US-Präsident Trump besuchte die "Tree of Life"-Synagoge

Attentat in Pittsburgh: Mutmaßlicher Täter angeklagt

Mittwoch, 31. Oktober 2018 | 20:35 Uhr

Nach dem Attentat auf jüdische Gläubige in einer Synagoge in Pittsburgh hat eine Grand Jury Anklage gegen den mutmaßlichen Täter erhoben. Dem 46-Jährigen werden insgesamt 44 Punkte zur Last gelegt, darunter Hassverbrechen, wie aus einer Mitteilung des Justizministeriums vom Mittwoch hervorgeht. Dem Mann könnte die Todesstrafe drohen.

Eine Grand Jury wird eingeschaltet, um die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise zu prüfen und zu entscheiden, ob Anklage erhoben werden soll.

Der 46-jährige Rechtsradikale wird beschuldigt, in der “Tree of Life”-Synagoge in Pittsburgh (Pennsylvania) elf Menschen im Alter zwischen 50 und 97 Jahren erschossen zu haben. Augenzeugen zufolge soll er beim Eindringen in die Synagoge gerufen haben: “Alle Juden müssen sterben.”

Zuvor hatten rund 1.500 Menschen gegen den Beileidsbesuch von US-Präsident Donald Trump in der Synagoge mit lautstarken Protesten demonstriert. Während Trump am Dienstag mit Ehefrau Melania und anderen Familienmitgliedern in symbolischen Gesten die elf Todesopfer des antisemitischen Anschlags ehrte, machten Demonstranten ihrem Unmut Luft.

Sie warfen ihm vor, die rechtsextreme Szene anzuspornen. Die Demonstranten versammelten sich direkt vor den Sicherheitsabsperrungen an der Synagoge und riefen unter anderem “Worte bedeuten etwas” und “Kein Hass mehr”. Auf Transparenten waren Botschaften wie “Hassreden erzeugen Hassverbrechen” oder “Trump, Sie haben Blut an den Händen” zu lesen.

Trumps Besuch in Pittsburgh trage eher zur Spaltung bei, als dass er “zusammenbringt”, sagte die 57-jährige Bibliothekarin Nonie Heystek, die sich der Demonstration anschloss. Pittsburgh sei “stärker als der Hass”, sagte die 62-jährige Pensionistin Patricia Calderone, die ein Schild mit der Aufschrift “Trumps Lügen töten” hochhielt.

Vertreter der örtlichen jüdischen Gemeinde hatten bereits kurz nach dem Anschlag deutlich gemacht, dass sie keinen Besuch des Präsidenten wünschten. “Präsident Trump, Sie sind in Pittsburgh nicht willkommen, bis Sie den weißen Nationalismus umfassend verurteilen”, schrieben sie in einem offenen Brief, der auch während der Demonstration verlesen wurde. Die Unterzeichner bezeichneten den bisher tödlichsten antisemitischen Anschlag der US-Geschichte als “direkte Zuspitzung” von Trumps “Einfluss”.

Proteste gegen einen Kondolenzbesuch nach einem Gewaltakt sind in den USA ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Der Demonstration in Pittsburgh schlossen sich Menschen aller Altersgruppen und Glaubensrichtungen an. Sie verlief laut Polizei friedlich.

Der Rabbi der Lebensbaum-Synagoge, Jeffrey Myers, hatte im Vorfeld gesagt, der Präsident sei willkommen. Myers führte Trump und seine Angehörigen dann durch das Gotteshaus, in dem ein Mann am Samstag judenfeindliche Parolen gebrüllt und elf Menschen erschossen hatte.

Trump hatte kurz nach dem Anschlag Antisemitismus und andere Formen des Hasses auf Religionen und Minderheiten verurteilt. Kritiker werfen ihm jedoch vor, durch seine aggressive Rhetorik gegen politische Rivalen und gesellschaftliche Minderheiten den Boden für politische Gewalt bereitet zu haben.

Von: APA/dpa/ag.

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