Anschober appelliert an Bevölkerung und Betreiber

Anschober-Appell wegen Massen in Einkaufszentren

Donnerstag, 12. November 2020 | 13:47 Uhr

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bezeichnet die jüngsten Bilder von größeren Menschenansammlungen in manchen Einkaufszentren als “besorgniserregend”. Er appellierte an die Betreiber von Einkaufszentren, die Gesundheit ihrer Kunden zu schützen und entsprechende Vorbereitungen zu treffen. In Sachen Daten-Problemen meinte Anschober am Donnerstag, dass das Einmelden neuer Erkrankungen wieder funktioniert.

“Wir haben in Österreich aktuell eine sehr hohe virologische Aktivität und damit ein hohes Risiko. Wir müssen daher alles tun, um Kontakte massiv zu verringern und das Risiko zu reduzieren. Die Bilder vom vergangenen Wochenende dürfen sich an diesem Wochenende nicht wiederholen”, warnte Anschober angesichts voller Einkaufszentren. “Die Einhaltung der vorgeschriebenen Höchstzahl an Kunden, das Verhindern von Menschenansammlungen und das Lenken der Kundenströme müssen von den Betreibern sichergestellt werden”, richtete der Gesundheitsminister seine Worte an die Verantwortlichen im Handel.

An die Kunden appellierte Anschober, “die Einhaltung der geltenden Regeln wie etwa die Einhaltung des Mindestabstands und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes unbedingt einzuhalten. Ich empfehle eindringlich, Essen und Getränke nicht direkt im Einkaufszentrum zu konsumieren”, riet er in einer Aussendung. Gastronomiebetriebe dürfen Speisen von 6.00 bis 20.00 Uhr derzeit ausschließlich zur Abholung oder Zustellung anbieten, die direkte Konsumation an Ort und Stelle ist nicht erlaubt.

Die in den vergangenen Tagen aufgetretenen Probleme mit den Corona-Daten wurden laut Anschober inzwischen behoben. Mehrere Länder hatten von massiven Schwierigkeiten beim Einmelden neuer Erkrankungen berichtet. “Die Nachricht heute Früh war, dass das erledigt ist und wieder zu 100 Prozent funktionieren sollte”, sagte Anschober. Am Donnerstag soll es demnach aber noch zu “Nachmeldungen” kommen.

Die Bundesländer hatten zuletzt von massiven Probleme bei der Einmeldung neuer Covid-Infektionen ins “Epidemologische Meldesystem” (EMS) berichtet. Das ist jenes Register, in dem alle Personen erfasst werden, bei denen eine anzeigepflichtige Krankheit festgestellt wird. Hier konnten die Länder zuletzt Tausende schon am Mittwoch bekannte Testergebnisse erst am Donnerstag einmelden, weshalb die Statistik der Neuinfektionen massiv verzerrt wurde.

Anschober meinte dazu, das EMS sei zwar “sehr weit entwickelt” und im Gegensatz zu anderen Ländern liefere dieses System in Österreich tagesaktuelle Daten. Allerdings sei die Datenbank bisher nur auf einige tausend Fälle im Jahr ausgelegt gewesen, nun gebe es tausende Fälle pro Tag. Man habe die Probleme mit externer Unterstützung bearbeiten lassen, “damit es zu keiner Verzögerung bei der Eingabe in das EMS mehr kommt.” Für den Donnerstag rechnet Anschober allerdings noch einmal mit Nachmeldungen und damit mit höheren Fallzahlen.

Kritik an dem Datenchaos kam zuletzt sowohl aus Kärnten als auch aus Wien. Laut dem Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) mitgeteilt, dass die Datenbank eigentlich darauf ausgelegt sei, 7.000 Salmonellenfälle im Jahr zu dokumentieren. “Und mit dem Ding wollen wir eine Covid-Pandemie dokumentieren. Das kann nicht funktionieren”, kritisierte Hacker.

Auch die Wissenschafter, die jene Prognoserechnungen durchführen, auf deren Grundlage die Politik über weitere Einschränkungen entscheiden soll, leiden unter der schlechten Datenlage. So verwies Stefan Thurner vom Complexity Science Hub Vienna im Ö1-Morgenjournal darauf, dass der Höhepunkt der Neuinfektionen schwer erkennbar sei: “Wann der Peak erreicht ist, ist aufgrund der gegenwärtigen Datenlage sehr schwierig vorherzusagen.”

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz