Schwere Zeiten für Regierungschef Abdullah bin Nasser

Arabische Staaten kappen diplomatische Beziehungen zu Katar

Montag, 05. Juni 2017 | 22:23 Uhr

Wegen des Vorwurfs der Terrorunterstützung haben mehrere Golfstaaten die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarland Katar abgebrochen. Damit ist das kleine Emirat am Persischen Golf, in dem 2022 die Fußball-WM ausgetragen werden soll, weitgehend isoliert. Katar bezeichnete die Schritte als “ungerechtfertigt”.

Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten warfen Katar am Montag vor, Terroristen zu unterstützen oder zu beherbergen. Es handelt sich um die schwerste diplomatische Krise in der Region seit Jahren.

Saudi-Arabien habe sämtliche diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, um seine “nationale Sicherheit vor den Gefahren von Terrorismus und Extremismus zu schützen”, zitierte die Nachrichtenagentur SPA einen Regierungsvertreter. Grund seien “grobe Verfehlungen der Behörden in Katar in den vergangenen Jahren”. So gewähre das Land terroristischen Gruppen wie der Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS), Al-Kaida und der Muslimbruderschaft Unterschlupf.

Die Nachrichtenagentur von Bahrain meldete, Manama breche die Beziehungen zu Doha wegen Katars anhaltender Bemühungen ab, “die Sicherheit und Stabilität Bahrains zu erschüttern und sich in innere Angelegenheiten einzumischen”. Das ägyptische Außenministerium warf Doha ebenfalls Unterstützung des Terrorismus vor und verkündete, alle Häfen und Flughäfen würden für katarische Schiffe und Flugzeuge gesperrt.

Saudi-Arabien, Bahrain und Ägypten stoppen auch den Luftverkehr mit dem Emirat. Die saudische Luftfahrtbehörde verbot am Montag nach eigenen Angaben allen katarischen Maschinen die Landung. Zudem untersagte sie allen in Saudi-Arabien registrierten Luftlinien Starts in Richtung Katar, wie die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA meldete. Katars Flugzeuge dürften zudem Saudi-Arabien von Dienstag an nicht mehr überfliegen.

Saudi-Arabien wies seine Bürger an, Katar binnen 14 Tagen zu verlassen. Kataris dürfen zudem nicht mehr nach Saudi-Arabien einreisen. Katar wurde zudem aus der von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz ausgeschlossen, die seit zwei Jahren im Jemen gegen schiitische Rebellen kämpft.

Katar verurteilte den Abbruch der diplomatischen Beziehungen als “ungerechtfertigt”. Der Schritt basiere auf “falschen und gegenstandslosen Behauptungen”, erklärte das Außenministerium in Doha. Ziel sei es offenbar, Katar politisch zu “bevormunden”. Das katarische Außenministerium erklärte, es sei vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen überrascht. Katar sei einer Hetzkampagne ausgesetzt, die auf Verleumdungen basiere.

Die US-Regierung stärkte Katar den Rücken. Die USA und die von ihr geführte Koalition gegen den IS seien dankbar für das Engagement Katars für die regionale Sicherheit und die andauernde Unterstützung für die Truppenpräsenz der Anti-IS-Koalition, sagte ein Sprecher des US-Zentralkommandos.

Das US-Präsidialamt teilte mit, Präsident Donald Trump werde sich bemühen, die Lage zu deeskalieren. Die Vereinigten Staaten wollten keinen “dauerhaften Bruch” zwischen den Golf-Staaten, erklärte ein ranghoher Vertreter der Trump-Regierung. Auch der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan riefen nach einem Telefonat zu einem Dialog zwischen den Konfliktparteien auf. Es müsse einen Kompromiss geben “im Interesse der Bewahrung von Frieden und Stabilität in der Golf-Region”, erklärte das russische Präsidialamt.

Saudi-Arabien schloss das lokale Büro des Nachrichtensenders Al-Jazeera in dem Königreich und entzog dem Sender aus Katar die Lizenz. Al-Jazeera habe Terrororganisationen unterstützt und versucht, die nationale Souveränität Saudi-Arabiens zu stören, meldete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA mit Verweis auf das saudische Ministerium für Kultur und Information.

In den vergangenen Wochen war der Führung in Doha unter anderem in mehreren US-Medien die Finanzierung von terroristischen Gruppen vorgeworfen geworden. Im vergangenen Monat hatte es zudem Aufregung über Meldungen der amtlichen katarischen Nachrichtenagentur gegeben, die Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani mit brisanten Äußerungen zitiert hatte. Er habe die Nachbarländer kritisiert und den schiitischen Iran als Staat gelobt, der zu Stabilität in der Region beitrage.

Die Regierung in Doha bezeichnete die angeblichen Äußerungen als gefälscht und sprach von einem Hackerangriff auf die Nachrichtenagentur. Trotzdem hielten die Spannungen an. Der schiitische Iran ist ein Erzrivale von Saudi-Arabien und der anderen von Sunniten regierten Golfstaaten.

US-Außenminister Rex Tillerson rief die Golfstaaten auf, ihren Streit beizulegen. Er ermuntere die Beteiligten, sich an einen Tisch zu setzen “und die Differenzen anzusprechen”, sagte Tillerson in Sydney. Offensichtlich gebe es in der Region einige Konflikte, die nun hochkochten, sagte er. Er erwarte nicht, dass der Abbruch der Beziehungen zu Katar maßgeblich Auswirkung auf den Kampf gegen den Terrorismus haben werde. Es sei wichtig, dass der Golf-Kooperationsrat “geeint bleibt”. Der Organisation gehören neben Katar, Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten auch der Oman und Kuwait an.

Das Verhältnis mehrerer Golfstaaten zu Katar ist seit langem angespannt. Bereits vor rund drei Jahren hatten Saudi-Arabien, Bahrain und die Emirate ihre Botschafter für einige Monate aus Katar abgezogen. Sie stießen sich vor allem an der Unterstützung Katars für die ägyptischen Muslimbrüder. Ägypten, Saudi-Arabien und die VAE haben die Islamisten als Terrororganisation verboten.

Von: APA/dpa

Kommentare

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23 Kommentare auf "Arabische Staaten kappen diplomatische Beziehungen zu Katar"


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Laempel
Laempel
Grünschnabel
19 Tage 5 h

Wenn es diese arabischen Staaten über Nacht ohne Vorankündigung und Wimpernzucken schaffen die Grenzen zu einem Staat dicht zu machen, weil von ihm Förderung des islamistischen Terrors ausgeht, so wird Europa das wohl auch schaffen.
Oder sind wir wirklich schon so unfähig, dass wir weder imstande sind genau zu überprüfen, wer da zu uns kommt, noch bereits polizeibekannte islamistische Gefährder, ob nun eingewandert oder selbst herangezüchtet, durch sofortige Abschiebung oder unbefristetes Wegsperren unschädlich zu machen?

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
19 Tage 3 h

die Gefährder sind zumeist schon im Staat integriert, wichtig ist diese, kaum neigen sie zur Radikalisierung, weg zu sperren und ab zu schieben 😉

Tabernakel
19 Tage 2 h

Ich gehe schon mal die Grenzschranke zu Quatar schliessen.

Staenkerer
19 Tage 55 Min

@Kurt wenn sie bekonnt wern u. als solche feststehn isch es gleich ob der im lond eingebunden isch od. erst zuagewondert isch, ba ersterem gheart er weggsperrt od. samt anhang auszuweißn u. ba zeiterem gheartn de nahtlos nach hause!
sunscht soll europa a weit abgelegene insl suachn u. se ollesomt sem hinverbannen … a na, geat nit den de außngrenzn zum wosser kennen jo nit gsichert wern😉 (der obsotz böse iron.)
de sicherheit a lei eines menschenlebn gheart in jedem foll weit über humanität u. menschenrecht zu stelln!

ivo815
ivo815
Superredner
18 Tage 22 h

Darf ich mir erlauben, Ihnen einen Atlas zu empfehlen?

Neumi
Neumi
Superredner
18 Tage 17 h

An welchen an Europa grenzenden Staat denkst du da im Besonderen? Die Regierung welchen an Europa grenzenden Staats hat Terrorismus offen unterstützt?

Eppendorf
Eppendorf
Tratscher
19 Tage 3 h

Saudi Arabien boykottiert also andere Länder, da sie Terroristen unterstützen, mal was Neues.
Die Saudis sind die ideologischen Väter des IS.

enkedu
enkedu
Universalgelehrter
18 Tage 23 h

das ist auch was neues..

ivo815
ivo815
Superredner
18 Tage 21 h

@enkedu Guten Morgen!!

Kropfli
Kropfli
Grünschnabel
19 Tage 3 h

Nachdem die USA und deren Verbündeten nicht über Assad zu dem Gas aus Qatar kommt, werden wir jetzt wohl das nächste Land sehen welches destabilisiert und dem Erdboden gleich gemacht wird. Bis heute hat man von Qatar nichts gehört und plötzlich soll es das Land mit grosser Terrorgefahr sein!? Moderne Kriegstelenovela…

Frage: warum sind es immer Länder welche mit Russland verbündet sind? 🙄

ivo815
ivo815
Superredner
18 Tage 22 h

Ein Beitrag mit Kopf! Selten hier. 👍

Leitwolf
Leitwolf
Grünschnabel
18 Tage 20 h

Das stimmt so nicht Kropfli, Katar ist dafür bekannt, dass sie Moscheen in ganz Europa finanzieren. Darunter die grösste auf Sizilien.

speckbrot
speckbrot
Tratscher
19 Tage 5 h

Der Grund ist, dass Katar die moslembrueder unterstützt und die Scheichs Angst haben vom Thron gestuerzt werden.

Popeye
Popeye
Superredner
19 Tage 4 h

Man sollte auch fragen wo IS die Waffen her holte.
Aus Italien ! Tauschhandel mit der Mafia.
IS raubte Kunst, und lieferte ab bei der Mafia. Die verkauften die Kunstobjekte weltweit weiter.
IS bekam dafür Waffen aus Arsenale des Yugoslavischen Bürgerkriegs, häufig über Mittelsmanner in Russland.
Dieser Krieg löste eine enorme Flüchtlingswelle aus. Die Clans in Italien stellen die Boote bereit,. kontrollieren die Lager, erpressen ein Teil des Schleppergeldes, stecken Geld von der EU ein….
Also wer verdient Gold ans Elend ???

siehe auch Saviano. L’ Espresso.

josef.t
josef.t
Tratscher
19 Tage 1 h
Katar “2022 die Fußball-WM” ? Da gab es Berichte, das hunderte Arbeiter (meist Ostasiaten) beim Bau von den “Fußballarenen” zu Tode gekommen sind, wegen den ((ungefähr 200 € im Monat)) Arbeitsbedingungen und der großen Hitze. Der Beanstandungen wegen begaben sich Beckenbauer und Effenberg, in das Land um die Richtigkeit zu überprüfen, sie fanden dabei nichts Außergewöhnliches, verständlich in den”5 Sterne Hotels”… Für die Fußball-Millionäre, die auf dem blutgetränkten Plätzen spielen werden, wurde die WM auf den Winter verlegt, wegen der unerträglichen Temperaturen ? Christliche abendländische Kultur-Werte ? Was sollen da unsere Politiker oder Presse auch groß dazu sagen, es betrifft ja keiner… Weiterlesen »
enkedu
enkedu
Universalgelehrter
18 Tage 23 h

kannsch des nochmals ordnen, den plunder aussortieren und nur die zwei drei halbwegs verlässlichen dinge niederschreiben? 😂😂

maria zwei
maria zwei
Superredner
19 Tage 5 h

Nicht schlecht!!! War nicht vor Kurzem Trump bei den Saudis?

Tabernakel
19 Tage 2 h

Katars Emir Scheich Hamad Al-Thani hatte sich erst vor rund zwei Wochen
mit US-Präsident Donald Trump während seiner Reise in den Nahen Osten
getroffen.

zombie1969
zombie1969
Superredner
19 Tage 4 h

Katar unterstützt also Terroristen.
Das war bei der Vergabe der Fusball-WM natürlich noch völlig unbekannt…
Die Welt freut sich auf die friedvollen Spiele im Fussballtraditionsland Katar.
Noch wäre Zeit, den ganzen Wahnsinn abzublasen.
KSA, Iran, Bahrein und UAE sollten ihre diplomatischen Beziehungen besser zu sich selbst abbrechen, weil sie ebenfalls Terrorunterstützer sind. Aber immerhin ist jetzt ein Anfang gemacht. Grundsätzlich weiss aber jeder der dorthin zur WM fährt nun Bescheid, worauf er sich da einlässt.

Staenkerer
18 Tage 7 h

wieso? wer zu der WM noch katar fohrt brauch sich wenigstens vor terroranschläge nit zu fürchtn!

Neumi
Neumi
Superredner
19 Tage 5 h

Und die “wir bekämpfen Terror in jeder Form” USA versuchen, die Koalition doch noch zu retten. Sollten sie den Staaten nicht gratulieren? Aber nein, sie selbst sind vom Terror ja nicht betroffen, also dürfen DIE Terroristen geschützt werden.
Tillerson erwähnt in seinem Statement die Vorwürfe noch nicht mal, würde ja auch kein gutes Licht auf ihn werfen.

Tabernakel
18 Tage 21 h
MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
18 Tage 9 h

Katar hat ,und tut es noch massiv diese Massenmörder IS(islamischer Staat) mit Massengeld und Waffen unterstützt-hat AlKhaida und sämtliche Terroristenorganisation unterstützt-die internationalenAnschläge unterstützt und so ein Scheissland darf die Fussballweltmeisterschaft bei 40 und + Grad Hitze austragen,dank diesen Herren Sepp Blatter-Platini und Beckenbauer. Allen die Bankkonten einfrieren -die Liegenschaften versteigern und einlochen!!!!!😡

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