Wer klingelt als nächster Chef an die ÖBAG-Tür? Zwei Favoriten gibt es

Aus 120 mach eins: Morgen wird neuer ÖBAG-Chef gekürt

Donnerstag, 26. August 2021 | 22:48 Uhr

Am Freitag steht die Kür der neuen Spitze der Staatsholding ÖBAG bevor. Die Personalie soll im Rahmen eines außerordentlichen Aufsichtsrats fixiert werden. Nach dem vorzeitigen Abtritt von Thomas Schmid wegen kompromittierender Chats war die Chef-Suche nötig geworden. “Viele haben sich beworben, über 120 Personen”, sagte ÖBAG-Aufsichtsratschef Helmut Kern der APA. Wer es morgen wird, bleibt abzuwarten. Als Favoritin gilt die ÖVP-nahe Wirtschaftsanwältin Edith Hlawati.

Fünf Personen hat der Nominierungsausschuss, dem Kern ebenso vorsitzt, in Zusammenarbeit mit dem Headhunter Zehnder auf Basis von Hearings in die engere Auswahl genommen. Namen wollte Kern am Donnerstag freilich noch keine nennen. “Wir wollten wissen, wie sie die ÖBAG führen wollen, welche Konzepte und Ideen sie haben um die Staatsholding zu entwickeln.” Nach den Hearings, die am gestrigen Mittwoch an verschiedenen Orten in Wien stattgefunden haben, zog sich der Nominierungsausschuss zu einer Klausur zurück.

In der Klausur “haben wir dann eine Beurteilung vorgenommen. Egon Zehnder hat mit seiner Einschätzung begonnen.” Danach waren die anderen Mitglieder des Nominierungsausschusses – neben Kern dessen Stellvertreter Karl Ochsner und der Arbeitnehmervertreter Werner Luksch – an der Reihe. Auch zwei Zehnder-Seniorpartner gaben ihre Einschätzung ab, so Kern.

“Alle Headhunter und alle drei ÖBAG-Vertreter hatten unabhängig voneinander die selbe Person vorne – mit großem Abstand”, betonte Kern. “Auch alle anderen waren wirklich gute Bewerber.” Hinter der Spitzenposition gab es laut Kern aber schon unterschiedliche Präferenzen. Jedenfalls: “Jetzt wird der Nominierungsausschuss diese eine, erstgereihte Person dem Aufsichtsrat zur Wahl vorschlagen.”

Als Favoriten galt zuletzt die 64 Jahre alte Wirtschaftsanwältin Edith Hlawati. Sie gilt als ÖVP-nahe und ist Partnerin der Wiener Kanzlei Cerha. Aufsichtsratserfahrung, die ein ÖBAG-Chef mitbringen sollte, hat sie. Immerhin leitet sie etwa das Aufsichtsgremium der teilstaatlichen, börsennotierten Post AG. Aber auch der 61 Jahre alte Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun gilt als erfahrener Manager als Wunschkandidat mancher. Laut “Kurier” fand sich auch der Ölmanager Karl Rose auf der Shortlist. Kern verriet: “Es waren insgesamt drei Herren und zwei Damen in der engeren Auswahl. Zwei Bewerbungen waren international, eine davon stammte tatsächlich von einer Ausländerin und eine von einem Auslandsösterreicher.”

Morgen stellt dann Headhunter Zehnder dem Aufsichtsrat nochmals den Prozess des Auswahlverfahrens vor. Er werde die Hearing-Kandidaten anonymisiert vorstellen, ohne dass deren Ziele und deren Hintergrund zu kurz kämen, erläuterte Kern. Die eine Person, die vom Nominierungskomitee vorgestellt wird, wird auch namentlich genannt und werde nach einer Fragerunde mit Zehnder dem Aufsichtsgremium vorgestellt, wo sie sich vorstellen und weiter auf Fragen eingehen soll. Danach diskutiert der Aufsichtsrat gegebenenfalls nochmals ohne der Kandidatin oder dem Kandidat und schreitet zur Abstimmung. Für die Wahl genügt eine einfache Mehrheit.

Was wenn die Wahl des Wunschkandidaten des Nominierungskomitees nicht erfolgt, was als wenig wahrscheinlich gilt? “Dann heißt es zurück in den Nominierungsausschuss”, sagte Kern zur APA. Dieser würde Anregungen und Kommentare des Aufsichtsrats mitnehmen und “seine Hausübung neu machen. Aber Ich gehe nicht davon aus, dass es dazu kommt. Das wäre sehr ungewöhnlich”, so Kern. Seine Arbeit aufnehmen soll der neue Alleinvorstand im ersten Quartal des kommenden Jahres. Einstweilen führt Christine Catasta die Geschäfte interimistisch.

SPÖ und NEOS meldeten sich zur Stellennachbesetzung in Aussendungen zu Wort. “Wenn der Nominierungsausschuss der ÖBAG dem Aufsichtsrat morgen wirklich nur eine Person für die Position präsentiert und andere Bewerberinnen und Bewerber gar nicht die Möglichkeit bekommen, ihr Konzept vorzustellen, dann lässt das nur den Schluss zu, dass hier neuerlich die Bestellung im türkisen Hinterzimmer ausgepackelt wurde”, hieß es vom sozialdemokratischen Vizeklubchef Jörg Leichtfried. “Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier schon wieder gepackelt wird, was das Zeug hält”, so NEOS-Wirtschaftssprecher Gerald Loacker. “Transparente Postenbesetzungen sehen jedenfalls anders aus. Das Desaster der Thomas-Schmid-Bestellung darf sich aber auf keinen Fall wiederholen.”

Von: apa

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