Medienauflauf vor Ecuadors Botschaft in London

Assange: Schuldspruch in Großbritannien, Anklage in USA

Donnerstag, 11. April 2019 | 17:42 Uhr

Ein britisches Gericht hat Wikileaks-Gründer Julian Assange am Donnerstag in London für schuldig befunden, gegen seine Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Dafür droht ihm eine Haftstrafe von bis zu zwölf Monaten. Die US-Justiz strebt unterdessen eine Verurteilung des in London festgenommenen Wikileaks-Gründers wegen einer Verschwörung zum Angriff auf Regierungscomputer an.

Wie das Justizministerium in Washington am Donnerstag mitteilte, drohen Assange dafür bis zu fünf Jahre Haft. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Wikileaks-Publikationen Hunderttausender geheimer Regierungsdokumente in den Jahren 2010 und 2011, die Wikileaks von der früheren US-Soldatin Chelsea Manning zugespielt worden waren.

Die Anklage bleibt allerdings hinter den schlimmsten Befürchtungen Assanges zurück. Der 47-Jährige hatte befürchtet, in den USA wegen Spionage angeklagt zu werden – wofür ihm potenziell sogar die Todesstrafe gedroht hätte.

Das US-Justizministerium hob hervor, dass auch die im Rahmen der erhobenen Anklage vorgesehene Maximalstrafe von fünf Jahren nicht wahrscheinlich sei. Die tatsächlichen Strafen für Delikte nach dem US-Bundesrecht lägen “typischerweise” unter den im Gesetz vorgesehenen Höchststrafen.

Konkret wird Assange angelastet, sich mit Manning verbündet zu haben, um ein spezielles Passwort für den Zugang zu Rechnern des US-Verteidigungsministeriums zu knacken. Manning hatte den Angaben zufolge bereits zwar bereits ohne dieses Passwort Zugang zu diesen Computern und von ihnen Hunderttausende Geheimdokumente heruntergeladen, die sie dann an Assange weiterleitete. Das Knacken des Passworts – das offensichtlich nicht gelang – hätte es ihr jedoch erleichtert, ihre Identität beim weiteren Herunterladen von Material zu verschleiern.

Die US-Regierung bat die britischen Behörden nach Angaben der dortigen Polizei bereits um die Auslieferung von Assange. Dieser will sich gegen die drohende Auslieferung in die USA wehren. Der 47-jährige Australier werde das US-Auslieferungsgesuch “anfechten und bekämpfen”, sagte Assanges Anwältin Jennifer Robinson am Donnerstag in der britischen Hauptstadt

Der Wikileaks-Gründer war am Donnerstag in der ecuadorianischen Botschaft in London festgenommen worden, in der er zuvor sieben Jahre lang Zuflucht gefunden hatte. Der Zugriff in der Botschaft Ecuadors erfolgte gegen 09.00 Uhr. Ein Video der Festnahme zeigt, wie Assange von sechs Polizisten in Zivilkleidung zu einem Polizeiwagen getragen wurde.

Assanges Anwalt argumentierte in London vor Gericht, der heute 47-Jährige habe sich den Behörden entziehen müssen, da ihn kein fairer Prozess erwarte und er an die USA ausgeliefert werden solle. Der Richter am Westminster Magistrates’ Court wies das als “lachhaft” zurück.

Ein Datum für das Urteil steht noch nicht fest, bis dahin soll Assange in Gewahrsam bleiben. Am 2. Mai soll es vor dem selben Gericht um das Auslieferungsgesuch der USA gehen.

Die Festnahme erfolgte aufgrund einer Gerichtsanordnung von 2012 wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen. Assange war damals in die ecuadorianische Botschaft geflohen, um einer Auslieferung an Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen und einer Überstellung an die USA zu entgehen.

Die britische Premierministerin Theresa May verteidigte die Festnahme. “In Großbritannien steht niemand über dem Gesetz”, erklärte sie im Parlament in London und dankte Ecuador für die Zusammenarbeit sowie der Polizei für ihre “große Professionalität”. Auch Ecuadors Präsident Lenín Moreno verteidigte den Entzug des diplomatischen Asyls. Sein Land habe “in souveräner Weise” gehandelt.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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14 Kommentare auf "Assange: Schuldspruch in Großbritannien, Anklage in USA"


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Wolke
Wolke
Tratscher
9 Tage 3 h

Wir brauchen eine sehr viel größere Masse an kritischen Geistern: Es kann doch nicht sein, dass die paar Menschen, die den Mut haben, die “kriminelle” Machenschaften von Geheimdiensten und dem “Tiefen Staat” sichtbar zu machen, wie Verbrecher verhaftet und weggesperrt werden, und dass die, die ungesehen von der allgemeinen Öffentlichkeit schräge Sachen machen, einfach ungehindert weiter ihren Plänen nachgehen können.
Leider sehe ich, dass die allermeisten Menschen so sehr mit der Bewältigung ihres Alltags und mit ihren persönlichen Privatproblemchen beschäftigt sind, dass Schweinereien im Großen einfach so durchgehen.
Mehr Aufmerksamkeit, Solidarität und Schutz für Whistleblower !!!!!!!

Mistermah
Mistermah
Kinig
8 Tage 22 h

Bravo… sehe ich genauso 👍

Zugspitze947
Zugspitze947
Tratscher
9 Tage 6 Min

Sehr gut dass dieser Ganove endlich der Gerechtigkeit zugeführt wird 🙂

Mistermah
Mistermah
Kinig
8 Tage 22 h

Ganove?? Jetzt weiß ich aus wessen loch du pfeifst. Eingesperrt gehören ganz andere. Am besten nackt auf die zugspitze für 947 Tage 😂

Zugspitze947
Zugspitze947
Tratscher
8 Tage 22 h

haha=träum weiter, du kommst da gar nicht mal hoch 😉

Mistermah
Mistermah
Kinig
8 Tage 6 h

😂 wer weiß 😂

silas1100101
silas1100101
Superredner
9 Tage 1 h

Die Wahrheit sagen über die Mächtigen und Elite ist in der EU und USA gefährlich!!

Zugspitze947
Zugspitze947
Tratscher
8 Tage 5 h

in Südtirol leider auch 😉

m69
m69
Kinig
9 Tage 1 h

Das sagt alles über die (noch) Macht der USA und deren Vasallen aus!

typisch
typisch
Kinig
9 Tage 52 Min

Jaja wikileaks und trump sind für das reich der guten demokraten zimlich gefährlich👏👏👏

Daktari
Daktari
Grünschnabel
8 Tage 21 h

unter Obama dem Demokrat wurde dieser Haftbefehl ausgestellt , traue der Demokratie schon lange nicht mehr , die haben jede menge Leichen im Keller , wer weis wie viele ? aber Trump wird’s richten , ich bin überzeugt und verlasse mich auf ihm

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
8 Tage 21 h

Jeder der die Wahrheit ans Licht bringt wird abverurteilt und mundtod gemacht. War schon immer so…den Nobelpreis müsste er bekommen.

silas1100101
silas1100101
Superredner
8 Tage 19 h

Richtig!!!

silas1100101
silas1100101
Superredner
9 Tage 1 h

Man hätte ihn herausschmuggeln und nach Russland in Sicherheit bringen sollen!! Eventuell durch die Kanalisation herausschmuggeln!!

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