Peru will ab Samstag nur noch Migranten mit Reisepass ins Land lassen

Ansturm venezolanischer Flüchtlinge an Grenze zu Peru

Freitag, 24. August 2018 | 13:38 Uhr

Wenige Tage vor der von Peru geplanten Verschärfung der Grenzkontrollen hat das lateinamerikanische Land einen weiteren Ansturm venezolanischer Flüchtlinge erlebt. In Tumbes auf der peruanischen Seite der Grenze zu Ecuador standen die Menschen Schlange an den Kontrollen, um ihre Pässe vorzulegen. Viele von ihnen hatten Fußmärsche von Hunderten Kilometern hinter sich.

Peru will nach dem Beispiel Ecuadors ab Samstag nur noch venezolanische Migranten im Besitz eines Reisepasses ins Land lassen. Nur etwa die Hälfte der in Richtung Süden aus dem Krisenland Venezuela fliehenden Menschen besitzt jedoch Pässe, die anderen haben nur Personalausweise. Am Donnerstag hatte die ecuadorianische Regierung die Öffnung eines humanitären Korridors für Flüchtlinge aus dem Krisenland Venezuela angekündigt. Flüchtende aus Venezuela sollen mit Bussen durch das südamerikanische Land zur Grenze mit Peru gebracht werden.

Nach Peru kamen zuletzt pro Tag rund 2.500 Venezolaner, in Spitzenzeiten mehr als 5.000. Nach Angaben des Flüchtlingsbeauftragten der Regierung, Eduardo Sevilla, sind bereits 400.000 Venezolaner im Land. Es sei absehbar, dass im November die Schwelle von einer halben Million erreicht werde, sagte Sevilla am Donnerstag.

Innenminister Mauro Medina sagte, es sei nicht geplant, die Grenzen dicht zu machen. Peru verbessere seine Grenzkontrollen lediglich, um “Ordnung und Sicherheit” zu gewährleisten. Etwa 80 Prozent der ankommenden Flüchtlinge aus Venezuela seien ohnehin im Besitz von Reisepässen, sagte der Minister.

Unterdessen forderte die katholische Kirche in Ecuadordie Regierung auf, bei der Einreise venezolanischer Flüchtlinge auf den Besitz eines Reisepasses zu verzichten. Dies berichtete Kathpress am Freitag. Präsident Lenin Moreno solle das Außenministerium beauftragen, eine schnelle Lösung gegen die schlechte Behandlung venezolanischer Migranten an den Grenzen von Kolumbien, Ecuador und Peru zu finden, sagte der Vorsitzende der Ecuadorianischen Bischofskonferenz, Eugenio Arellano Fernandez, am Donnerstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz in Quito.

Auch Spanien ist zunehmend Ziel der Venezolaner: 40 Prozent der dort gestellten Asylanträge kamen in diesem Jahr von Venezolanern, wie die Sprecherin des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Madrid, Maria Jesus Vega, sagte. Am Freitag warnte die Organisation für Migration (IOM) vor einer Verschärfung der Venezuela-Krise..

Venezuela steckt infolge von Ölpreisverfall und Misswirtschaft in einer tiefen Wirtschaftskrise. Hyperinflation, Knappheit bei Nahrungsmitteln und Medikamenten sowie Engpässe bei der Strom- und Wasserversorgung machen vielen Venezolanern zu schaffen. Am Montag war die venezolanische Währung auf einen Schlag um 96 Prozent abgewertet worden. Nach UN-Schätzungen flohen bereits 2,3 Millionen Venezolaner ins Ausland.

Von: APA/ag.