Es gab im Umkreis von Hunderten Metern starke Zerstörungen

Anschlag in Kabul forderte mindestens 80 Tote

Mittwoch, 31. Mai 2017 | 14:50 Uhr

Bei einem verheerenden Anschlag im Diplomatenviertel von Afghanistans Hauptstadt Kabul sind am Mittwoch mindestens 80 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt worden. Dem afghanischen Innenministerium zufolge sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Lkw in die Luft. Zu der Attacke bekannte sich zunächst niemand.

Die gewaltige Explosion auf dem Sanbak-Platz hatte Kabul im morgendlichen Stoßverkehr erschüttert. Mehr als 50 Fahrzeuge wurden zerstört oder beschädigt. Über dem Anschlagsort stieg dicker schwarzer Rauch auf. Auf der Straße lagen Leichen, blutüberströmte Überlebende und völlig verängstigte Schülerinnen versuchten sich in Sicherheit zu bringen.

Dem afghanischen Gesundheitsministerium zufolge wurden mindestens 80 Menschen getötet. Mehr als 300 Menschen seien verletzt worden, darunter auch viele Frauen und Kinder. Die Opferzahl könne noch weiter steigen, weil immer noch Leichen unter den Trümmern entdeckt würden. Das afghanische Innenministerium rief die Einwohner Kabuls zu Blutspenden für die Verletzten auf.

Die Wucht der Detonation war noch in hunderten Metern Entfernung zu spüren. In der Nähe des Anschlagsortes liegen mehrere ausländische Botschaften, afghanische Ministerium und das NATO-Hauptquartier. Nach Angaben der französischen Regierung wurden die deutsche und die französische Botschaften beschädigt. Am Gebäude der indischen Vertretung entstanden Botschafter Manpreet Vohra zufolge “beträchtliche Schäden”. In der japanischen Botschaft erlitten zwei Mitarbeiter Schnittwunden durch zerborstene Fensterscheiben.

Ein afghanischer Fahrer des britischen Senders BBC ist getötet worden. Darüber hinaus seien vier BBC-Journalisten verletzt worden, teilte der Sender am Mittwoch in London mit. Auch ein afghanischer Wachmann der deutschen Botschaft wurde getötet, wie der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) mitteilte. Der Anschlag sei “in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft verübt” worden, teilte er in Berlin mit. Mehrere Bedienstete der Botschaft seien verletzt worden. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erschüttert: “In Momenten wie diesen wird uns einmal mehr klar: Der Terrorismus kennt keine Grenzen.” Zugleich gab sich Merkel entschlossen: “Wir werden den Kampf gegen den Terrorismus führen und wir werden ihn gewinnen.” Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein.

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte den “barbarischen” Anschlag gemeinsam mit OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier. Die “grausame Attacke”, die Afghanen und internationale Zivilisten getroffen hatte, sei “inakzeptabel”. Das OSZE-Engagement zur Unterstützung Afghanistans und seiner Menschen werde dies nicht ändern, sagte OSZE-Vorsitzender Kurz. Laut Verteidigungsministerium sind keine Österreicher vom Anschlag betroffen. In Afghanistan sind derzeit zehn österreichische Bundesheer-Soldaten im Rahmen der geführten NATO-Mission (RSM) im Einsatz.

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides äußerte sich “erschüttert” über den “mörderischen Terroranschlag in Kabul”.

Zu der Attacke bekannte sich zunächst niemand. Ende April hatten die radikalislamischen Taliban ihre jährliche “Frühjahrsoffensive” gestartet und ihre Angriffe verschärft. Zudem hatte die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zuletzt wiederholt Anschläge in Kabul für sich reklamiert.

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist weiterhin äußerst instabil. Mehr als ein Drittel des Landes wird nicht von den Sicherheitskräften der Regierung kontrolliert. In Kabul waren Anfang Mai bei einem Sprengstoffanschlag, den die IS-Miliz für sich reklamierte, mindestens acht Menschen getötet worden.

Im März hatten als Ärzte verkleidete Angreifer ein Militärkrankenhaus in Kabul gestürmt. Mindestens 50 Menschen wurden nach Angaben des afghanischen Verteidigungsministeriums getötet. Sicherheitskräfte und Überlebende berichteten sogar von mehr als hundert Toten. IS-Jihadisten bekannten sich zu der Tat. Ende April wurde der mutmaßliche Drahtzieher des Angriffs, Abdul Hasib, nach Angaben der USA und der afghanischen Regierung bei einem gezielten Einsatz von Spezialeinheiten getötet.

Von: APA/ag.