Unter Tränen berichtete Babtschenko von der geheimen Mission

Babtschenko lebt – Angeblicher Mord war Spezialeinsatz

Mittwoch, 30. Mai 2018 | 20:14 Uhr

Die Ukraine hat den angeblichen Mord an dem kremlkritischen Journalisten Arkadi Babtschenko nur vorgetäuscht und verschärft damit ihren Konflikt mit Russland. Der 41-Jährige russische Journalist erschien am Mittwoch lebendig und unversehrt bei einer Pressekonferenz des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU in Kiew.

Der fingierte Anschlag auf Babtschenko sei ein Spezialeinsatz gewesen, um Aktivitäten russischer Geheimdienste aufzudecken, teilte der SBU überraschend mit. Russland kritisierte den Fall als Propagandaaktion und Provokation.

Die ukrainische Polizei hatte am Dienstag mitgeteilt, dass Babtschenko mehrfach in den Rücken geschossen worden sei. Die Behörden in Kiew machten Moskau für die Tat verantwortlich. Russland wies dies entschieden zurück.

Der russische Journalist Babtschenko ist als scharfer Kritiker der Regierung in Moskau bekannt. 2017 war er aus Russland geflohen. Sein vermeintlicher Tod hatte weltweit Trauer und Empörung ausgelöst.

Der angebliche Mord sei eine über Monate vorbereitete Aktion gewesen, um Anschlagspläne des russischen Geheimdienstes zu enttarnen, sagte SBU-Chef Wassili Grizak. “Wir haben einen Mordanschlag auf Babtschenko mit einem Spezialeinsatz verhindert”, sagte er. Der mutmaßliche Organisator sei festgenommen worden und werde verhört. Der Täter habe von den Hintermännern 30.000 US-Dollar (25.956,05 Euro) in Aussicht gestellt bekommen, für einen Mittelsmann habe es 10.000 Dollar gegeben, sagte Geheimdienstchef Grizak.

Babtschenko sagte, er sei vor etwa einem Monat in die Pläne eingeweiht worden. “In diesem Monat habe ich gesehen, wie die Jungs arbeiten, wie eifrig sie sind. Den ganzen Monat über waren wir im Kontakt, haben wir nachgedacht, gearbeitet, gehandelt. Und das Ergebnis war dieser Spezialeinsatz.” Er entschuldigte sich bei seiner Frau “für die ganze Hölle, die sie durchmachen musste”.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko lobte den SBU für die “glänzende Operation”. Er wies die Sicherheitskräfte an, Babtschenko und seiner Familie rund um die Uhr Personenschutz zu geben.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, kommentierte bei Facebook, es sei offensichtlich, dass die Aktion einen Propagandaeffekt habe. “Dass Babtschenko lebt, ist die beste Nachricht”, schrieb sie. Die Ukraine spiele mit Leben und Tod sowie mit dem vertrauen der internationalen Gemeinschaft und verbreite antirussische Hysterie, teilte das Ministerium mit. “Wir sind überzeugt, dass die ausländischen Partner und die internationalen Institutionen aus dieser Situation ihre Schlüsse ziehen.” Der Kreml lehnte eine Stellungnahme zunächst ab.

Die Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, Rubina Möhring, kritisierte die Vorgehensweise: “Dieser fahrlässige Umgang mit der Wahrheit ist unverzeihlich und ein geschmackloses Spiel mit der Glaubwürdigkeit der Medien”. Auf Lügen aufgebaute Suche nach einem möglichen Attentäter, noch dazu in Zusammenarbeit mit einem Geheimdienst, widerspreche jedweder professionellen Ethik und sei auf das Schärfste abzulehnen, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung.

Das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine ist seit 2014 zerrüttet. Wegen der russischen Annexion der Halbinsel Krim sowie Moskaus Unterstützung für prorussische Separatisten im Kriegsgebiet Donbass sieht sich die Ukraine im direkten Konflikt mit Russland.

Von: APA/ag.

Kommentare

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2 Kommentare auf "Babtschenko lebt – Angeblicher Mord war Spezialeinsatz"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
m69
m69
Tratscher
23 Tage 16 h

… Geheimdienste …, das einzig wahre ist, dass die Wahrheit als erstes stirbt.

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
23 Tage 13 h

des find i schun a zu krass… des tuat man nit

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