Laut Odoxa-Erhebung liegt Macron bei 24,5 Prozent

Anschlag verschafft Le Pen Rückenwind im Wahlkampf-Finish

Freitag, 21. April 2017 | 22:02 Uhr

Der Anschlag auf die Pariser Polizei verschafft der rechtspopulistischen französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen Rückenwind im Wahlkampffinish. In einer nach dem Anschlag am Donnerstag durchgeführten Umfrage zum Urnengang am Sonntag legte Le Pen um einen Prozentpunkt auf 23 Prozent zu, der Sozialliberale Emanuel Macron verlor einen halben Punkt auf 24,5 Prozent.

Ein mutmaßlicher Islamist hatte am Donnerstagabend auf dem Prachtboulevard Champs Elysees einen Polizisten erschossen und zwei weitere verletzt. Staatsanwalt Francois Molins berichtete am Freitag, dass am Tatort ein handschriftlicher Zettel gefunden worden sei, der vermutlich aus der Tasche des 39-Jährigen Angreifers gefallen sei, und in dem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verteidigt werde. Molins sprach von einer “terroristischen Tat”.

Le Pen bemühte sich am Freitag, politisches Kapital aus der Tat zu schlagen. Die Regierungen der vergangenen zehn Jahre hätten “alles getan”, um den “Krieg” gegen den Terrorismus zu verlieren, kritisierte sie. Der sozialistische Premierminister Bernard Cazeneuve warf ihr deswegen vor, “die Angst und die Aufregung schamlos für rein politische Zwecke auszunutzen”.

Auch der in den Umfragen auf dem dritten Platz liegende konservative Ex-Premier Francois Fillon versuchte, in letzter Minute mit dem Terrorthema zu punkten. Er sagte, der Kampf gegen “islamischen Totalitarismus” müsse die Priorität des nächsten Präsidenten sein. Trotz der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau hatte der Ex-Ministerpräsident in den Umfragen leicht aufgeholt.

Favorit Macron forderte die Wähler hingegen auf, sich nicht Angst, Spaltung und Einschüchterung zu ergeben. Er warnte nach dem Anschlag davor, “unverantwortlichen und verlogenen Versprechen” für mehr Sicherheit auf den Leim zu gehen.

US-Präsident Donald Trump sagte, dass der Anschlag einen “großen Effekt” auf die Wahl haben werde. “Eine weitere Terrorattacke in Paris. Das französische Volk wird das nicht mehr lange hinnehmen”, twitterte er am Freitag. Frankreich befindet sich seit Jahren im Visier radikaler Islamisten: Für Aufsehen im Wahlkampf sorgte jüngst auch ein Anschlagsplan, der durch die Festnahme zweier Verdächtiger in Marseille vereitelt wurde.

Die Attacke schürte auch Sorgen vor weiteren Angriffen während der Wahl. Das Sicherheitsaufgebot ist beispiellos: Insgesamt sollen rund 57.000 Polizisten und Soldaten die erste Wahlrunde am Sonntag sichern. In Frankreich wurden seit Anfang 2015 bei islamistischen Anschlägen 239 Menschen getötet.

Die Wahl wird in ganz Europa mit großer Spannung erwartet, hat doch Le Pen für den Fall eines Sieges ein Referendum über den EU-Austritt Frankreichs angekündigt. In den vergangenen Wochen konnte in den Umfragen auch der Linkskandidat Jean-Luc Melenchon zulegen, der die EU-Mitgliedschaft Frankreichs ebenfalls auf den Prüfstand stellen will. Er strebt eine Änderung der EU-Verträge und ein Ende der Sparpolitik in der Eurozone an.

Sollten es Le Pen und Melenchon in die Stichwahl schaffen, wäre dies nach Ansicht von Analysten ein “Killerszenario” für den Euro, weil ein Ausscheiden Frankreichs aus dem gemeinsamen Währungsraum wahrscheinlicher würde. Macron gilt hingegen als pro-europäisch. Meinungsforscher gehen davon aus, dass Le Pen in der Stichwahl jedenfalls den Kürzeren zöge.

Die Umfragen zeigten ein knappes Rennen zwischen den vier Kandidaten Macron, Le Pen, Fillon und Melenchon, die zwischen 25 und 19 Prozent lagen. Am 7. Mai treten die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen zur Stichwahl an.

Le Pen hat im Wahlkampfendspurt bereits stärker auf das Thema Immigration gesetzt und vor einer “Migrantenflut” gewarnt. Die FN-Chefin will alle Moscheen schließen, die im Verdacht stehen, mit dem radikalen Islam in Verbindung zu stehen. Die Rechtsextreme hat sich auch mehrfach kritisch über das wirtschaftlich starke Deutschland geäußert. Bei einem Einzug in den Elysee-Palast wolle sie nicht “Vizekanzlerin von Angela Merkel” werden und ihr Land nicht zu einer “Region in der EU” absteigen sehen, sagte sie in einer TV-Debatte.

In Berlin wie auch in Brüssel dürfte ein Sieg der FN-Chefin die Alarmsirenen schrillen lassen: Ein Triumph einer solchen Kandidatin in einem bedeutenden Gründerstaat würde “die gesamte EU schwer erschüttern”, warnte der deutsche Europa-Staatsminister Michael Roth jüngst im Reuters-Interview. Die Europäische Union hat Diplomaten zufolge allerdings keinen “Plan B”, falls am Sonntag in Frankreich die beiden Kandidaten mit einer EU-kritischen Haltung in die Stichwahl um das Präsidentenamt einziehen.

Von: APA/ag.

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