Starkes Polizeiaufgebot vor der Botschaft in Podgorica

Anschlag auf US-Botschaft in Montenegro

Donnerstag, 22. Februar 2018 | 13:43 Uhr

Auf die US-Botschaft in dem kleinen Adriastaat Montenegro ist ein Anschlag verübt worden. Ein 43-jähriger Serbe habe kurz nach Mitternacht eine Handgranate auf das Botschaftsgebäude in der Hauptstadt Podgorica geworfen und sei bei der Explosion einer zweiten Granate gestorben, berichteten örtliche Medien. Dalibor J. sei von seinem Bruder identifiziert worden.

Nach Angaben von Ermittlern handelte es sich allerdings nicht um einen Selbstmordanschlag, sondern um einen Unfall: Der Attentäter sei beim Werfen seiner zweiten Handgranate gestolpert, dabei sei der Sprengsatz explodiert, hieß es in Medienberichten. Sonst wurde bei dem Attentat niemand verletzt, auch am Gebäude entstand kein Schaden.

Der bereits lange in Podgorica lebende J., ein früherer Angehöriger der jugoslawischen Streitkräfte, war laut Medienberichten im Juni 1999 vom damaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic wegen “Verdiensten für die Verteidigung der Heimat” ausgezeichnet worden. Gemeint war sein Einsatz während des NATO-Bombardements gegen Jugoslawien. Unter Berufung auf das Twitter-Profil des Angreifers berichteten Medien in Podgorica, dass sich der Mann als Gegner des NATO-Beitritts Montenegros deklariert habe.

Montenegro steht seit langem zwischen den politischen Fronten. Im letzten Sommer wurde das Land in die NATO aufgenommen, obwohl es traditionell sehr enge Beziehungen zu Russland hat. Im Umfeld dieses Beitritts hatte US-Vizepräsident Mike Pence das Land mit nur 620.000 Einwohnern besucht und alle Staaten der Region gedrängt, ihre Beziehungen zu Russland zu lösen, um sich dem Westen zuzuwenden.

Bei der letzten Parlamentswahl im Oktober 2016 hatte es einen gescheiterten Putschversuch gegeben. In dem laufenden Gerichtsverfahren behauptet die Staatsanwaltschaft, Russland und der Nachbar Serbien als sein ebenfalls enger Verbündeter seien darin verwickelt gewesen. Moskau bestreitet jede Beteiligung als absurd und beschuldigt die montenegrinische Regierung, den Fall konstruiert zu haben, um das Land weiter von Russland zu entfernen.

Montenegro war als letzter Teil des auseinandergebrochenen Vielvölkerstaates Jugoslawien 2006 selbstständig geworden. Zunächst hatten russische Oligarchen große Teile der Wirtschaft übernommen und massiv Grundstücke an der Adriaküste aufgekauft. Russische Urlauber bildeten das Rückgrat der heimischen Tourismusindustrie. Inzwischen ist das Land jedoch NATO-Mitglied und einer der aussichtsreichsten EU-Kandidaten. Die EU-Kommission hatte zuletzt 2025 als mögliches Beitrittsdatum genannt.

Von: APA/dpa/ag.