"Brenner muss offen und ohne Kontrolle bleiben"

Kompatscher: “Kurz agiert wie ein echter Europäer”

Donnerstag, 05. Juli 2018 | 11:10 Uhr

Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher ist wegen Österreichs Plänen zur möglichen Einführung dauerhafter Brenner-Grenzkontrollen als Reaktion auf eine neue Asylpolitik Deutschlands besorgt, vertraut jedoch Bundeskanzler Sebastian Kurz. “Er agiert wie ein echter Europäer”, so Kompatscher im Interview mit der Mailänder Tageszeitung “Corriere della Sera” (Donnerstagsausgabe).

Kompatscher urgierte eine gesamteuropäische Lösung zum Schutz der EU-Außengrenzen und zur Regelung der Einwanderung innerhalb Europas. “Die Antwort kann nicht die Schließung der Binnengrenzen sein: So verliert die Wirtschaft ganz Europas. Das bedeutet, all das zu zerstören, was wir seit der Nachkriegszeit aufgebaut haben. Der Brenner war viele Jahre ein Ort der Trennung und ist heute ein Symbol der europäischen Einheit. Er muss offen und ohne Kontrolle bleiben”, sagte der Südtiroler Landeshauptmann.

Am Brenner gebe es keinen Flüchtlingsnotstand. “Der Migrantenstrom hat sich auf Null verringert. Es gibt keinen konkreten Grund, um wieder dauerhafte Kontrollen einzuführen”, sagte der 47-Jährige. Kurz habe sich wie ein echter Europäer verhalten, indem er Deutschland klar gemacht habe, dass die Grenzschließung einen Dominoeffekt auslösen würde. “Mit einseitigen Schritten verlieren wir alle”, so Kompatscher.

Der Südtiroler Landeshauptmann erklärte, er plane ein Telefongespräch mit dem österreichischen Bundeskanzler. Dieses werde vor Kurz’ Treffen mit dem deutschen Innenminister Horst Seehofer am heutigen Donnerstag erfolgen.

Von: apa

Bezirk: Bozen, Wipptal