30-Jährige und die 27-Jährige stammen demnach ebenfalls aus dem Irak. Dort sollen sie Gelder zur Unterstützung der Terrormiliz IS gesammelt haben. Außerdem sollen sie den in Wien festgenommenen Landsmann bei seinen Anschlägen auf Bahnstrecken in Deutschland unterstützt haben.

Der in Wien Festgenommene hatte laut seinem Anwalt Wolfgang Blaschitz, der am Donnerstag in mehreren Medien zitiert wurde, erklärt, allein gehandelt haben. Auch einen Terrorhintergrund bestritt er. Die Attentate hätten eine politische Botschaft an die deutsche Regierung sein sollen, sagt der Iraker laut Blaschitz.

Die Festnahmen in Prag seien auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) erfolgt, erklärte Kropacova. Aus dem Innenministerium gab es dazu am Donnerstag keine weiteren Informationen. Die beiden befinden sich nun in Prag in Polizeigewahrsam. Das Prager Amtsgericht muss nun über die Auslieferung nach Österreich entscheiden. Die Staatsanwaltschaft Prag teilte mit, die zwei Festgenommenen werden verdächtigt, Mitglieder einer Terrororganisation zu sein und Terror finanziert zu haben. Der tschechische Innenminister Jan Hamacek erklärte am Donnerstag, es gebe keine Informationen, welche Anlass bieten würden, um die aktuelle Einschätzung der Terrorbedrohung zu ändern.

Von: apa