Kein Doppelpass für italienischsprachige Südtiroler?

Aufregung um Doppelpass für italienischsprachige Südtiroler

Freitag, 05. Oktober 2018 | 13:56 Uhr

Die von der österreichischen Regierung geplante Einführung einer Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler löst erneut Polemik in Italien aus. Für Aufruhr sorgte ein Bericht der “Neuen Südtiroler Tageszeitung” (Freitagsausgabe), die sich auf Dokumente der mit der Prüfung der Frage des Doppelpasses beauftragten Expertenkommission in Wien bezog.

Daraus geht hervor, dass italienischsprachige Südtiroler den Doppelpass nicht beantragen können. Laut der Tageszeitung sollen italienischsprachige Südtiroler nur dann den Doppelpass beantragen können, wenn sie beweisen, dass sie mit einer Person verwandt sind, die in Südtirol während des habsburgischen Reichs lebte. Die “neuen Österreicher” sollen keinen eigenen Wahlkreis erhalten. Die Kommission hoffe auf eine Einigung mit Rom in Sachen Doppelstaatsbürgerschaft.

Der Bericht löste den Protest der postfaschistischen Partei “Brüder Italiens” (Fratelli d ́Italia) aus. Deren Fraktionschef in der italienischen Abgeordnetenkammer, Francesco Lollobrigida, sprach von “unannehmbarer Provokation” seitens der österreichischen Regierung. Die Pläne zur Einführung der Doppelstaatsbürgerschaft seien eine “unerträgliche Diskriminierung” gegenüber der italienischsprachigen Bevölkerung.

“100 Jahre nach dem italienischen Sieg im Ersten Weltkrieg sollte die italienische Regierung streng auf Provokationen sezessionistischer Parteien reagieren”, so Lollobrigida. Seine Partei werde fordern, dass Südtiroler, die den österreichischen Pass beantragen, automatisch die italienische Staatsbürgerschaft verlieren.

Vizekanzler und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und der italienische Vizepremier und Lega-Chef Matteo Salvini werden unterdessen Ende kommender Woche in Trient und Bozen zu Wahlkampfauftritten anlässlich der Landtagswahl in Südtirol am 21. Oktober erwartet. Das berichtet die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Freitag.

Laut einem Facebook-Eintrag wird sich Salvini am 13. und 14. Oktober in Trient und Bozen aufhalten. Danach wird Strache im Sinne einer “Staffelübergabe” im Rahmen einer “Blauen Nacht” der Südtiroler Freiheitlichen in einem Bierlokal im Zentrum von Bozen auftreten. Möglicherweise wird der Lega-Chef zum “Endspurt” kurz vor dem Wahlkampfverbot ab 20. Oktober erneut nach Südtirol kommen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte im September am Wahlkampfauftakt der Südtiroler Volkspartei (SVP) teilgenommen, was von rechtsgerichteten italienischen Politikern als “inakzeptable Einmischung einer fremden Macht” kritisiert wurde. Zudem wurde gegen Österreichs Pläne zur Einführung der Doppelstaatsbürgerschaft für deutschsprachige und ladinische Staatsbürger plädiert.

Von: apa

Bezirk: Bozen