Passagen der Studie wurden im Außenministerium umgeschrieben

Aslan-Studie: Kurz fordert Entschuldigung von Kritikern

Mittwoch, 08. November 2017 | 17:45 Uhr

Dem Islamforscher Ednan Aslan kann im juristischen Sinn kein wissenschaftliches Fehlverhalten bei der Erstellung seiner Studie zu islamischen Kindergärten vorgeworfen werden. Sie weist aber sehr wohl Mängel auf – das ist das Ergebnis einer Prüfung der Arbeit. Während Außenminister Sebastian Kurz eine Entschuldigung forderte, sehen sich auch die Roten in der Kritik an der Studie bestätigt.

Aus Sicht von Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) bestätigte die externe Prüfung der Studie von Islamforscher Ednan Aslan zu Islamkindergärten in Wien, dass kein wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt. Er forderte daher eine Entschuldigung der Kritiker bei Aslan und den Beamten. Wie von seinem Team bereits erklärt wurde, habe es bei der Erstellung der Studie “keine Manipulation” gegeben, das habe die Prüfung bestätigt, betonte Kurz am Rande der ÖVP-Klubsitzung am Mittwoch. Es liege kein wissenschaftliches Fehlverhalten vor, zeigte sich der Ressortchef “froh” über das Ergebnis – “was wir immer gesagt haben”.

Kurz forderte nun, dass sich jene, die versucht hätten, Aslan anzupatzen und auch “massive Vorwürfe” gegen Beamte erhoben haben, Gedanken darüber machen, ob es nicht richtig wäre, sich bei diesen zu entschuldigen. Der ÖVP-Obmann erklärte außerdem: “Sollte ich Bundeskanzler werden, werde ich mit aller Kraft gegen die Fehlentwicklungen in islamischen Kindergärten in Wien vorgehen”, denn in diesen Einrichtungen würden Kinder abgeschottet, kritisierte er. Es sei falsch, islamische Kindergärten, in denen Kinder abgeschottet aufwachsen, mit Steuermitteln zu finanzieren, dies sei das Gegenteil von Integration.

Um zu sehen, dass es hier Fehlentwicklungen gebe, brauche es aber gar keine Studie, meinte er weiters. Der Vorwurf der Kritiker sei aber gewesen, dass die Studie manipuliert worden sei und das sei “falsch”. Nun solle man nicht andere Themen in den Vordergrund rücken, er habe auch nie den Vorwurf gehört, dass es problematisch sei, eine Pilotstudie zu präsentieren. Gegen Aslan habe es vom Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) “und anderen fast eine Rufmordkampagne ” gegeben. Sie sollten nun nachdenken, wie sie damit umgehen, dass wochenlang etwas behauptet worden sei, das “unrichtig” ist, so Kurz.

Allerdings sieht sich auch die SPÖ in ihrer Kritik an der Islamkindergarten-Studie durch den Prüfbericht bestätigt: Der für Kindergärten zuständige Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) verwies auf “grobe Mängel” der Expertise und beklagte die Instrumentalisierung der Studie durch die Politik.

“Das heute präsentierte Ergebnis der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) zur Kindergarten-Studie belegt im Grunde das, was wir immer gesagt haben: Die Studie weist schwere Mängel auf, die Kommission übt deutliche Kritik an der wissenschaftlichen Güte und spricht auch von Einflussnahme des Ministeriums”, beklagte der Stadtrat. Dass mit Fakten aus dieser Studie Politik und Stimmung gemacht worden sei, sei “umso bedenklicher”.

Wien sei es immer wichtig gewesen, das Thema auf der Basis von qualitativ abgesicherten Fakten zu diskutieren. Deshalb habe man auch eine “weit umfassendere Studie” dazu beauftragt, betonte Czernohorszky: “Insgesamt ist der Ruf der Universität nach klaren Regeln bei der Kooperation mit staatlichen Stellen sehr zu begrüßen. Gerade die Vorgänge rund um diese Studie haben gezeigt, dass die Rollen von Politik und Wissenschaft klar getrennt werden müssen.”

Die Prüfkommission der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) hatte am Mittwoch ihre Ergebnisse präsentiert. Dem Autor der Studie sei im juristischen Sinn kein wissenschaftliches Fehlverhalten nachzuweisen, wurde dabei betont. An den Ergebnissen wurde ebenfalls nicht gerüttelt. Kritik gab es aber teilweise an der Qualität der Expertise bzw. des Abschlussberichts. Auch die Zusammenarbeit mit dem Außen- bzw. Integrationsministerium wurde thematisiert. Es sei dabei in einigen Fällen zu “Inhaltsverschiebungen” gekommen, die nicht immer wissenschaftlich nachvollziehbar seien, wie es hieß. Aslan habe jedoch betont, dass die Änderungen auf seinen Auftrag hin vorgenommen worden seien.

Die Stellungnahme der Kommission wurde am Mittwoch vom Rektor der Universität Wien, Heinz W. Engl, präsentiert. Die Expertise ist laut Engl 32 Seiten stark. Sie fußt auf mehreren externen Gutachten. Das gesamte Prüfergebnis ist noch nicht einsehbar, wie er betonte. Denn dafür sei die Zustimmung Aslans nötig, der derzeit noch im Ausland weile.

Vorsätzliche Verstöße gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis konnten eben nicht geortet werden, hieß es. Diese hätten möglicherweise sogar strafrechtliche Konsequenzen, wie Uni-Wien-Rektor Heinz W. Engl erläuterte. “Es ist keine tolle Studie, aber im strengen juristischen Sinn wurde wissenschaftliches Fehlverhalten nicht nachgewiesen”, betonte Engl. Der Leiter der Kommission, der deutsche Jurist Stephan Rixen, wurde aus Bayreuth zugeschaltet – und präzisierte: “Die Gutachten sagen durchaus, dass es immer wieder Stellen gibt, die nicht nachvollziehbar sind.” Nicht alles sei “nobelpreisverdächtige Forschung”.

Die Schwächen waren laut den Prüfern vor allem methodischer Art. Manchmal seien, so wurde kritisiert, zu pauschale Aussagen in der Kindergarten-Expertise getroffen worden. Die Frage, ob die “Mindestbedingungen” in Sachen wissenschaftliches Arbeiten insgesamt unterschritten worden seien, hätte man aber verneint.

Rixen stellte aber auch klar: “Es steht außer Streit, dass es Einfluss seitens des Ministeriums gab.” Im entsprechenden Förder-Vertrag sei zwar keine Rede davon gewesen, dass das Ministerium am Abschlussbericht mitwirken dürfe – dies sei aber geschehen. Aslan habe mit dem Ministerium zum Teil “sehr intensiv zusammengearbeitet”. Oft sei es dabei nur um sprachliche bzw. redaktionelle Änderungen gegangen. Aber: In einigen wenigen Fällen hätten auch “Inhaltsverschiebungen” stattgefunden.

Der Rechtswissenschafter führte jenes im “Falter” zitierte Beispiel an, wonach Aslan ursprünglich formuliert haben soll, dass auch muslimische Eltern in den Kindergärten für ihre Kinder “Werte wie Respekt, Gelassenheit, Individualität des Kindes, Hygiene, Zufriedenheit der Kinder, Pünktlichkeit, Liebe, Wärme und Geborgenheit, Selbstständigkeit und Transparenz der Regeln” suchten. In der Neuformulierung habe es geheißen: “Besonders wichtig ist ihnen (den Eltern, Anm.), dass den Kindern islamische Werte vermittelt werden”.

“Das ist einer der wenigen Fälle, in dem man sagen muss, dass ist eine inhaltliche Verschiebung, die aus wissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar ist”, konstatierte Rixen. Die Kommission hat mit Aslan selbst gesprochen, der laut den Prüfern versichert hat, dass sämtliche Änderungen auf seine Anweisung hin geschehen sind. Mit den betreffenden Beamten des Ministeriums gab es zumindest keine persönlichen Gespräche. Von dort sei eine schriftliche Stellungnahme eingelangt, wurde heute betont.

Uni-Rektor Engl kündigte heute die Erarbeitung von Richtlinien an, die künftig die – durchaus erwünschte, wie er versicherte – Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik regeln soll. Möglich sei die Schaffung einer Art “Firewall”, die verhindern solle, dass auch nur der Anschein irgendeiner Art von Beeinflussung entstehe.

Auch sei zu überlegen, ob die Veröffentlichung von “Pilotstudien”, die nur die Basis für weitere Forschung liefern sollen, in “politisch heiklen Fällen” überhaupt sinnvoll sei. Professor Rixen zeigte sich ebenfalls überzeugt: “Jetzt müssen wir überlegen, wie können wir künftig klare Regeln schaffen, dass solche grenzgängerischen Interventionen möglichst verhindert werden.”

Die Frage, welche Note er der Arbeit Aslans gegeben hätte, wollte der Rektor der Universität Wien nicht beantworten. Er sei Mathematiker und könne die Studie darum inhaltlich nicht beurteilen, sagte Engl. Vorsichtige Zweifel ließ er aber dann dennoch walten: Die statistische Datenbasis sei für manche Aussagen “viel zu gering”. Das sei zumindest sein Eindruck.

Der Autor der Studie zeigte sich am MIttwoch zufrieden darüber, dass ihm im Rahmen der Prüfung seiner Arbeit kein wissenschaftliches Fehlverhalten im juristische Sinn vorgeworfen wurde. Er habe kein anderes Ergebnis erwartet, sagte er dem “Standard”: “Ich habe keine Fehler gemacht.”

Er habe nie bewusst Ergebnisse verfälscht oder “irgendeiner Partei irgendwelche Dienste” erwiesen: “Ich bin froh, dass das jetzt auch wissenschaftlich bestätigt wurde.” Befragt zur Kritik an qualitativen Mängeln, sagte Aslan: “Die wissenschaftlichen Gutachter hatten die Aufgabe zu prüfen, ob ein wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt – und die Antwort war eindeutig: Nein.”

Zu den angeblichen Eingriffen im Ministerium habe er eine rund 15-seitige Stellungnahme an die Gutachter abgegeben, die wohl in den Bericht eingeflossen sei, erzählte er dem “Standard”. Dass der Bericht öffentlich gemacht wird, dagegen habe er nichts auszusetzen, versicherte Aslan. Lediglich wenn es Passagen gebe, mit denen er sich grundsätzlich nicht identifizieren könne, hätte er gerne, dass auch seine Meinung dazu veröffentlicht werde.

“Es war eine Pilotstudie, und ich wollte damit erreichen, dass eine größere Studie zu diesem Thema gemacht wird. Ich wollte Missstände in den islamischen Kindergärten in Wien aufzeigen – und die habe ich damit aufgezeigt”, verteidigte der Autor seine Arbeit. Dass diese so ein “Riesenthema” wird, damit habe er nicht gerechnet.

Derzeit wird eine zweite Studie zu dem Thema erarbeitet. Darauf haben sich Stadt und Bund 2015 verständigt. Der Abschluss der Untersuchung wurde noch für heuer in Aussicht gestellt.

Von: apa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Aslan-Studie: Kurz fordert Entschuldigung von Kritikern"


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zombie1969
zombie1969
Superredner
9 Tage 6 h

Immer nur Muslime, Muslime und nochmals Muslime. Unglaublich!
Es gibt in A auch noch die integrierten, tüchtigen und hier willkommene nichtmuslimischen Migranten. Der Fokus sollte wieder vermehrt auf diese tüchtigen Menschen gerichtet werden, als auf die aggressiven und bildungsfernen Muslime, von denen der Grossteil von der vom Steuerzahler finanzierten Sozialhilfe lebt und auch die hiesigen Gefängnisse und Kriminalitätsstatistiken mit grosser Anwesenheit bevölkern.

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